Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.
Es kostete einen immensen Aufwand an Arbeit und Zeit, die Künstliche Intelligenz in die redaktionelle Arbeit bei Oberpfalz-Medien zu integrieren. Das operative KI-Team entwarf Ideen, sammelte Vorschläge aus der Redaktion, klopfte beim Systemdienstleister die Machbarkeit ab und machte sich an die Arbeit. Nach und nach entstanden immer mehr Aktionen, die den Redakteurinnen und Redakteuren an die Hand gegeben werden konnten. Eine Auswahl:
- Mache mir vier Überschriftenvorschläge.
- Korrigiere in diesem Absatz Rechtschreibung und Grammatik.
- Vereinheitliche Zahlen, Zeichen und Formatierungen.
- Setze in tschechischen Namen die richtigen Akzent-Zeichen.
- Formuliere aus den Stichpunkten eine Terminankündigung.
- Kürze den Artikel auf 2200 Zeichen.
Ziel war jedoch nicht nur eine äußerlich perfekte Form eines Artikels, bevor er im Onetz und in der Zeitung veröffentlicht wird. Auch der Inhalt war schnell ein Thema:
- Schlage mir zu folgendem Ereignis drei Artikel vor, die verschiedene Nutzerbedürfnisse der Leser bedienen: ...
- Untersuche meinen Text und gib mir Ideen, wie er noch stärker die Leserperspektive einnehmen kann.
- Gleiche den Artikel mit den Qualitätskriterien der Redaktion ab.
Die Vorteile für die Leser und Nutzer der OM-Publikationen liegen auf der Hand: schnellere und aktuellere Nachrichten, weniger Fehler in Artikeln, mehr Vielfalt in der Berichterstattung, relevantere Berichte durch konsequente Ausrichtung an den Nutzerbedürfnissen und an der Leserperspektive, gehaltvollere Informationen durch die KI-gestützte Analyse großer Datenmengen, die ein Mensch gar nicht leisten könnte.
Um die anfänglichen Berührungsängste der Journalistinnen und Journalisten von Oberpfalz-Medien abzumildern, erfand das KI-Team ein Maskottchen, das dem technischen Assistenten einen Namen und ein Aussehen gab: „KI-Schorschi“. Mit der Zeit wuchsen die Nutzungszahlen, was die Arbeitsgruppe daran merkte, dass aus der Redaktion immer mehr Meldungen von Mängeln und Auffälligkeiten kamen. Das gab dem Team die Möglichkeit, die vorhandenen Aktionen zu verbessern und bei neu einzurichtenden Funktionen Fehler zu vermeiden.
KI auf „Oberpfalzdaheim“
Von der technischen Entwicklung profitieren auch die Vereine, Organisationen und Pfarreien in der Oberpfalz: Seit zwei Jahren können sie sich und ihre Ereignisse auf „Oberpfalzdaheim“, dem Vereinsportal von Oberpfalz-Medien, präsentieren. Bei Bedarf bietet der KI-Assistent dem vom Verein beauftragten Leserreporter eine gekürzte Version seines Textes an, die auch in der gedruckten Zeitung Platz hat. Natürlich kann der Einsender diesen Vorschlag nach seinen Wünschen noch ändern. Denn auch hier hat das letzte Wort der Mensch, nicht die Maschine.
Der Softwaredienstleister von Oberpfalz-Medien blieb ebenfalls nicht untätig. Er stellte für das Printsystem, also die Software, mit der die gedruckte Zeitung gestaltet wird, einen E-Layouter zur Verfügung. Dieses Werkzeug sucht in der Datenbank die passenden Artikel und Bilder, um sie auf der Seite zu platzieren. Dabei kann der algorithmusgestützte E-Layouter bereits jetzt, in diesem frühen Stadium, ganze Seitenstrecken eigenständig bestücken. Dieser automatisierte Anteil wird noch weiter wachsen. Der Roboter gibt seinen menschlichen Kollegen somit Freiraum, den sie zum Beispiel in eine akribische Qualitätskontrolle oder in andere wichtige Aufgaben investieren können.
Aus Assistent wird Agent
Außerdem bauten die Softwareexperten von HUP die nächste Stufe Künstlicher Intelligenz in die Systeme ein: den verbesserten KI-Smart-Service (KISS). Im redaktionsinternen Jargon war schnell der treffende Name gefunden. Aus dem „KI-Schorschi“ wurde der „KI-Superschorschi“ (KISS) – der KI-Assistent wurde zum KI-Agenten. Ab sofort war die Redaktion bei der KI-Unterstützung nicht mehr auf einen einzelnen Artikel oder dessen Komponenten wie Überschrift oder Infobox begrenzt. Der „KI-Superschorschi“ überwacht jetzt auch E-Mail-Postfächer. Ein Beispiel: Wenn eine Polizeidienststelle ihren Pressebericht schickt, analysiert der Agent den Inhalt und legt aus jeder der Meldungen einen Artikelvorschlag im Redaktionssystem an, der bereits in eine lesergerechte journalistische Sprache „übersetzt“ ist.
Die große Bewährungsprobe stand aber noch bevor: Die KI-Branche erfand das „Model Context Protocol“ (MCP), eine universelle Schnittstelle zwischen KI-Modellen und externen Datenquellen oder Werkzeugen. MCP ermöglicht der Künstlichen Intelligenz, sicher und effizient auf aktuelle Informationen aus Datenbanken, Programmen oder dem Internet zuzugreifen. Plötzlich waren Sprachmodelle wie ChatGPT, Gemini, Copilot oder Claude nicht mehr allein auf ihr fest gespeichertes, meist veraltetes Trainingswissen beschränkt. Nun speisten sie sich zusätzlich mit aktuellen Informationen aus Datenbanken oder aus dem Internet. Innerhalb kurzer Zeit entstanden Tausende von MCP-Werkzeugen für die verschiedensten Anwendungsfälle.
