31.03.2019 - 12:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kritische Gedanken und deftiger Humor beim Arbeitskreis Mundart

Die Akteure des Arbeitskreises Mundart haben viele Fans. So bleibt auch bei der Frühjahrslesung im Kulturzentrum Hans Bauer kein Platz unbesetzt.

Sie hatten die Lacher auf ihrer Seite: Die Mundartdichter (stehend, von links): Wolfgang Leo Bäumler, Gertraud Mois, Christine Schreiber, Markus Keßler, Günter Weber und Christa Haubner, sitzend die Schirmitzer "Dorf- und Graffl-Musikanten".
von Autor hczProfil

Die Besucher waren bester Stimmung und „Chef“-Mundartdichter Wolfgang Leo Bäumler stellte die Mit-Akteure vor: Gertraud Mois, die Denkendorfer Bäuerin, seit Langem als Verfasserin nachdenklich machender und kritischer Verse bekannt. Neu: Christine Schreiber aus Floß. Die Grafikdesignerin (49) trat zum ersten Mal mit an. Günter Weber, EDV-Spezialist aus Weiden, war zum zweiten Mal dabei und gehört, wie Christa Haubner aus Neustadt/WN zur „70-Plus“-Riege der Dichter.

Als „Arbeitstier“ bezeichnete Bäumler den Windischeschenbacher Lehrlokführer Markus Keßler. Dieser hatte nicht nur köstliche Gedichte im Gepäck, sondern in den letzten Monaten auch den 13. „Zungaschlooch“ fertig gestellt, das Organ des seit 1990 bestehenden Arbeitskreises Mundart, in neuem Design und voll mit genialen Gedichten und Geschichten.

Bäumler begann mit einer „traurigen“ Geschichte. Sie handelt von den vielfältigen Handy-Klingeltönen, die man heutzutage hört. „Kikeriki“, „Resi, i hol di mit’m Traktor ab“, „die Nationalhymne“ oder auch das „Martinshorn“. Letzterer Klingelton sei einem Bekannten kürzlich zum Verhängnis geworden. An der Kreuzung hatte er gedacht, sein Handy würde klingeln. „Da hat ihn die Feuerwehr zamma gfahrn“. Später lobte der Lehrer von der Rennerhöh’ den amerikanischen Präsidenten, der in fünf Jahren die erste Frau zum Mond schicken will. Bäumler: „Hoffentlich nimmt er die meine!“

Mois berichtete von der, kürzlich auch im „Neuen Tag“ zu lesenden, Tierbefreiung eines „wamperten Ratz’“. Sie stellte fest, dass das Einkaufen nicht so einfach ist. Heute kaufe man nicht regional, sondern global ein. Die Landwirtin gedachte auch des Volksbegehrens „Artensterben“ und riet, am besten bei sich selber anzufangen.

Aus Floß erzählte Schreiber, dass sich zwei „preissische“ Handwerker mit der Metzgerei-Verkäuferin nicht hatten verständigen können. Der „Rudi-Mat“, ein in Floß erfundener Metzgerei-Automat, sei deshalb schon in München nachgemacht worden. Auch für das „Smart-Home“ hatte die Flosserin einen Kommentar übrig: „Dann brauche ich überhaupt nicht mehr Zuhause sein!“

Dass man Vorsätze fürs neue Jahr am Besten gleich vergessen soll, stellte Günter Weber fest und brach in Versform eine Lanze für die Männer – und später auch für die Frauen. Haubner berichtete von den „Hutstumpen“ mit denen in den 60er Jahren die Damen die Heilige Messe besuchten. Die Neustädterin wusste, wie Frauen am Bau mithelfen würden, wie sie dort traktiert würden und wie sie sich zu rächen wüssten. Lustig war auch ihr Bericht vom „Spaziergang mit der Tante“ und dem Griff an den Weidezaun.

Zwei Gedichte von Keßler trieben den Besuchern Tränen in die Augen. „Fachkräftemangel auch in der Kirche“: Die Geschichte vom Meßner, der im Auftrag des Pfarrers den Gläubigen das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen sollte und dabei zum Bürgermeister sagte: „Du bist a Depp und bleibst a Depp.“ So wie der Pfarrer es damals zu ihm gesagt hatte, als er den richtigen Spruch („...von der Erde bist Du genommen und zur Erde wirst Du zurückkehren“) vergessen hatte.

Keßlers super Gedicht Nummer zwei: Der Bub beichtet dem streng katholischen Elternhaus, dass es mit Nachwuchs nicht werden wird, weil er seit Jahren mit Klaus-Peter in gleichgeschlechtlicher Ehe zusammen lebt. Der Vater tobt ob der Schande im Dorf: „Wenn d’ Leit des hörn, dann ham mas Gschieß – weil der Klaus-Peter doch evangelisch is’!“ Mit zünftiger bayerisch-böhmischer Volksmusik untermalten die „Dorf- und Graffl-Musikanten“ aus Schirmitz die Veranstaltung.

Auch Stadtrat Alois Schinabeck überbrachte die Grüße seiner Partei und der anwesenden Politik-Kollegen in Reimform. „Von mir und von der Hölzl Nicole, Glückwunsch, der Saal is’ wieder voll.“

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