Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.
Als das US-amerikanische Unternehmen Open-AI Ende 2022 sein Sprachmodell ChatGPT in die breite Öffentlichkeit brachte, eroberte die Technik der Künstlichen Intelligenz (KI) in kürzester Zeit die ganze Welt. Das schwindelerregende Tempo hatte einen Grund: Jeder interessierte Anwender konnte sich am heimischen Computer davon überzeugen, wie nahe die Ausgaben des großen Sprachmodells an die menschliche Kommunikation heranreichten. Fast hatte man den Eindruck, man habe Kontakt zu einer Person. Wenngleich der Hang der KI zu inhaltlichen Fehlern haarsträubend war.
Auch Oberpfalz-Medien (OM) entkam der Faszination, gepaart mit den offensichtlichen Risiken, nicht. Der Chefredaktion war schnell klar: Eine regionale Redaktion muss frühzeitig auf diesen Zug aufspringen, solange er noch nicht unter Volldampf fährt. Die zentrale Frage zu Beginn lautete aber nicht, welche Aufgaben die Maschine übernehmen soll, sondern viel grundlegender: Welche Regeln müssen wir uns geben, damit wir die technischen Möglichkeiten nutzen, ohne die journalistische Qualität unserer Inhalte zu gefährden? Die Antworten, die eine erste Arbeitsgruppe bereits Anfang 2023 auf diese eher ethische Frage fand, bilden in der OM-Redaktion bis heute das Fundament der täglichen Arbeit mit Künstlicher Intelligenz.
Der Mensch entscheidet
Nach wie vor steht diese Regel über allem: „Der Mensch entscheidet.“ Die Maschine ist nur ein Werkzeug, ein Hilfsmittel, das wiederkehrende Dinge erledigt und den Journalistinnen und Journalisten zuarbeitet, damit die inhaltliche und formale Qualität passt. In der Datenschutzerklärung des Medienhauses kann jeder Internetnutzer unter Punkt 13. Künstliche Intelligenz die „Grundsätze für den Einsatz lernender Algorithmen (‚KI‘)“ nachlesen. Die Quintessenz:
- Menschliche Kontrolle: Wir stehen der neuen Technik aufgeschlossen gegenüber, setzen sie jedoch ausschließlich unter Kontrolle ein. Die Verantwortung trägt stets ein Mensch.
- Gesetzestreue: Demokratische Werte, Fairness und geltendes Recht bestimmen den Einsatz von KI.
- Transparenz: Leser und Nutzer können nachvollziehen, wo Algorithmen wesentlich bei der Erzeugung von Inhalten geholfen haben.
Im redaktionellen Alltag bedeutet das: Die Maschine ist ein fleißiger Assistent, der die Artikel inhaltlich verbessert, der Fehler entdeckt und ausmerzt, der die Themenplanung mit Ideen für Geschichten unterstützt und der Routineaufgaben ausführt. Das journalistische Handwerk bleibt aber fest in menschlicher Hand: Gründlich ausgebildete Journalistinnen und Journalisten, unterstützt von zuverlässigen freien Berichterstattern, beleuchten die relevanten Themen aus dem Blickwinkel der Menschen in der Oberpfalz, sie schildern bedeutsame Ereignisse in Wort und (bewegtem) Bild und ordnen politische Entscheidungen kritisch ein. Chefredakteur Kai Gohlke erklärte seiner Mannschaft den KI-Einsatz mit einem bildhaften Vergleich: „Die KI ist für uns wie ein Praktikant, der uns bei der Arbeit unterstützt. Aber die Arbeit eines Praktikanten kann nicht ungesehen veröffentlicht werden.“
KI steigert Qualität
Wenn die KI Aufgaben übernimmt, gefährdet sie dann nicht Arbeitsplätze? Von Anfang an versicherte Chefredakteur Gohlke, dass dies nicht das Ziel sei. Vielmehr solle die Qualität steigen. Redakteurinnen und Redakteure müssten sich nicht mehr mit wiederkehrenden Tätigkeiten herumplagen, sondern könnten sich auf die Themen konzentrieren, die die Bevölkerung in der Oberpfalz bewegen. Gleichwohl gilt auch für KI-unterstützte Inhalte, und gerade für diese, die journalistische Sorgfaltspflicht: Kein Artikel darf im Onetz oder in der Zeitung landen, ohne dass er von einem Experten der Redaktion geprüft und freigegeben wurde.
