22.04.2021 - 15:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Klinikum Weiden: Werdende Väter nun mit negativem Test von Anfang an bei der Geburt dabei

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Wann darf ein werdender Vater in den Kreißsaal? Von Beginn an? Erst wenn die Presswehen einsetzen? Zehn Minuten vor der Geburt? Die Vorgaben im Klinikum Weiden lassen Spielraum. Wir haben nachgefragt: Das gilt.

Eine Hebamme tastet den Bauch einer Frau ab, die im neunten Monat schwanger ist. Im Klinikum Weiden dürfen wegen der Corona-Pandemie werdende Väter ohne negatives Testergebnis nicht von Anfang an bei der Entbindung dabei sein.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Sie wurden von Hebamme und Ärzten aus dem Zimmer geschickt und durften es erst wieder betreten, wenn ihr Kind geboren war: Noch vor wenigen Jahrzehnten waren werdende Väter bei der Entbindung nicht dabei – diese war reine Frauensache. Das Blatt hat sich gewendet, doch die Corona-Pandemie sorgt wieder für einen Schritt zurück: Am Klinikum Weiden durften in den vergangenen Monaten Väter zwar „grundsätzlich bei der Geburt dabei sein“ – aber nicht mehr von Anfang an.

Das hat sich nun geändert: "Wir haben deutliche Erleichterungen für werdende Eltern geschaffen", gibt Michael Reindl, Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Patientenbelange der Kliniken Nordoberpfalz AG, bekannt. Lege ein werdender Vater ein negatives Testergebnis vor, "darf er seine Frau sofort mit in den Kreißsaal begleiten und ist während der gesamten Geburt anwesend", teilt er mit. "Ein Warten vor dem Kreißsaal ist somit nicht mehr nötig."

Ohne einen Nachweis über einen negativen Antigen- oder PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, gilt jedoch weiterhin die bisherige Regelung. Das heißt: Väter "werden spätestens dann dazu gerufen, wenn die Geburt absehbar ist“, erläutert Reindl auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. „Dieser Zeitraum variiert natürlich von Geburt zu Geburt, jedoch handelt es sich meist noch immer um einige Stunden“, merkt er an und betont eine "vollumfängliche" Begleitung während der "aktiven Phase der Geburt".

Diese Vorgabe war in den vergangenen Monaten bei allen Geburten gültig und sollte gewährleisten, "dass sich nicht zu viele Personen zeitgleich im geschlossenen Kreißsaalbereich befinden und somit Kontakte reduziert werden", erklärt er auf Nachfrage. Die Regelung sei den werdenden Eltern bekannt, zumal auch in der Geburtsplanung „vorab eine mögliche Anwesenheit des Vaters immer besprochen“ werde.

Und Reindl hebt hervor: „Im Vergleich zu vielen anderen Kliniken war es Vätern seit Beginn der Corona-Pandemie erlaubt, bei der Geburt dabei zu sein.“ Denn: "Uns ist die enorme Bedeutung der Anwesenheit von Vätern während der Geburt natürlich bewusst." Werdenden Vätern werde deshalb nun empfohlen, "sich um den Zeitpunkt der Geburt regelmäßig testen zu lassen, um die Frau ständig begleiten zu können".

Zum bisherigen Vorgehen habe das Klinikum jedoch "viel positives Feedback erhalten", merkt er an und spricht von "sehr viel Verständnis". Tatsächlich jedoch ist die Akzeptanz für die früher generell geltende Regelung bei werdenden Eltern und ihren Familien, aber auch bei Hebammen gering. Eine Familie aus dem Einzugsbereich des Klinikums Weiden einschließlich der künftigen Großmutter etwa zeigt sich enttäuscht: „Irgendwie ist das nicht nachvollziehbar.“

Die Schwangere, die ihren Namen nicht genannt haben will, wusste von einer Bekannten, die im Sommer vergangenen Jahres entbunden hat, zwar bereits davon, hätte ihren Partner allerdings natürlich gerne die ganze Zeit an ihrer Seite. Aber auch mit der neuen Vorgabe kann es bei fehlendem Negativtest sein, dass ihr Mann sie vor dem Klinikum absetzen muss und „ich alleine mit meinem Koffer rein und aufs Zimmer muss“. Dann „bin ich die ganze Zeit alleine“, bis der werdende Vater informiert wird, „dass er losfahren darf“: „Das kann zwei Tage dauern oder nur einige Stunden.“

„Das stört mich schon ein bisschen“, sagt die junge Frau. „Der Gedanke hat mich komisch gestimmt.“ Ihr Mann sehe das genauso: „Er wäre gerne dabei. Denn das ist nichts Gewöhnliches; das erlebt man ja nicht jeden Tag.“

