24.07.2018 - 09:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kinderhilfe Afghanistan springt in die Bresche

Dr. K. (rechts/Name aus Sicherheitsgründen abgekürzt), Mitarbeiter der Kinderhilfe Afghanistan, übergibt Abdullah I. einen Geldbetrag.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

(jrh) Abdullah I. (Name von der Redaktion geändert) war einer der 69 Rückkehrer nach Afghanistan - abgeschoben nach Kabul, einer Stadt, die er nicht kennt. "Ich habe meinem Mitarbeiter gesagt, er soll ihn am Hotel Spinsar suchen", schildert Reinhard Erös, Gründer der Kinderhilfe Afghanistan, den Ablauf - erste Anlaufstelle für Rückkehrer und Abgeschobene und deshalb Zielscheibe für Anschläge des IS: "Wir hatten erst 18 Tote bei einem Bombenanschlag in der Nähe des Hotels - da dürften alle Fenster hin sein."

Die Einheimischen halten nicht allzu viel von den Rückkehrern: "Viele glauben, das sind Verbrecher, auch wenn darunter nur einige wirklich kriminell waren." Dass der 26-Jährige zum Christentum übergetreten ist, solle er tunlichst für sich behalten. Erös ist sich sicher: "Das ist nicht nur lebensgefährlich, das macht es auch für unsere Helfer schwer, ihn zu unterstützen." Als sein Mitarbeiter Dr. K. den Weidener auf Zeit aufspürt, ist er in einem schlechten Zustand: "Er hatte nur 20 Euro bei sich, erzählte, dass man ihn direkt am Arbeitsplatz verhaftet hätte und er all seine Sachen zurücklassen musste." Abdullah gehöre der Volksgruppe der Hassara an, erklärt Erös, die einzigen Schiiten in Afghanistan: "Sie nahmen immer schon eine Underdog-Position ein, von den Taliban wurden sie dann richtig unterdrückt, weil sie die falsche Religion haben." Viele, wie auch Abdullah, seien in den Iran geflohen, wo sie sich mit ihrem persischen Dialekt verständigen könnten. "Dort werden sie oft gedrängt, in Syrien auf der Seite Assads zu kämpfen", fährt Erös fort. Der 26-Jährige flieht über die Türkei nach Deutschland. "Die Hassara stellen nur 8 Prozent der Afghanen, aber fast 50 Prozent der afghanischen Flüchtlinge." Kein Wunder, die meisten Anschläge in Kabul, die nicht gegen Regierungseinrichtungen gingen, gelten schiitischen Moscheen.

Fürs Erste ist Abdullah in Sicherheit: Erös' Verein hat ihm eine Zwei-Zimmer-Wohnung besorgt, hilft mit umgerechnet 300 Euro, bis er seinen ersten Job antreten kann. Erös-Verbündeter Emal Barekzai, ein Deutsch-Afghane aus Kassel, hat Afghanistans größtes Solarunternehmen Zularistan gegründet. "Dort kann Abdullah im August anfangen, wenn er will."

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