29.03.2019 - 16:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Keine Spatzen mehr in der Stadt

75 Prozent weniger Biomasse von fliegenden Insekten in den vergangenen 27 Jahren in Deutschland. Und 25 Millionen verschwundene Vögel zwischen 1998 und 2009. Gründe für das Artensterben: fehlender Lebensraum und fehlende Nahrung.

Die Stadt bewirtschaftet diverse Grünflächen. Bestes Beispiel ist der städtische Garten an der Stadtmauer im Max-Reger-Park.
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Die Bündnisgrünen und die Bürgerliste haben sich in einer eher ungewohnten Koalition zusammengetan, weil sie mit Hilfe eines Antrags ein Zeichen setzen wollten: für Artenschutz in einer liebenswerten Stadt.

Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau bezeichnete Artenschutz als Daseinsvorsorge. Es gehe um ein Zeichen, Grünflächen nicht weiter zu reduzieren. Obwohl Mitglied der Bürgerliste, wetterte Theodor Klotz vehement gegen den Antrag und bezeichnete ihn als "Ökosymbolismus". Er habe vollstes Vertrauen in die Stadtgärtnerei. Dieses sprach auch SPD-Fraktionschef Roland Richter aus. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß betonte, dass Weiden zu den ersten Städten gehörte, die Glyphosat verbannt haben.

Die Verwaltung teilte mit, dass schon jetzt Grünflächen, Bäume und Hecken auf städtischem Grund unter Berücksichtigung des Artenschutzes und der Erhaltung der Lebensqualität bewirtschaftet würden. Bauhof und Gärtnerei seien sehr engagiert, natürliche Räume bestmöglich zu erhalten und Pflegemaßnahmen so umweltgerecht und schonend wie nur irgendwie möglich zu vollziehen. Eine Abkehr von den Konsolidierungsmaßnahmen des Jahres 2013 im Sinne einer Rückumwandlung von Rasenflächen mit Bodendeckern oder Sträuchern lasse sich aber keinesfalls kostenneutral absolvieren, wie es die Antragsteller anstrebten."Die Umwandlung kostet Geld", stellte Heiner Vierling (CSU) klar. "Wer anderes glaubt, der träumt."

Veit Wagner (Grüne) sprach von einer Anregung, die in eine Kampagne wie "Wir schaffen Grün" oder "Wir pflanzen eine Blumenwiese" münden könnte. Der Antrag soll nach Ansicht von Stefan Rank (Bürgerliste) ein Denkanstoß sein angesichts der genannten zahlen. Bezeichnend sei auch, dass der Spatz im Stadtgebiet nicht mehr zu sehen sei.

Die Verwaltung teilte schließlich noch mit, dass Änderungsvorschläge zu den momentan noch bestehenden Konsolidierungsmaßnahmen bisher nicht erarbeitet werden können. Erst soll die Pflegeoptimierung auch unter ökologischen Gesichtspunkten durch das Sachverständigenbüro "mb Grünmanagement Frau Böhm" abgeschlossen sein. Danach wird das Thema erneut im Stadtrat behandelt.

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