Auch ihre Schwiegermutter pflichtet der Schwangeren bei: „Das ist ein einschneidendes Ereignis“, weiß sie aus eigener Erfahrung. „Für mich war es schon erleichternd, dass damals mein Mann dabei war.“

Nicht nur deshalb übt sie an der bisher strikten Regelung im Klinikum harsche Kritik. Die Hebamme sei unbekannt, der diensthabende Arzt ebenfalls: „Du kennst keinen, alles ist fremd, und du hast deinen Partner nicht an deiner Seite.“ Der werdende Vater wiederum sei ohne Negativnachweis „stundenlang in Wartestellung“. Ihr Sohn überlege nun, was er im Fall der Fälle machen solle: „Unten im Auto warten oder heimfahren?“

Eine erfahrene Hebamme aus der nördlichen Oberpfalz, die anonym bleiben will, kann die bisher generell und nun ohne Negativtest geltende Regelung ebenfalls nicht nachvollziehen. Das Klinikum "geht sehr auf Nummer sicher“, erklärt sie auf Anfrage. „Das ist sehr, sehr traurig für die Frau.“ Ohne Test dürften die Väter erst dazu, „wenn der Muttermund sechs bis sieben Zentimeter“ geöffnet sei "beziehungsweise die Pressphase absehbar ist". Bei einer Einleitung aber werde „ja manchmal mit null Wehen und einem Zentimeter Muttermund“ angefangen, gibt sie zu bedenken.

„Das Klinikum übertreibt mit den Vorsichtsmaßnahmen“, sagt die Geburtshelferin: „Es macht ja keinen Unterschied, ob der werdende Vater eine Stunde oder drei Stunden im Kreißsaal ist.“ Auch müsse er Abstand zum Personal halten; zudem trügen alle Masken und Schutzkleidung.

Und die Hebamme verweist auf mögliche Folgen: Um das Alleinsein zu verkürzen, "fahren manche Paare später los" – manchmal zu spät. Ihr sei ein Fall bekannt, bei dem die Frau dann „zu Hause entbunden hat: ganz alleine; nur ihr Mann war mit dabei“. Da alles gut gegangen sei, „ist sie gleich zu Hause geblieben“.

Geburtshilfe in der Kliniken Nordoberpfalz AG

Tirschenreuth

Die werdenden Eltern aus dem Einzugsbereich des Klinikums Weiden hatten sich eigentlich schon mit der Situation abgefunden: „Irgendwie wird man das überstehen.“ Viel schlimmer sei es, „wenn Leute, die sterben, allein sind“, merkt die junge Frau an.

Doch nun hat sich ihre Hoffnung auf Änderung erfüllt. "Das hört sich ja schon mal gut an", freut sie sich über die neue Regelung und wünscht sich, "dass das so bleibt". Mit dem erforderlichen Test stellen sich jedoch weitere Fragen: "Wir wissen noch nicht, wie wir es machen."

Ihr Mann könne sich schon regelmäßig testen lassen, aber das alle zwei Tage tun zu müssen, sei ja "auch nicht so angenehm". Und was, "wenn es nachts mal losgeht? Da kann er nicht einfach in die Apotheke gehen und sich testen lassen."

Am einfachsten wäre ein Test bei der Ankunft im Klinikum, meint die Schwangere. So sei es etwa in dringenden Fällen in Cham im Krankenhaus möglich. Ihr Mann wird sich jedenfalls rund um den voraussichtlichen Geburtstermin Urlaub nehmen, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Service:

Die Regelungen im Klinikum Weiden bei Entbindungen

  • Mit negativem Testergebnis (Antigen-Test oder PCR-Test, nicht älter als 48 Stunden): Werdender Vater darf seit 15. April sofort mit in den Kreißsaal und während der gesamten Geburt anwesend sein. Gilt auch für geplante Entbindungen, wie Einleitung oder geplanter Kaiserschnitt.
  • Ohne Nachweis "ursprüngliche Regelung mit Wartezeit für die Väter": Begleitung erst „ab dem Zeitpunkt, ab dem die werdende Mutter dauerhaft bis zur Entbindung im Kreißsaal bleibt“.
  • In dem Fall zwar Begleitung auf dem Weg in den Kreißsaal (Zugang über Zentrale Notaufnahme), dann aber Warten „im Bereich vor dem Kreißsaal, bis die Geburt absehbar ist“. „Frühzeitige Information über die bevorstehende Geburt“, wenn Vater zu Hause wartet.
  • Für Besuche von Mutter und Kind ebenfalls negatives Testergebnis erforderlich. Klinikum berücksichtigt aber "Ausnahmefälle", etwa "nach spontaner Geburt am Wochenende".
  • Tragen einer FFP2-Maske während des Aufenthalts im Klinikums. (rca)

 

 

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