19.06.2019 - 10:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kein Gummibärchen zum Antibiotikum: Das sagen die Apotheker dazu

Medikamente kommen meist nicht allein in die Tüte. Mit dabei: Gummibärchen oder Traubenzucker. Doch damit ist jetzt Schluss. Wer ein rezeptpflichtiges Medikament kauft, bekommt keine Geschenke mehr. Was halten die Apotheker davon?

Gummibärchen, Hustenbonbons oder Taschentücher: Damit ist jetzt erst mal Schluss. Die Schublade in der Mohren-Apotheke in Weiden geht nur noch bei frei verkäuflichen Medikamenten auf.
von Redaktion ONETZProfil

Eigentlich hat sich nach dem BGH-Urteil vom 6. Juni die Gesetzeslage gar nicht verändert. Bereits 2013 seien Werbegeschenke zu rezeptpflichtigen Medikamenten verboten worden, bestätigt der Inhaber der Weidener Mohren-Apotheke, Andreas Biebl. "Bis jetzt gab es eine Bagatellgrenze, die geringwertige Zugaben erlaubt hat." Nun sei die Situation wenigstens eindeutig geregelt.

"Es ist schon schade, dass wir nun aufgrund von zwei Einzelfällen nichts mehr mitgeben dürfen", sagt Biebl. "Traubenzucker für die Kinder oder Taschentücher gab es schon immer, und das sehe ich nicht als Wettbewerbsverzerrung." Er hält das Gerichtsurteil für etwas übertrieben. "Es ist ein Unterschied, ob es Geschenke von über einem Euro sind oder ob sie nur ein paar Cent wert sind. Das Gericht lässt hier aber keine Ausnahmen mehr zu."

Josef Gmehling, Inhaber der Altstadt-Apotheke in Pressath, sieht aber durchaus einen Sinn in der Entscheidung des Bundesgerichtshofs, ebenso wie Martin Wolf, Inhaber der Rosenapotheke in Vohenstrauß und Pressesprecher der Apotheker des Landkreises. Dieser ist froh über das Urteil. "Es unterstützt die Apotheken. Es festigt nochmals die Preisbindung bei rezeptpflichtigen Medikamenten." Das Urteil sei wichtig für die Bevölkerung, um die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln zu gewährleisten. "Ein Patient, der krank ist, sollte für sein Antibiotikum überall gleich viel bezahlen. Geschenke können den Preis niedriger erscheinen lassen oder Angebote attraktiver gestalten."

Natürlich tue es ihm leid, dass er manchen Kunden nun die kleinen Geschenke vorenthalten muss, sagt Wolf. Die hätten aber vollstes Verständnis. Das kann Biebl bestätigen: "Die Leute kennen das ja aus allen anderen Branchen schon lange. Viel wichtiger als kleine Geschenke sind die Beratung und die angebotenen Dienstleistungen wie zum Beispiel Hausbesuche." Der Qualitätswettbewerb verschiebe sich in die Richtung der "Soft Skills". Das meint auch Wolf: "Wir beraten die Leute kostenlos, mischen Medikamente, prüfen Arzneimittel oder haben Notdienst. Feste Preise sind für uns sehr wichtig." Bei frei verkäuflichen Medikamenten dürfen Apotheken die Preise weiterhin selbst festlegen und kleine Geschenke mitgeben. "Der Wettbewerb hier ist ja sogar erwünscht", erklärt Gmehling.

Problem bleibt allerdings der Wettbewerb mit Apotheken aus dem europäischen Ausland. "Das Urteil gilt nur in Deutschland. Ausländische Apotheken dürfen weiterhin kleine Geschenke mitschicken. Das muss sich auf jeden Fall noch ändern", sagt Gmehling. Der Bundesrichter sehe in diesem Bereich momentan allerdings noch keinen Handlungsbedarf.

Rückblick:

Das BGH-Urteil

Geklagt hatte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs gegen eine Apotheke in Berlin und in Darmstadt. Diese verteilten Ein-Euro- und Brötchengutscheine an ihre Kunden. Der Bundesgerichtshof urteilte gegen die Apotheken. Auch Kleinigkeiten als Beigabe sind seitdem verboten.

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