KI analysiert Wahlergebnisse
Der Systemlieferant von Oberpfalz-Medien baute die neue Technik ab Herbst 2025 in seine Software ein. Der Plan: Bis zur Kommunalwahl am 8. März 2026 sollte der Prototyp so weit laufen, dass er auch den Härtetest eines Wahlabends bestehen würde. Das stressigste halbe Jahr der operativen KI-Arbeitsgruppe war angebrochen. Die neue „Sprache“ MCP erforderte völlig neue Anweisungen an den „KI-Superschorschi“. In der Woche vor der Wahl gelang die Punktlandung.
Was ein Jahr vorher nicht einmal im Ansatz vorstellbar gewesen war, wurde nun Realität: Erstmals in der Unternehmensgeschichte von Oberpfalz-Medien rief eine Technik, nämlich KI, die Wahlergebnisse automatisiert von den Internetseiten der Kommunen und Landkreise ab. Der KI-Beauftragte der Chefredaktion, Stefan Zaruba, sprach mit einem Augenzwinkern von der „größten Umwälzung seit Erfindung des Buchdrucks“. Der KI-Agent analysierte die Resultate von Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen, von Landrats- und Kreistagswahlen. Er schrieb für jede Gemeinde einen Artikel mit der Analyse und ergänzte ihn mit einer Infografik in Form eines Balken- oder Tortendiagramms. Für die Wahlen in den Landkreisen fasste die KI die Gemeindeergebnisse in Tabellen zusammen.
Der Wahlabend, der früher praktisch die gesamte Redaktion mit der Sammlung und Auswertung von Zahlen beschäftigt hatte, wurde zu einem großen Teil von der Maschine gemeistert. Die menschlichen Kollegen hatten dadurch den Rücken frei, um die hochwertigen Hintergrundgeschichten zu schreiben, die Kommentare, die tiefgründigen Analysen – und das in stark reduzierter Besetzung. Ohne den Einsatz von KI undenkbar. Die Künstliche Intelligenz wiederum versorgte die Onetz-Nutzer sowie die Leser der Zeitungen „Der neue Tag“, „Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“ so schnell wie nie zuvor und trotzdem ausführlich und mit den wichtigsten Zahlen unterlegt darüber, wer zum Beispiel in den mehr als hundert Gemeinden des Verbreitungsgebiets zum Bürgermeister gewählt worden ist und wie sich die neuen Stadt- und Gemeinderäte zusammensetzen.
Kein einziger KI-Fehler
Viele hundert Tests mit alten Wahldaten hatten wochenlang wieder und wieder gezeigt, dass die KI mit Zahlen perfekt umgehen kann. Während früher viele Menschen zeitraubend und fehleranfällig in Ziffernwüsten hatten eintauchen müssen, erwies sich die Künstliche Intelligenz bei der Kommunalwahl 2026 als schneller, robuster – und noch dazu fehlerfrei. In diesem Bewusstsein lockerte die Redaktion erstmals und ausnahmsweise ihre strengen KI-Grundsätze: Am Wahlabend durfte „KI-Superschorschi“ die Artikel der Bürgermeisterwahlen nicht nur schreiben und illustrieren, er drückte auch selbst auf den Knopf: Jetzt publizieren!
Mit einem erweiterten Transparenzhinweis und konkreten Quellenangaben erfüllte die Redaktion ihr Versprechen: Leser und Nutzer müssen es nachvollziehen können, wenn die KI in wesentlichen Teilen in Inhalte eingreift und auf welche Informationen sie sich dabei stützt. In den Hinweis eingebaut war auch die Möglichkeit, inhaltliche Mängel zu melden. Von den wenigen nötigen Korrekturen – man konnte sie an einer Hand abzählen – bezog sich nach der Bilanz der Chefredaktion keine einzige auf einen KI-Fehler. Zufrieden resümierte Stefan Zaruba: „Der Einbau des ‚Model Context Protocols‘ in den redaktionellen Ablauf war für uns quasi eine Raketenwissenschaft, die genau zum richtigen Zeitpunkt kam. Ein halbes Jahr vorher war die Entwicklung noch nicht weit genug, ein halbes Jahr später wäre die Kommunalwahl vorbei gewesen.“
Transparenzhinweis
Diese Artikelserie ist mit Unterstützung durch Künstliche Intelligenz entstanden. Das Sprachmodell Gemini von Google half bei der Ideenfindung und Planung der Inhalte, machte Vorschläge für die Illustration und korrigierte die Texte. Den dritten Teil, den Ausblick in die Zukunft, verfasste das Sprachmodell eigenständig – auf Basis der Ideen eines Redakteurs. Natürlich hat der Journalist diesen Artikel hinterher geprüft und freigegeben. Alle weiteren Texte sowie die Auswahl der Beispiele und deren Einordnung sind rein durch menschliche Intelligenz entstanden. Redakteure tragen für den Inhalt die Verantwortung, auch wenn sie von KI unterstützt wurden. Diese dreiteilige Serie zeigt somit beispielhaft auf, an welchen Stellen Künstliche Intelligenz bereits heute die Journalistinnen und Journalisten von Oberpfalz-Medien bei Routinetätigkeiten entlastet, damit mehr Freiraum für die eigentliche publizistische Arbeit entsteht – zum Nutzen für alle Leser.













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