06.06.2018 - 17:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Hier lässt es sich sehr gut leben"

Der Weg ins Seniorenheim fällt vielen älteren Menschen schwer. Steffi Achtert nicht. Die 80-Jährige ist froh, dass sie diesen Schritt gewagt hat. Sie fühlt sich im Eleonore-Sindersberger-Altenheim pudelwohl.

Steffi Achtert ist wieder angekommen: In ihrem neuen Zuhause in der alten Heimatstadt Weiden. Die 80-Jährige fühlt sich im Eleonore-Sindersberger-Heim bestens betreut und auch Sohn Wolfgang weiß seine Mutter hier in besten Händen.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Weiden. Dabei kam dieser Umzug relativ überraschend. Denn 2014 hatte Steffi Achtert, die seit 1959 in Weiden lebte und hier ihre Kinder Doris und Wolfgang großgezogen hat, ihre Zelte in der Max-Reger-Stadt abgebrochen. Ihr Mann war 2008 gestorben, die Kinder Doris und Wolfgang längst erwachsen, also zog sie zu ihrem neuen Lebensgefährten nach Baden-Württemberg. „Er ist ein wunderbarer Mensch“, versichert die zartgliedrige ältere Dame. Doch Anfang dieses Jahres erkrankte der Lebensgefährte, musste ins Krankenhaus, dann auf Reha. Die 80-Jährige war in Baden-Württemberg auf sich allein gestellt, und das obwohl sie schwer herzkrank ist. Ein Zustand, den ihre Kinder nicht hinnehmen wollten.

„Wir mussten in kurzer Zeit eine Regelung finden“, erklärt Wolfgang Achtert (49). Zunächst ging es nur um eine Kurzzeitpflege. Und weil die Mutter früher, als sie noch jung und fit war, schon ehrenamtlich im Eleonore-Sindersberger-Seniorenheim gearbeitet hatte, „wollten wir unbedingt dieses Heim“. Zunächst holte die bei München lebende Tochter ihre Mutter zu sich. Am 5. März klappte es dann mit dem Kurzzeitpflegeplatz. Steffi Achtert war zurück in ihrer gewohnten Umgebung, sie fühlte sich wohl. Deshalb traf sie die Entscheidung, im Pflegeheim zu bleiben.

„Vom gesundheitlichen Aspekt her war nur diese Entscheidung möglich“, meint ihr Sohn Wolfgang im Rückblick. 2017 hatte seine Mutter mehrere Krankenhausaufenthalte wegen ihrer schweren Herzerkrankung. Doch angesichts des hohen Risikos rieten die Ärzte von einer Operation ab. Die 80-Jährige benötigt also eine engmaschige Überwachung und Pflege. „In der Symbiose mit ihrem Lebensgefährten ist das gegangen“, so der Sohn. „Aber sie kann nicht mehr allein oder in einem Haus mit Treppen leben.“

Steffi Achtert hatte Glück. Auf die Kurzzeitpflege folgten drei Wochen Verhinderungspflege. Am 14. April konnte sie dann ein freies Zimmer im Eleonore-Sindersberger-Heim beziehen. Anfang Mai wurde das gewünschte größere Zimmer bezugsfertig. Ihre Kinder holten die Möbel aus Baden-Württemberg. Jetzt fühlt sich die 80-Jährige in ihrem neuen Zuhause rundum wohl. Sie schwärmt von ihrem Balkon mit Blick ins Grüne: „Schauen Sie doch mal, diese Aussicht.“ Demnächst will sie ihre Balkonkästen bepflanzen.

Bis auf Pflegebett und Nachtkästchen – die dürfen nicht ersetzt werden – hat sie ihre eigenen Möbel um sich. Drei goldene Engel lugen von der Schrankwand herunter. Rosen, Orchideen und Accessoires in Rosé, der Lieblingsfarbe von Steffi Achtert, zieren Fensterbrett und Kommode. Auf dem obersten Bord der Schrankwand thront die mehrbändige Kulturgeschichte der Menschheit von Durant neben vielen anderen Büchern.

„Ich bin geblieben, weil ich es so fantastisch gefunden habe, wie ich hier betreut und gepflegt wurde“, schwärmt die 80-Jährige. Das Personal vermittelt ihr volle Sicherheit. Sohn Wolfgang, er ist Kriminalbeamter in Weiden, spricht von einem Rundum-sorglos-Paket mit All Inclusive. „Sie hat keine Belastung mehr, muss sich um nichts mehr kümmern.“ Weder um Kochen, noch um Geschirrspülen oder Putzen. Wenn sie zum Essen gehen will, geht Steffi Achtert runter, wenn nicht, kommt es aufs Zimmer.

