15.11.2018 - 17:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Keine Hochzeiten mehr im Alten Rathaus

Zu Ja-Sagern muss die Stadt bald Nein sagen. Jedenfalls wenn sie ab Anfang 2019 im Alten Rathaus den Bund fürs Leben schließen wollen. Geheiratet wird nämlich künftig anderswo.

Wer bereits wollte, der konnte hier im Alten Rathaus standesamtlich heiraten. Bald ist der Sitzungssaal aber nicht mehr erreichbar.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Denn der Weg zum Alten Rathaus wird ab Anfang 2019 kein leichter sein. Die Sanierung der Außentreppe steht an, teilt die Hochbauabteilung der Stadt mit. Die Folge bekommen Heiratswillige zu spüren: Denn für den Zeitraum der Sanierung, dessen Start und Ende übrigens wegen des unvorhersehbaren Winterwetters nicht genau bestimmbar sind, kann das Alte Rathaus nicht für Eheschließungen zur Verfügung stehen. Nun ist der Stadtrat gefragt: Er muss in seiner Sitzung am Montag, 19. November, den Beschluss fassen, einen zusätzlichen Trauungsort zu widmen. Ein förmlicher Verwaltungsakt ist dafür nötig. So will es das Gesetz in Bayern.

Das Standesamt hat auch schon einen Vorschlag für einen neuen Trauungsort in petto: den Kultursaal des Kulturzentrums Hans Bauer in der Schulgasse. Hier seien Eheschließungen ebenfalls „in einem angemessenen feierlichen Rahmen und mit schönem Ambiente“ durchführbar, heißt es im Vorlagebericht für die Stadtratssitzung.

„Das Alte Rathaus am Oberen Markt mit seinem historischen Saal bietet für jede Hochzeit das besondere Ambiente.“ Mit diesen Worten wirbt die Homepage der Stadt Weiden um Paare für eine standesamtliche Heirat. Mit Erfolg. Allein 2017 schlossen dort nach Auskunft von Standesamtschefin Simone Tarzia 209 Paare den Bund fürs Leben. „2018 werden es noch mehr sein“, weiß Tarzia. Damit zog das Alte Rathaus trotz der Arbeiten am Dachstuhl und des Gerüsts die Liebenden an. „Ja, viele kommen extra von auswärts nach Weiden, weil das Alte Rathaus ein so schöner Ort zum Heiraten ist“, sagt Tarzia.

Doch auch der Kultursaal biete einen entsprechend würdevollen Rahmen. „Das ist eine gute Ausweichmöglichkeit.“ Und nur eine Übergangslösung, wird im Vorlagebericht betont. Heiraten jedenfalls hat ab Mai Hochsaison. „2018 waren wir auch schon im April gut dabei“, weiß Standesbeamtin Tarzia.

Doch zurück zum neuen Anlaufpunkt für Heiratswillige: „Die Widmung des Kultursaals soll nicht das Alte Rathaus als ‚den‘ bekannten Trauungsort in Weiden und Umgebung ersetzten oder als gleichberechtigte Alternative dienen.“ Der neuen Trauungsmöglichkeit steht die Standesamtsaufsicht übrigens positiv gegenüber. Sie hat ihre Zustimmung zum Kultursaal als neuen, zusätzlichen Trauungsort gegeben.

Was fehlt? Auch die Stadträte müssen Ja sagen. Dann erfolgt die entsprechende Widmung.

Hintergrund:

Nicht nur Heiratswillige und deren Gäste gelangen Anfang 2019 nur mehr schwer ins Alte Rathaus. Auch für die Mitarbeiter in den Büros des Stadtwahrzeichens wie die der Max-Reger-Tage und des Stadtmarketingsvereins um Chefin Andrea Schild-Janker müssen Lösungen gefunden werden. Die Gesprächen laufen, sagt Schild-Janker. Für ein kurzes Zeitfenster könne der Verein Betriebsurlaub machen. Ansonsten wird wohl ein Not-Zugang zum Arbeitsplatz geschaffen werden.

Nachgefragt:

Brautpaare haben bereits jetzt die Wahl: Sie können sich sowohl im Alten als auch im Neuen Rathaus standesamtlich trauen lassen. "2018 fanden bisher acht Eheschließungen in meinem Büro, also in den Amtsräumen des Standesamts im Neuen Rathaus, statt", sagt Chef-Standesbeamtin Simone Tarzia. Dieser Trauungsort werde aber den Paaren nicht vorgeschlagen, sondern vielmehr auf Wunsch genutzt. Einige wollten schlicht "kein großes Drumherum".

Die Ausweichmöglichkeit für Heiratswillige liegt Luftlinie nicht weit vom Alten Rathaus entfernt in der Schulgasse: der Kultursaal.

Altes Rathaus Standesamt Weiden

Altes Schulhaus Standesamt Weiden

Altes Schulhaus Standesamt Weiden

Kommentar:

Wer will, der kann

Ja, ich will. 209 Paare trauten sich das 2017 im Alten Rathaus zueinander zu sagen. 2018 werden es noch mehr sein, weiß die Chefin des Standesamts. 2019 könnte die Zahl sinken, muss sie aber nicht.
Denn das atmosphärische Wahrzeichen Weidens, das seit jeher Heiratswillige anzieht, ist wegen der Treppensanierung nicht zugänglich. Die Stadt will den Kultursaal des Kulturzentrums Hans Bauer für Ja-Sager anbieten. Keine schlechte Wahl.
Denn auch dieses Haus in der Altstadt versprüht Atmosphäre: 1529 als Getreidekasten erbaut, 1536 bis auf die Grundmauern abgebrannt, wurde es nach dem Neubau 1565 zur Lateinschule und Deutschen Schule. Heute ist es ein Ort der Vielfalt: Es ist Heimat für Stadtarchiv, -museum, das Max-Reger-Zimmer, die Städtische Galerie, das Tachauer Heimatmuseum und – wie am Alten Rathaus – für einen Storchenhorst. Davor liegen hier wie da Kopfsteine, zwischen denen die Absätze der Braut zu verschwinden drohen.
Ja, der Weg in den Hafen der Ehe mag kurzzeitig ein anderer sein, holprig, versperrt aber ist er nicht. Wer will, der kann.

Simone Baumgärtner

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