22.12.2020 - 18:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kommentar zu Frauenhäusern: Mehr Geld, mehr Vorbilder

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Birgit (Name geändert) schafft es erst nach fünf Jahren häuslicher Gewalt ins Frauenhaus Weiden, dann, als auch ihr zehnjähriger Sohn aggressiv wird. Gesellschaft und Politik müssen sich ändern, kommentiert Elisabeth Saller.

Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil
Kommentar

Häusliche Gewalt hat viele Facetten: Es müssen nicht immer Schläge sein. Sie kann auch aus dem Verbot für ein eigenes Konto oder der Besuch von Freundinnen bestehen. Jede dritte Deutsche zwischen 18 und 74 Jahren gab bei einer Umfrage der europäische Grundrechteagentur an, mindestens einmal in ihrem Leben davon betroffen gewesen zu sein.

Frauenhäuser und ähnliche Einrichtungen gibt es seit Mitte der 1970er Jahre in Deutschland. Trotzdem liegt noch ein weiter Weg vor uns Frauen und Männern, viel muss sich noch ändern. "Zu uns kommt teilweise schon die zweite Generation. Die Töchter ehemaliger Bewohnerinnen als Opfer, ihre Söhne als Täter", sagte eine Betreuerin im Weidener Frauenhaus gegenüber Oberpfalz-Medien in diesem Sommer. Nicht alle, die Hilfe suchen, können aufgenommen werden. Es gibt zu wenig Plätze, zu wenig Mitarbeiter.

Würde die Politik weiblicher, gäbe es mehr Geld für Psychologen, Sozialarbeiter und Betreuer, die Frauen - und Männern - helfen. Um die Täter wird sich etwa im Gefängnis viel gekümmert. Gesprächskreise, Anti-Aggressions-Trainings, Selbstreflektionsübungen. Für die Gewaltopfer ist nichts davon vorgesehen, sagte die Weidener Frauenhaus-Leiterin Enikö Nagy.

Auch die Gesellschaft muss sich ändern. Kürzlich zeigte eine Studie wieder, wie sehr das Verhalten von Müttern auf ihre Töchter abfärbt. Wir Frauen sollten noch mehr Jüngeren ein Vorbild sein, für unsere eigenen Interessen eintreten. Denn Frauenhäuser sollte es nicht geben müssen.

Was geschieht im Frauenhaus Weiden? Bewohnerinnen und Betreuerinnen berichten

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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