Weiden in der Oberpfalz
13.07.2026 - 14:56 Uhr
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Katzenkratzer verursacht schwere Entzündung: Notoperation im Klinikum Weiden

Kratzer gehören für Katzenbesitzer dazu. Ein unachtsamer Moment beim Spielen mit dem Stubentiger genügt, um einen Tatzenhieb abzubekommen. Meist sind die Blessuren harmlos, manchmal eskaliert das Ganze. So wie bei Bea Obst aus Kaimling.

Als Bea Obst an einem Tag Ende Dezember 2025 mit ihrem Kater T’challa spielt, ahnt sie nicht, welche Folgen das für sie haben wird. „Ich habe mit ihm mit einem Strick gespielt und wohl zu langsam zurückgezogen. Der Kater hat sich mit einer Kralle in meinen Mittelfinger gekrallt“, erzählt die Frau aus Kaimling bei Vohenstrauß im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Eigentlich sei es nur ein kleiner Pieks gewesen, etwa stecknadelkopfgroß. Deshalb geht die 47-Jährige an diesem Abend wie gewohnt ins Karate-Training, gönnt sich danach eine warme Dusche und legt sich schlafen. Am nächsten Morgen sieht sie sofort, dass etwas mit ihrer rechten Hand nicht stimmt.

„Die Hand war über Nacht angeschwollen und gerötet. Deshalb bin ich zu meinem Hausarzt gegangen, der mir ein Antibiotikum verschrieben hat.“ Die gewünschte Wirkung des Medikaments blieb aber aus. Es trat keine Besserung ein. Im Gegenteil: „Die Hand war noch stärker angeschwollen. Daraufhin bin ich wieder zum Arzt gegangen, der mich ans Krankenhaus überwies“, sagt Bea Obst. An ihrem rechten Mittelfinger hatte sich am zweiten Tag nach dem Kratzer durch ihren Kater eine etwa zwei Zentimeter lange Blase gebildet. Die 47-Jährige litt zudem unter Fieber, Schmerzen und Schüttelfrost. Lange musste sie nicht auf Hilfe warten: Nur eine Stunde, nachdem sie in der Notaufnahme des Klinikums Weiden ankam, lag sie im Operationssaal. Es war der 31. Dezember 2025.

Notfall-OP notwendig

„Es war klar, die Entzündung war mit einem Antibiotikum nicht mehr zu stoppen“, sagt der Operateur und Chirurg Dr. Christoph Schirdewahn vom Klinikum Weiden. Deshalb habe das Gewebe in einer Notoperation entlastet werden müssen. „Es bestand die Gefahr, dass auch Sehnen und die Gelenkkapsel bereits in Mitleidenschaft gezogen waren.“ Allerdings war mit diesem Eingriff die Behandlung für Bea Obst noch lange nicht beendet. „Ich dachte, ich muss vielleicht noch ein bis zwei Tage im Krankenhaus bleiben“, erzählt sie. Stattdessen verbrachte sie zwei Wochen in der Klinik. Alle zwei Tage wurde der Finger erneut geöffnet und gespült.

Der Grund: Selbst nach einer Operation können laut Schirdewahn Bakterien in der Wunde zurückbleiben. „Wir spülen die Wunden mit Kochsalzlösung und speziellen antiseptischen Lösungen, denn es kann sein, dass sich verbliebene Bakterien weiter ausbreiten“, erklärt der Chirurg. Sei dies der Fall, müsse unter Umständen die gesamte Hand operativ eröffnet werden. Es drohen die Teil- oder sogar die vollständige Amputation eines Fingers – in besonders schweren Fällen sogar einer Hand.

Bisse noch gefährlicher

Entscheidend für den Heilungserfolg sei laut dem Mediziner, wie schnell Betroffene nach einer Verletzung durch ein Tier ärztliche Hilfe suchen. Er rät generell, nach einer Verletzung durch eine Katze vorsichtig zu sein, die Wunde beim Hausarzt ausspülen und ärztlich überwachen zu lassen. Sobald die Rötung der verletzten Stelle stärker werde, sei es unbedingt notwendig, die Notaufnahme einer Klinik aufzusuchen. Weil sie rechtzeitig zum Arzt ging, sei ihr eine Blutvergiftung erspart geblieben, sagt Bea Obst.

Kratzer seien in der Regel weniger gefährlich als Bisse. „Katzen haben spezielle Bakterien im Maul und kleine, spitze Eckzähne, die wie Nadeln tief in die Haut eindringen. Dabei werden die Bakterien ins Gewebe eingebracht. Dort kann sich ein abgekapselter Infektionsherd bilden, der sich unter der Haut weiter ausbreitet“, erklärt Schirdewahn.

Solche Verletzungen gehören für den Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie zum Alltag. „Wir behandeln ein bis zwei Patienten pro Woche mit entzündeten Tierbissverletzungen. Nicht immer ist eine Operation notwendig. Etwa alle drei bis vier Wochen müssen wir jedoch einen Patienten mit einer infizierten Wunde operieren“, sagt Schirdewahn.

Lange Narben bleiben

Wie langwierig die Folgen einer solchen Verletzung sein können, erlebte Bea Obst. Trotz Medikamenten, Antibiotika und Kühlen schmerzte ihr entzündeter Finger fast zwei Wochen lang sehr stark. "Der Finger ist immer noch taub – als würde er nicht dazugehören", sagt sie sieben Monate später. Immer wieder nehme sie eine Schonhaltung ein, müsse regelmäßig Übungen machen, damit der Finger beweglich bleibt. "Ich bin seit März in Ergotherapie", erzählt Bea Obst. Im Berufsalltag in einer Marketingabteilung eines Weidener Unternehmens störe sie der Finger nicht. Sie arbeite wie zuvor mit dem Computer. "Ich habe gemerkt, man braucht den Mittelfinger nicht wirklich. Viel wichtiger ist der Daumen", sagt sie.

Was sie jedoch immer daran erinnern wird, was beim scheinbar harmlosen Spiel mit ihrem Kater passiert ist, sind die Narben. Sie ziehen sich in Zickzackform über die Ober- und Unterseite ihres gesamten Fingers. Diese Narben werden bleiben – genauso wie der Kater. „Ich bin dem Kater nicht böse und könnte ihn auch niemals weggeben, so wie es manche zu mir gesagt haben. T`challa ist ein Familienmitglied“, betont Bea Obst. Der große schwarze und sehr verschmuste Kater kam vor etwa sechs Jahren als wenige Wochen altes Katzenbaby zu ihr und ihrem Sohn. „Er stand auf Kleinanzeigen. Eine Familie, die noch eine andere Katze hatte, konnte ihn nicht behalten, also haben mein Sohn und ich ihn aufgenommen.“

Im Alltag ist für Bea Obst inzwischen wieder vieles wie früher. Mit ihrer Katze spielt sie genauso wie vor der Verletzung. „Aber ich ziehe meine Hand jetzt schneller zurück und das Desinfektionsmittel steht immer im Wohnzimmer“, erzählt sie. Die Erfahrung hat ihren Blick auf vermeintlich harmlose Kratzer verändert. „Damit ist nicht zu spaßen. Sobald eine Schwellung auftritt, sollte man zum Arzt gehen“, rät sie. Eines sei ihr durch die schwere Infektion noch einmal deutlich geworden: „Eine Katze ist ein Raubtier. Das darf man nicht vergessen.“

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