22.05.2019 - 16:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Krankenstand über bayerischem Durchschnitt

Arbeitnehmer aus Weiden und dem Landkreis WN sind öfter und länger krank als Beschäftigte in anderen Regionen Bayerns. Dafür gibt es einfache Erklärungen. Die sind aber besorgniserregend.

Die Klinken Nordoberpfalz AG bietet ihren Mitarbeitern zur Präventionen von Erkrankungen beispielsweise kostenlose Grippeimpfungen an. (Symbolbild)
von Redaktion ONETZProfil
Der häufigste Grund für Krankmeldungen im Jahr 2018 waren Atemwegserkrankungen wie zum Beispiel eine Bronchitis.

Eine Studie der AOK verrät: 19,8 Tage waren bei ihr versicherte Arbeitnehmer in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN im vergangenen Jahr im Schnitt krank. Damit liegen sie mehr als zwei Tage über dem bayerischen Durchschnitt. "Geht es um die Dauer der Erkrankung, so verursachen Muskel- und Skeletterkrankungen von allen Krankheitsarten immer noch die meisten Ausfalltage", sagt Jürgen Spickenreuther, Direktor der AOK in Weiden. 6,7 Tage waren die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr deswegen krank geschrieben.

Grund für eine Häufung in der Region könnte ein von der AOK als Nord-Süd-Gefälle tituliertes Phänomen sein. Demnach hätten nordbayerische Unternehmen eine deutlich ältere Belegschaft. Oberbayern profitiere vom starken Zuzug jüngerer Arbeitnehmer. "Es stimmt, dass der Anteil der Arbeitnehmer 55+ über dem Bayerndurchschnitt liegt. Dass jüngere Arbeitnehmer eher die Region verlassen, lässt sich aber anhand der Statistik nicht ablesen", sagt Thomas Würdinger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Weiden. Das Wanderungssaldo sei im Bayernvergleich sogar eher gering einzuschätzen.

Probleme gibt es aber dennoch: "Es ist richtig, dass wir Schwierigkeiten haben, Nachwuchs zu finden", bestätigt Martin Neuhaus, Personalchef der Kliniken Nordoberpfalz AG, mit 2750 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in der Region. "In den nächsten 8 bis 12 Jahren werden 700 Mitarbeiter in Rente gehen." Grundsätzlich seien die jungen Mitarbeiter aber nicht weniger krank, nur möglicherweise kürzer. Vor allem Rückenprobleme führten zu Arbeitsausfällen im Bereich der Pflege, so Neuhaus. Der Krankenstand der Kliniken Nordoberpfalz AG betrug 2018 rund 8 Prozent, 1 Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Prinzipiell liegt der Krankenstand nach Angaben der AOK in Weiden und im Landkreis Neustadt an der Waldnaab bei 5,4 Prozent und damit über dem bayerischen Durchschnittswert von 4,8 Prozent. Zudem stieg er im Vergleich zum Vorjahr.

Der häufigste Grund für Krankmeldungen im Jahr 2018 waren allerdings Atemwegserkrankungen. Knapp die Hälfte aller Arbeitnehmer gab diese als Grund für eine Krankschreibung an. Zurückzuführen sei das nach Angaben der AOK auf die Erkältungswelle im Frühjahr. "Um dem entgegenzuwirken, bieten wir beispielsweise kostenlose Grippeimpfungen für unsere Mitarbeiter an", sagt Martin Neuhaus.

"Die vorhandenen Fachkräfte müssen viel mehr geschützt werden. Gerade in Zeiten des Arbeitskräftemangels ist es eine wichtige, zentrale Aufgabe, Gesundheitsförderung noch mehr aktiv zu betreiben", bestätigt auch der Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Weiden-Neustadt, Josef Bock. Durch präventive Maßnahmen wie eine Ernährungsberatung oder betriebliche Gesundheitsförderung versucht die Klinken Nordoberpfalz AG, den Krankenstand zu verringern.

Zweithäufigster Grund für Ausfälle waren Muskel- und Skeletterkrankungen, gefolgt von Erkrankungen des Verdauungssystems und Verletzungen. "Auch Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen nehmen zu", weiß Neuhaus. "Die Gefährdungsbeurteilung, die Arbeitgeber nach dem Arbeitsschutzgesetz ausfüllen müssen, umfasst inzwischen auch die Gefahr von psychischen Erkrankungen." Der Fachkräftemangel verstärke möglicherweise noch den Druck auf stark ausgelastete Arbeitnehmer. "Die permanente Verfügbarkeit gepaart mit einer viel zu dünnen Personaldecke sind die Hauptursachen der traurigen Entwicklungen vor allem bei psychischen Erkrankungen", bestätigt Bock.

"Verschwiegen werden sollte auch nicht, dass sich viele Arbeitnehmer aus Angst gar nicht krankschreiben lassen oder Medikamente nehmen, nur um zu arbeiten", ergänzt der DGB-Kreisvorsitzende. Eine Statistik erfasse immer nur die, die nicht da sind. Es gäbe aber viele Arbeitnehmer, die aufgrund des Personalmangels ihre Kollegen nicht im Stich lassen wollen und dann trotzdem zur Arbeit kämen. Das räche sich später durch längere Abwesenheiten, schlimmere Erkrankungen oder gar Arbeitsunfälle.

Info:

Krankenstand zum Vergleich

Nach Angaben der AOK liegt der Krankenstand im Landkreis Sulzbach-Rosenberg bei 5,3 Prozent und im Landkreis Schwandorf bei 5,2 Prozent. In der Stadt Regensburg ist er mit 4,0 Prozent deutlich geringer, genau wie in München mit 3,8 Prozent. Tirschenreuth überholt mit 5,5 Prozent Weiden und den Landkreis Neustadt (5,4 Prozent) nochmals.

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