20.12.2020 - 12:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kurz vor Weihnachten: Weidener Wochenmarkt im Lockdown-Ausnahmezustand

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Eigentlich wäre am Samstag vor Weihnachten Hochbetrieb am Weidener Wochenmarkt. Nicht so in diesem Jahr. Manche Händler spüren den Corona-Lockdown deutlich. Die Einkäufe verlagern sich.

Vor dem Fahrzeug der Hausschlachterei Koller aus Nabburg stehen die Kunden sogar Schlange. Das geht nicht jedem Händler auf dem Weidener Wochenmarkt am Samstag so.
von Helmut KunzProfil

„Heute ist deutlich weniger los hier am Markt, als sonst“, zieht Josef König am Samstag auf dem Weidener Wochenmarkt Bilanz. Der Gemüsehändler aus Pressath schätzt, dass allein wegen des Lockdowns gut ein Drittel weniger Leute als an normalen Wochenenden zum Einkaufen in die Innenstadt gekommen seien. Vielen fehle ganz einfach die Motivation. „Die Geschäfte haben ja alle zu. Kein einziges Café hat geöffnet. Das hält die Leute ab. Auch vom Besuch des Wochenmarkts.“

Dass einige Personen die Fußgängerzone aus Angst, sich mit Covid-19 anstecken zu können, meiden würden, das glaube er eher nicht, meint der „Gemüse-König“. Auch nicht, dass sich die Weihnachtsfeiertage in irgendeiner Weise anders aufs Kaufverhalten seiner Kunden auswirkten. Wegen der Vorbereitung auf Heiligabend gebe höchstens bei Wurzelwerk für Suppen und Saucen eine höhere Nachfrage als sonst. Vielleicht auch beim Obst. Hauptsächlich bei den Äpfeln.

Glücklich über Stellplatz

So schade wie es für die Bevölkerung sei, dass heuer der Christkindlmarkt ausfallen musste, so glücklich sei er persönlich darüber, dass er den Platz für seinen Gemüsestand auch während der Adventszeit auf dem Unteren Markt behalten dürfe. Alternativ hätte er nämlich mit seinen Marktkaufleute-Kollegen auf den Großparkplatz ausweichen müssen.

Bettina Robl – seit 30 Jahren auf dem Weidener Wochenmarkt – sieht dies am Samstag ähnlich. „Wir sind natürlich froh, dass wir hier bleiben durften. Hier haben wir unsere Plätze und unsere Kunden. Alle sind das so gewohnt. Eine Veränderung ist nie vorteilhaft“, meint die Biobäuerin aus Heckenhof bei Kemnath. „Beides, Weihnachtsmarkt und Wochenmarkt am gleichen Ort, wäre nicht möglich gewesen.“ Ihre Auslagen: Vor allem knusprige Brotbackwaren aus eigener Herstellung.

Robl verzeichnet am Samstag nur leichte Umsatzeinbußen. Sie ist überzeugt, dass sich die Leute längst auf die aktuellen Umstände eingestellt hätten. Allerdings: „Es ist einfach anders, als an gewöhnlichen Feiertagen. Normalerweise hätte ich viele Vorbestellungen gehabt. Die sind heuer ausgeblieben. Ich hoffe, dass ich meine Sachen heute noch verkaufe.“ Ramazan Tuncer aus Steinberg kann auch nicht klagen. Sein Feinkostgeschäft mit Feigen, Käse, Knoblauch, Oliven und exotischen Kräutern läuft wie immer. Vor dem Wagen der Hausschlachterei Koller aus Nabburg stehen die Leute sogar Schlange.

Viel mehr Vorbestellungen

Kajetan Merkl vom „Bioladl“ hat ein klares Bild: "Es sind weniger unterwegs." Der Pullenreuther, der seit nunmehr sechs Jahren seine Biosachen auf dem Weidener Wochenmarkt verkauft, stellt gleichzeitig fest, dass seine Kunden vor Weihnachten deutlich gezielter einkauften. „Bei mir geht durch die Bank sehr viel Geflügel weg. Enten, Gänse, Gockerl. Alles auf Vorbestellung.“

Dieter Liebe aus Premenreuth hat wiederum seine liebe Not, abgepackte Gewürze an Mann und Frau zu bringen. „50 Prozent weniger Umsatz“, schätzt er. „Ist ja nichts los hier. Momentan kaufen die Leute, die zu mir kommen, speziell für Weihnachten ein.“ Sehr gefragt seien Glühwein- und Lebkuchengewürze. Aber auch Zimt und Pfeffer. „Am kommenden Mittwoch bin ich wieder hier.“ Die Nachfragesituation werde sich aber dann aber bestimmt auch nicht groß ändern.

Ein Weidener Traditionsgeschäft schließt zum Jahresende

Weiden in der Oberpfalz

Ob sich wohl auch alle Kunden an die Corona-Regeln hielten? Bei Christa Maier aus Kaimling auf alle Fälle. Die Markthändlerin ist da äußerst resolut. „Bis auf ein paar Vereinzelte halten sich alle an die Regeln. Wer sich nicht daran hält, der bekommt eine gebraten.“ Damit meint sie nicht die frischen Gockel, das Geflügel aus eigener Fütterung und eigener Schlachtung, Enten, Gänse: Auch bei ihr geht das allermeiste gegen Vorbestellung über die Theke. Zuviel Schlachtgeflügel nur auf Verdacht mitzunehmen wäre ja völlig falsch, erklärt Maier. „In der derzeitigen Situation weiß man nie, ob man nicht vielleicht darauf sitzen bleibt."

„Wir sind regelmäßig hier“, erzählen Hubert und Richarda Erl, die beide am Samstag als Kunden über den Markt schlendern. „Und es ist wenig los durch den Lockdown. Was uns beiden fehlt, sind einfach die Cafés, ist das Soziale.“ Ein bisserl Gemüse würden sie einkaufen. „Was braucht man sonst schon? Darf ja niemand kommen zu Weihnachten. An Heiligabend sind wir zu dritt, am ersten Weihnachtsfeiertag zu fünft und am zweiten zu viert. Und dann ist das Jahr auch schon aus.“ Was Richarda Erl ihren Mitbürgern ans Herz legt: „Man muss in der Region einkaufen, das ist sehr wichtig." Wenn der Internet-Einkaufsboom so anhalte, gehe viel kaputt.

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Service:

Wochenmarkt vor Weihnachten

  • Wochen- und Bauernmarkt turnusgemäß mittwochs und samstags von 7 bis 12.30 Uhr
  • Weihnachtsregelung: Markt von Samstag, 26. Dezember, wegen Feiertag vorverlegt auf Donnerstag, 24. Dezember
  • Derzeit wegen Lockdown-Bestimmungen nur Lebensmittel im Verkauf
  • Maskenpflicht innerhalb der Fußgängerzone
  • Termine nach Weihnachten: Mittwoch, 30. Dezember; Samstag, 2. Januar; Dienstag, 5. Januar (danach turnusgemäß)

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