22.11.2019 - 17:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kepler-Gymnasium Weiden nach 150 Jahren erstmalig in Frauenhand

1967 erfolgt mit dem Neubau des Kepler-Gymnasiums der „Spatenstich für die Zukunft“, wie der „Der neue Tag“ titelte. Ihren Anfang nahm die Schule bereits 150 Jahre früher. Ein Jubiläum, für das die Schulleiterin gerne mal im Archiv stöbert.

Um sich für ihre Festansprache vorzubereiten stieg Oberstudiendirektor Sigrid Bloch in den Keller des Kepler-Gymnasiums und fand noch Dokumente aus 150 Jahren Schulgeschichte.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

„Da wird man schon etwas ehrfürchtig“, sagt Sigrid Bloch beim Blick in die alten Jahresberichte und Briefe, die sie noch im Keller des Keplers gefunden hat. Seit Wochen beschäftigt die Oberstudiendirektorin ein besonders Jubiläum. „150 Jahre weiterführende Schule“ werden am Mittwoch, 27. November, in einer Festveranstaltung gefeiert. Der ehemalige Studiendirektor Georg Singer hält den Festvortrag. Auch er, weiß Bloch, habe dafür im Weidener Stadtarchiv gestöbert, Chroniken gelesen und sogar Erinnerungsstücke (unter anderem Absolviakarten) bei Ebay ersteigert.

Zeitweise über 1000 Schüler

Mehrmals wechselte die Schule den Namen. Als Gewerbeschule 1869 gegründet, wurde sie später zur „Königlichen Realschule mit gewerblicher Fortbildungsschule“, dann Oberrealschule und 1965 schließlich zum Gymnasium, benannt nach dem Physiker Johannes Kepler. Drückten 1877 123 Realschüler die Schulbank, waren es 1930 581 Schüler, 1948 bereits über 1000 und zum Einzug ins neue Kepler-Gebäude 1969 fast 1400 Schüler – damals das zweitgrößte Gymnasium Bayerns.

Vor über Hundert Jahren durften nur männliche Lehrer unterrichten, zählten Schönschrift und Gesang neben Mathe und Deutsch zu den Hauptfächern, mussten Eltern Schulgeld entrichten (1906: 20 Mark) und standen um die Jahrhundertwende Berufe wie die des Kaufmanns, Buchdruckers, Tünchers oder Bäckers bei den Absolventen hoch im Kurs. Während beider Weltkriege konnte der Schulbetrieb aufrecht erhalten werden. Gleichwohl mussten Schüler, wie zum Beispiel im Jahresbericht von 1915 vermerkt, auch bei der Verteilung von Ausrüstungsgegenständen an die Bataillone helfen oder skizzierten feindliche Flugzeuge und Uniformen für die Militärbehörde.

Erste Direktorin

„Die Situation und die Herausforderungen im Schulbetrieb waren damals zwar andere, doch gebe es auch heute manche Parallele“, sagt Schuldirektorin Sigrid Bloch und spricht damit auf die chronische Raumnot, den Lehrermangel oder der Wechsel zwischen G8 und G9 an. Alles schon mal dagewesen. „An dieser Schule hat es noch nie Stillstand gegeben“, sagt Bloch. Und das sei auch gut so.

770 Schüler und 74 Lehrer zählt das Kepler-Gymnasium aktuell. Mit Bloch steht nach elf männlichen Direktoren in 150 Jahren zum ersten Mal eine Frau an der Spitze. „Das ist schon besonders. Ich bin unwahrscheinlich gerne hier und stolz auf meine Schule.“ Das Lernen und Lehren habe sich zwar gewandelt, aber nicht der Auftrag, alle Schüler durch das Abitur zu bringen. „Wir haben heute so viele Möglichkeiten jeden Schüler auf dem Weg dorthin zu fördern.“ Danach stünden ihnen alle Türen offen. Nächste Herausforderung sei der Weg zur digitalen Schule. Die Zukunft kann kommen.

Ein Blick in die Schülerliste des Schuljahrganges 1875/76 an der "Königlichen Gewerbeschule".
Info:

Schulfrei wegen Ruhr

„Die Gesundheitsverhältnisse waren im ganzen günstiger wie im vergangenen Schuljahr. Doch trat auch heuer die Grippe wieder in Einzelfällen auf, aber ohne ernsteren Charakter anzunehmen. Wegen Ruhrgefahr mussten auf Antrag des Bezirksarztes diejenigen Schüler, die im Stadtteil „Neue Welt“ wohnen, vom Schulbesuch ferngehalten werden.“ (aus dem Jahresbericht von 1919/20; Ruhr ist eine bakterielle Durchfallerkrankung, Anm. d. Red.) (shl)

Das Kepler-Gymnasium Weiden an der Friedrich-Ebert-Straße.
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