Parallel zu den Regeln für den Einsatz der Künstlichen Intelligenz untersuchte die Arbeitsgruppe, wo KI in der Redaktion helfen kann. Im Mittelpunkt stand von Anfang an, Texte sowohl formal als auch inhaltlich zu verbessern. Ein wichtiger Mitspieler von Oberpfalz-Medien ist in diesem Zusammenhang die HUP GmbH. Zusammen mit dem Softwareunternehmen aus Braunschweig und Leipzig begann die OM-Redaktion, die KI-Werkzeuge direkt in die Redaktionssysteme zu integrieren.
Für jede Aufgabe ein KI-Prompt
Nach der Theorie folgte die Praxis: Um diese Integration operativ umzusetzen, die konkreten Einsatzzwecke festzulegen und tagtäglich an die Bedürfnisse der Redakteurinnen und Redakteure anzupassen, richtete die Chefredaktion im April 2024 eine neue Arbeitsgruppe ein. Ihre Aufgabe ist es seitdem, aus den theoretischen Qualitätskriterien sogenannte Prompts zu schreiben. Dies sind die in menschlicher Sprache präzise formulierten Arbeitsanweisungen an die Maschine. Jede Aufgabe erfordert einen Prompt. Die Arbeitsgruppe musste diese KI-Funktionen in den redaktionellen Alltag bringen, und sie muss die Technik warten, verbessern und weiterentwickeln.
Die Mitglieder rekrutierten sich aus den verschiedenen Redaktionsteams. Nicht alle sind also technisch so versiert, dass sie selbst KI-Aktionen programmieren können. Aber alle können mit ihrer Expertise aus der redaktionellen Praxis die KI-Ergebnisse sprachlich beurteilen. Die Mitglieder stoßen wertvolle Verbesserungen an, werben in ihren Redaktionsteams für die Vorteile der Technik und unterstützen die Kollegen bei Fragen und Problemen. Zum operativen KI-Team gehören: Stephanie Hladik, Heike Unger, Jasmin Bauer, Ralph Gammanick, Reiner Wittmann, Florian Bindl, Nils Ganzmann und Dominik Hopperdietzel. Kopf der Gruppe ist Thomas Schaller. Wie wichtig der Führungsetage das Thema KI ist, beweist die Tatsache, dass die Chefredaktion aus ihren Reihen Stefan Zaruba als KI-Beauftragten benannt hat, der das operative Team in allen Belangen unterstützt.
Diese Artikelserie ist mit Unterstützung durch Künstliche Intelligenz entstanden. Das Sprachmodell Gemini von Google half bei der Ideenfindung und Planung der Inhalte, machte Vorschläge für die Illustration und korrigierte die Texte. Den dritten Teil, den Ausblick in die Zukunft, verfasste das Sprachmodell eigenständig – auf Basis der Ideen eines Redakteurs. Natürlich hat der Journalist diesen Artikel hinterher geprüft und freigegeben. Alle weiteren Texte sowie die Auswahl der Beispiele und deren Einordnung sind rein durch menschliche Intelligenz entstanden. Redakteure tragen für den Inhalt die Verantwortung, auch wenn sie von KI unterstützt wurden. Diese dreiteilige Serie zeigt somit beispielhaft auf, an welchen Stellen Künstliche Intelligenz bereits heute die Journalistinnen und Journalisten von Oberpfalz-Medien bei Routinetätigkeiten entlastet, damit mehr Freiraum für die eigentliche publizistische Arbeit entsteht – zum Nutzen für alle Leser.













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