Von den Aktionsangeboten im Heim hat sie bisher nur wenige wahrgenommen. Nach den Krankenhausaufenthalten im vergangenen Jahr genießt sie es jetzt erst mal, dass sie keine Termine wahrnehmen muss. „Ich brauche viel Ruhe.“ Aber auch die sozialen Kontakte der Mitbegründerin des Weidener Seniorenkreises „Spätlese“ sind aufgelebt, seitdem sie wieder in der Max-Reger-Stadt wohnt. „Ich habe einige Freundinnen, die zu Besuch kommen, mich in die Stadt oder in den Park begleiten. Demnächst holen sie mich zu einem Gartenfest ab.“

Die Wohnlage könnte nicht besser sein. Wolfgang Achtert verweist auf den Ausblick auf grüne Wiesen Richtung alter Festplatz. Am Zimmer seiner Mutter, auf der Rückseite des Gebäudes, führt kein Verkehr vorbei. „Der Max-Reger-Park ist gleich nebenan. Wenn sie zur Serenade gehen will, hat sie nicht weit. Sie kann aber genauso gut von ihrem Balkon aus zuhören.“

Für den 49-Jährigen, seine Frau Katharina und deren Söhne Johannes und Nikolas ist die Mutter beziehungsweise Oma wieder in greifbare Nähe gerückt, so dass sie sich wieder besser um sie kümmern können. Auch Tochter Doris (54) und Enkelin Hannah halten engen Kontakt. Für Steffi Achtert steht fest: „Es ist prima so wie es jetzt ist. Es lässt sich hier sehr gut leben.“







Info:

Leserunde, Kegeln, Tag der offenen Tür

Weiden. (ps) Tatsache ist: Die meisten Menschen sind heute nicht mehr so fit, wenn sie ins Eleonore-Sindersberger-Alten- und Pflegeheim kommen. Auch wenn manch einer im Nachhinein feststellt: Eigentlich hätte ich schon früher gehen sollen. So sitze ich nur allein daheim.

Mit dem Wochenplan für aktive Senioren ist für die geistig und/oder körperlich fitten Bewohner einiges geboten: Von der täglichen Zeitungsrunde (Ehrenamtliche lesen vor) über die Erinnerungsrunde, Muskelaufbautraining, Bewegungsspiele und Kegeln bis zum Café Sahnehäubchen am Donnerstag und dem Gottesdienst am Sonntag.

139 Plätze bietet die Einrichtung nach dem Ende der Umbaumaßnahme. „Die Grundausstattung der Zimmer kann – bis auf das Pflegebett – durch eigene Möbel ersetzt werden“, erklärt Heimleiter Wolfgang Reuter, schränkt aber ein: „So weit es rein passt. Besser ist es, sich auf die wichtigsten Stücke zu fokussieren, wie beispielsweise den Lieblingssessel und die geliebte Kommode.“

Reuter ist froh, dass die vierjährige Umbauphase und der damit verbundene Lärm – bis auf die Gartenarbeiten – nun beendet sind. „Die 21 neuen Plätze werden jetzt nach und nach belegt“, erklärt seine „rechte Hand“, Verwaltungskraft Elfriede Stoppe. „Das nächste Zimmer erhält eine Frau, die sich bereits 1991 angemeldet hat, aber jetzt erst einziehen will. Sie steht auf unserer Liste natürlich ganz oben.“

Allen Interessierten legt sie ans Herz, noch vor dem Einzug eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung abzuschließen. „Damit wir wissen, wer zum Beispiel bei einem Sturz des Bewohners die Entscheidungsbefugnis hat.“ Reuters Rat an Senioren, die später mal in ein Altenheim wollen: „Schauen Sie sich rechtzeitig um, um zu wissen, wo Sie hinwollen. Damit das später nicht einmal Ihre Angehörigen entscheiden müssen.“ Im Sindersberger-Altenheim besteht am 1. Juli die Möglichkeit dazu. Dann lädt die Einrichtung zum Tag der offenen Tür.



Heimleiter Wolfgang Reuter und Verwaltungskraft Elfriede Stoppe.

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