ONETZ: Die Zahlen der mit Covid-19-Infizierten im Landkreis steigen immer weiter. Sind die Leute immer noch zu sorglos?
Landrat Andreas Meier: Ich stelle fest, dass die Menschen zum Beispiel beim Bäcker oder Metzger den Abstand jetzt mehr suchen als vielleicht noch vor einer Woche. Wer den Mund schützt, ist man immer noch ein Exot, aber auch das ändert sich von Tag zu Tag. Deshalb denke ich, dass das Bewusstsein für die Gefahren und Risiken dieses Virus bei den Menschen in jedem Fall deutlich zugenommen hat.
ONETZ: Plädieren Sie für strengere Vorschriften oder bleibt es beim Appell an den gesunden Menschenverstand?
Landrat Andreas Meier: Ich würde das trennen: Dort, wo sich Menschen zwangsläufig treffen und begegnen, wie zum Beispiel beim Einkaufen, wäre ich für eine generelle Mundschutzpflicht, schon alleine um sein Gegenüber zu schützen. Ansonsten würde ich es den Menschen schon eigenverantwortlich zutrauen, die gängigen Sicherheitshinweise auch zu beachten. Wo dies trotz aller Mahnungen ignoriert wird, sollten weiterhin auch deutliche Sanktionen greifen. In „Hotspot“-Gebieten wäre ich für eine generelle Pflicht zum Mundschutz, jedoch muss dafür natürlich auch das nötige Material zur Verfügung stehen.
ONETZ: Abstand halten ist auch in der Freizeit wichtig. Doch beim Radeln auf dem Bocklradweg funktioniert dies nicht immer. Was raten Sie den Leuten?
Landrat Andreas Meier: In der freien Natur kann jeder mit etwas vorausschauendem Handeln dafür sorgen, seinen Mitmenschen nicht zu nahe zu kommen. Hier ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragt.
ONETZ: Das Robert-Koch-Institut listet den Landkreis Neustadt auf Platz drei der höchsten Inzidenzen (Fälle pro 100.000 Einwohner) auf. Ist die Lage wirklich so schlimm? Oder sind die Zahlen nur so hoch, weil bei uns viel getestet wird?
Landrat Andreas Meier: Beides ist wahr: Es wird viel getestet und die Fallzahlen sind sehr hoch, aber das wären sie ja auch, wenn nicht getestet werden würde. Hier verstehe ich die Logik mancher kritischen Stimmen nicht so ganz. Ich kenne die Bilder von den Intensivstationen und wer die täglichen Todesanzeigen verfolgt, stellt sehr schnell fest, dass dies alles eine sehr ernste und kritische Angelegenheit, ja eine echte und unmittelbare Bedrohung darstellt. Aber - und das ist sehr wichtig: Es kann jeder einzelne etwas tun, um Risiken zu minimieren, für sich und für andere.
ONETZ: Trotz aller schlechten Nachrichten - gibt es soetwas wie einen Silberstreifen am Horizont?
Landrat Andreas Meier: Was mich persönlich zuversichtlich stimmt, sind die Menschen, die ich in den Krisenstäben und an den sonstigen Positionen und Funktionen bis hin zu den Ärzten und Pflegekräften vor Ort kennen gelernt habe. Sie alle arbeiten höchst professionell und strukturiert und mit sehr viel Aufopferungsbereitschaft, um mit dieser Krise bestmöglich zurecht zu kommen. Und am Schluss werden wir, werden sie, damit auch erfolgreich sein, auch wenn der Weg dorthin noch sehr steinig wird. Davon bin ich überzeugt.














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