29.04.2021 - 10:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kapelle Tröglersricht mit rotem Sand gebaut: Stadt Weiden plant 280.000 Euro für Sanierung

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Mit riesigem Einsatz, aber kleinem Budget ersetzt die Dorfgemeinschaft Tröglersricht vor gut 140 Jahren ihr Glockentürmchen durch eine Kapelle. Die sehr einfache Bauweise kommt der Stadt Weiden teuer zu stehen – übrigens zum zweiten Mal.

Die Tröglersrichter Dorfkapelle muss wieder umfassend saniert werden. Erste Kostenschätzungen der Stadt Weiden, die Eigentümerin des Kirchleins ist, liegen bei 280 000 Euro.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Das historische hölzerne Glockentürmchen ist am Ende. Und auch ein überdachter Ort für die Maiandachten fehlt. Deshalb beschließen die Tröglersrichter vor 140 Jahren, ein kleines Kirchlein zu errichten. Die Gemeinde stellt Grund zu Verfügung. Das Bauholz kommt aus dem Gemeindeforst. Der Zement wird mit dem roten Sand angerührt, der sich vor Ort findet. Für aufwändige Gründungsarbeiten auf dem Felsdorn in halber Höhe des Fischerberges bleibt keine Zeit. Wie damals oft üblich, setzt man das Fundament auf den gewachsenen Boden.

Mit den Jahren gewachsen sind damit auch die Probleme. Immer wieder zeigen sich Risse im gesamten Gebäude, das sich „bewegt“. Zu Beginn der 1980er Jahre wollen die Tröglersrichter die Schwierigkeiten mit einer Radikalkur heilen, und die heißt Abbruch und Neubau.

Ein schmuckes, modernes Kircherl soll das alte Gebäude ersetzen. Dafür hat die Dorfgemeinschaft gespart und die Erlöse aus drei Pfingstfesten, die seit 1972 der CSU-Ortsverband am Pfingstmontag an der Kapelle veranstaltet, zurückgelegt. Es gibt bereits eine Bauzeichnung. Mit vereinten Kräften und eigenen Baumaterialien sollen rund 30.000 Mark für den Neubau reichen. Obwohl noch kein Abbruchantrag gestellt ist, signalisieren die Stadtratsfraktionen 1982 bereitwillig ihre Zustimmung.

Geplanten Neubau gestoppt

Das Kircherl steht aber unter Denkmalschutz. Und im Hin und Her der Diskussionen erfahren die Tröglersrichter nun erst, dass ihnen ihre eigene Kapelle gar nicht mehr gehört: Grund und Gebäude sind nämlich schon während der NS-Zeit klammheimlich dem Vermögen der Stadt Weiden einverleibt worden. Den Tröglersrichtern vergeht zunächst die Lust, für ihr Vorhaben zu kämpfen. Ihr Stolz ist gekränkt, ihre Liebe zum Kirchlein, an dem weiter der Zahn der Zeit nagt, erhält einen kräftigen Dämpfer.

Die Stadt Weiden saniert schließlich Mitte der 1980-er das Gebäude, das mit dem Viehheiligen St. Wendelin, mit Michael und St. Sebastian gleich drei Patronen gewidmet ist.

Nicht ohne Häme sehen die Tröglersrichter, dass sich bereits ein Jahr nach der Sanierung wieder Risse zeigen, auch weil am „Stoß“ von Wand und Decke Dehnfugen fehlen. Das Fundament arbeitet. Niemand kann aber damals ahnen, dass fast 40 Jahre vergehen würden, bis die Stadt sich zur weiteren Sanierung entscheidet. „Heute sind wir froh, dass wir unsere Kapelle haben“, bekennt Alois Lukas, dessen Flächen das Gotteshäuschen bis an die Grundmauern umschließen.

Die nächste Sanierung

Nun ist die Stadt wieder gefordert. Nach fast 40 Jahren ist die nächste Sanierung überfällig. Wind und Wetter fordern ihren Tribut. Die Farbe ist ab. Vor allem aber sind die Risse, die vom Dach über die Wände bis runter ins Fundament reichen, ohne tiefgreifende Sanierung nicht in den Griff zu bekommen. Sorgen bereitet der rote Sand, der beim Bau der Kapelle verwendet wurde: Er hat nämlich einen extrem hohen Lehmanteil.

In nichtöffentlicher Sitzung vergab der Bau- und Planungsausschuss den Planungsauftrag bereits an das Büro ALS aus Amberg, das unter anderem für die Sanierung des Alten Rathauses verantwortlich zeichnete. Dieses Jahr ist noch für die Planung vorgesehen: 2022 werden die Fundamente saniert, dann sollen Dachstuhl und Fassade folgen. Insgesamt rechnet man bei der Stadt Weiden mit Kosten von rund 280.000 Euro.

Tröglersricht zählt zu den ersten Eingemeindungen Weidens

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Tröglersricht einst als Wehranlage errichtet

  • Im 11. Jahrhundert entsteht der Turmhügel Tröglersricht als Wehranlage im Zuge des Landesausbaus, den die Grafen von Sulzbach betreiben. Im Anwesen Nummer 4 sollen noch Reste einer Burg stecken
  • 1396 hat Volland der Redwiczer Tröglersricht zu Lehen.
  • 1407 gehört das Dorf Tröglersricht zum Besitz der Stadt Weiden
  • 1587 gehört das Dorf Tröglersricht zum Landgericht Leuchtenberg und zur Pfarrei Schirmitz. Die niedere Gerichtsbarkeit liegt beim Amt Parkstein
  • Anfang des 19. Jahrhunderts gehört Tröglersricht mit 8 Häusern (6 Höfen) und 39 Einwohnern zur Stadt Weiden
  • 1808 wird Tröglersricht mit 74 Einwohnern und 9 Wohngebäuden Steuerdistrikt
  • 1837 verliert die Stadt Weiden die gutsherrliche Gerichtsbarkeit über Tröglersricht, doch bereits 1838 kommt das Dorf zum neu gebildeten Landgericht Weiden
  • 1861 ist Tröglersricht mit 67 Einwohnern Teil der Gemeinde Edeldorf
  • 1880/1882 errichtet die Dorfgemeinschaft in Eigenregie die Kapelle
  • 1915 Eingemeindung zur Stadt Weiden
  • In den 1920-er Jahren wird der Gemeindegrund zum Großteil verkauft und damit privatisiert
  • Nach 1933 wird die Kapelle klammheimlich ins Eigentum der Stadt Weiden überführt, was die Tröglersrichter erst erfahren, als sie 1982 die Kapelle durch einen Neubau ersetzen wollen
  • 1982/84 wird die Kapelle, die unter Denkmalschutz steht, von der Stadt Weiden generalsaniert
Blick zum Altar. Auch hier Risse am Anschluss von Decke und Wänden. Sie reichen bis hinunter ins instabile Fundament. Das Tröglersrichter Dorfkirchlein steht unter Denkmalschutz.
Risse in allen Fenstebögen, von der Decke bis zum Boden,

 

 

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