Der Gustav-von-Schlör-Saal in der Max-Reger-Halle in Weiden ist groß. Fast ein wenig zu groß für einen Konzertabend, der von Nähe lebt. „Der Saal reicht fast nicht“, meinte Karsten Troyke aber trotzdem, natürlich mit einem Schmunzeln, als er die Bühne betrat. Doch schon nach wenigen Minuten war die Distanz verschwunden. Es war, als rücke der Raum zusammen. Die Jüdische Gemeinde Weiden hatte eingeladen.
Gemeinsam mit dem Geiger Daniel Weltlinger und Kontrabassist Martin Buhl Staunstrup entfaltete Troyke vom ersten Ton an eine besondere Atmosphäre. Die ersten, fast meditativ getragenen Klänge von „Hava Nagila“ waren sofort wiederzuerkennen. Langsam hob die Violine an, tastend und zugleich warm. Dann setzte Troykes tiefe, raue Stimme ein, markant, unverwechselbar. „Lasst uns glücklich sein“ bedeutet das bekannte jüdische Lied. Und genau diese Stimmung sprang rasch auf das Publikum über. Eine Sopranistin aus den Reihen der Zuhörer ließ sich hinreißen, stimmte kurz mit ein. Bald sangen viele mit.
Karsten Troyke ist weit mehr als ein Sänger. Er ist Erzähler, Moderator und ein Bühnenkünstler, der seine Lieder mit Geschichten verbindet. Mit trockenem Humor, feiner Ironie und genauer Beobachtung führte er durch den Abend. Zwischen den Liedern erzählte er von Herkunft, Erinnerung und dem Weitergeben von Musik von Mund zu Mund. Gerade darin lag die besondere Kraft dieses Konzerts: Es wirkte nie museal, sondern lebendig und gegenwärtig.
Mit Leonard Cohens „Dance Me to the End of Love“ wurde es still im Saal. Die letzte Strophe sang Troyke im englischen Original. Seine dunkle Stimme verlieh dem Lied eine eindringliche, fast intime Tiefe und ähnelte dem Gesang von Leonard Cohen. Es folgten „Tumbalalaika“, „Yerushalayim Shel Zahav“ und das instrumental fein gezeichnete „Dark Clouds“.
Im zweiten Teil setzte das Trio mit jiddischen Folksongs und Chansons von Georg Kreisler weitere Akzente. Melancholie und Groteske, Ernst und Gag lagen dabei eng beieinander. Gerade diese Mischung machte den Abend so besonders. Mit „Toda“ verabschiedeten sich die Musiker. Das Publikum blieb noch einen Moment sitzen, als wolle es die Stimmung festhalten, bevor kräftiger, herzlicher Applaus den Saal erfüllte.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.