16.12.2020 - 17:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kostenlose FFP2-Masken: "Wir sind überrannt worden"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Tausende Bürger aus Weiden und dem Kreis Neustadt wollten am Dienstag und Mittwoch die ersten kostenlosen FFP2-Masken haben, die für über 60-Jährige und einige chronisch Kranke in den Apotheken erhältlich sind. Nicht alle kamen zum Zug.

In der Rosen-Apotheke in Vohenstrauß herrschte laut Inhaber Martin Wolf zum Start der kostenlosen Ausgabe von FFP2-Masken "Großkampftag". Wie ihm und seinen Kollegen ging es vielen Apothekern in der Region.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Wir hatten am Dienstag Großkampftag", sagt Martin Wolf, Inhaber der Rosen-Apotheke in Vohenstrauß und Sprecher des Bayerischen Apothekerverbandes für den Kreis Neustadt/WN. Er wisse nur von einzelnen Apotheken im Kreis, die keine FFP2-Masken ausgeben konnten, weil sie keine geliefert bekommen haben. Für die Kollegen, die welche geliefert bekommen hatten, habe der Kundenansturm einen "enormen Mehraufwand" bedeutet. Denn die Herausgabe der kostenlosen Masken koste Zeit, weil das Alter im Personalausweis überprüft werden müsse beziehungsweise die Kunden eine Selbstauskunft ausfüllen müssten. "Wer erst 2021 60 Jahre alt wird, ist nicht dabei", so Wolf.

Schutz für sich selbst

Die zunächst kostenlose Verteilung der Schutzmasken hält er für das richtige Zeichen vonseiten der Politik. "Die FFP2-Masken schützen besser als Alltagsmasken und mit ihnen schützt man nicht nur andere, sondern auch sich selbst." Unklarheit herrsche bei manchen Kunden darüber, mit welchen chronischen Erkrankungen man zur Abholung der kostenlosen Schutzmasken berechtigt sei. "Viele, die Bluthochdruck haben, fragen zum Beispiel nach Masken. Aber diese Erkrankung ist in der Liste nicht aufgeführt", erklärt Wolf (siehe Kasten).

Seine Apotheke habe bisher alle berechtigten Kunden mit FFP2-Masken versorgen können. "Wir haben bei mehreren Händlern bestellt, um sicher zu gehen, dass wir zum Start am Dienstag Masken haben." Alle Apotheken in Vohenstrauß hätten noch Ausstände für die kommenden Tage. "Man kann ja mit einem einfachen Dreisatz grob ausrechnen, wie viele Masken man im eigenen Umfeld benötigt, wenn es 27 Millionen Berechtigte in Deutschland gibt und jede berechtigte Person aktuell drei Masken bekommt."

Schlechtes Timing

Gerechnet hat auch Andreas Biebl, Inhaber der Mohren-Apotheke in Weiden und Sprecher des Bayerischen Apothekerverbandes für die Stadt. Genützt hat es nichts: "Wir sind gestern überrannt worden und können im Moment keine Masken mehr ausgeben. Wir sitzen auf dem Trockenen". 1500 Masken habe er für eine Woche einkalkuliert – weg waren sie alle innerhalb nur eines Tages. "Viele haben Masken für Angehörige mitgenommen und hatten zum Beispiel den Personalausweis der Oma dabei. Wir haben pro Person im Schnitt fünf Masken abgegeben." Allein ein älteres Ehepaar habe Anrecht auf sechs Stück.

Biebl hält das Timing für den Start der Aktion für ungünstig: "Wir wollen ja, dass möglichst viele versorgt werden. Die Aktion ist eine gute Idee und großzügig vom Staat, aber sie kam vielleicht ein bisschen spät und war nicht ideal in der Umsetzung. Da wäre noch Luft nach oben gewesen. Dienstag war der letzte Tag für Besorgungen, und wir sind mitten im Zentrum. Wir hatten viele Auswärtige – von Schönsee bis Tirschenreuth – die wir mit Masken versorgt haben." Er hoffe auf eine Nachlieferung vor den Feiertagen. "Wenn die Aktion am Mittwoch gestartet wäre, wäre das geschickter gewesen. Dann wären die Leute an ihrem Wohnort gewesen und zu ihrer Stamm-Apotheke gegangen. Das Timing hat uns am Dienstag das Kreuz gebrochen. Wir haben unser Bestes gegeben. Ich arbeite seit 20 Jahren in der Apotheke, aber Dienstagabend wollte ich nur noch ins Bett. Wir waren durch, fix und alle." So wie ihm sei es auch anderen Apothekern am Ort gegangen, die entweder schon vormittags keine Masken mehr hatten oder erst gar keine geliefert bekommen hatten. "Dann gehen die Leute von Apotheke zu Apotheke, und das schmeißt die Kalkulation durcheinander."

Bei Stamm-Apotheke bleiben

Biebl ist aber zuversichtlich, dass jeder, der ein Anrecht hat, auch eine Maske bekomme. "Wir sind ja durchgehend da und man hat noch bis zum 6. Januar Zeit, sich seine Masken zu holen. Aber selbst, wenn sich eine Apotheke nach Kräften bemüht, kann es sein, dass es mal stockt." Er rät den Berechtigten, in ihre Stamm-Apotheken zu gehen. "Die haben die Masken da, die für ihn gedacht sind."

Das Timing hat uns am Dienstag das Kreuz gebrochen.

Andreas Biebl, Inhaber der Mohren-Apotheke

Alle aktuellen Infos zum Coronavirus in der nördlichen Oberpfalz

Oberpfalz

Das sollten Sie jetzt zu den Coronaregeln wissen

Amberg
Hintergrund:

Ausgabe von FFP2-Masken: Das ist zu beachten

  • Bis zum 6. Januar können über 60-Jährige und Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen jeweils drei FFP2-Masken kostenlos in den Apotheken abholen. Erforderlich ist ein Altersnachweis (Personalausweis) beziehungsweise eine Selbstauskunft (Formular vor Ort).
  • Zu den chronischen Erkrankungen, die zur Masken-Abholung berechtigen, gehören: chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale, chronische Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz (Stadium ≥ 4), Demenz, Schlaganfall, Diabetes mellitus Typ 2, aktive/fortschreitende/metastasierte Krebserkrankung oder stattfindende Chemo- oder Radiotherapie, welche die Immunabwehr beeinträchtigen kann, stattgefundene Organ- oder Stammzellentransplantation, Trisomie 21 und Risikoschwangerschaft.
  • Im neuen Jahr bekommen Berechtigte Coupons von den Krankenkassen, mit denen sie zwölf weitere Masken abholen können, zu einem Eigenanteil von je zwei Euro für sechs Masken.
  • FFP2-Masken schützen im Gegensatz zu Alltagsmasken nicht nur andere, sondern auch den Träger. Sie sind Einmal-Masken, die nach Gebrauch wegegeworfen werden. Sie eignen sich zum Beispiel für Einkäufe oder Besuche.
  • Das Tragen der Masken ersetzt nicht das Lüften in Innenräumen und erfordert einen hygienischen Umgang: Masken nicht weiter benutzen, wenn sie feucht geatmet wurden; nicht innen oder außen mit den Händen anlangen, sondern nur vorsichtig am Rand bzw. an den Gummibändern. Danach Hände waschen.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.