02.01.2020 - 10:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lars Amann begeistert an der Orgel in Weidener Josefskirche

Orgelmusik von höchster Qualität war in der Weidener Pfarrkirche St. Josef zu hören. Wobei „hören“ fast etwas zu kurz greift für das Dargebotene, „erleben“ beschreibt es eher.

Mit einem grandiosen Orgelkonzert begeisterte Lars Amann in der Kirche St. Josef
von Holger Stiegler (STG)Profil

Lars Amann aus Windischeschenbach präsentierte auf der klangmächtigen und imposanten Eisenbarth-Orgel ein ausgefeiltes Programm mit vielen Werken von Johann Sebastian Bach sowie mit bekannten Weihnachtsliedern, denen Amann mit seinen Improvisationen einen neuen Charakter verlieh.

„Ihr Kinderlein kommet“, „Engel auf den Feldern singen“, das französische „Un noel“, „Adeste fideles“ – wer sich über diese Lieder musikalische Gedanken macht, der kann zu verschiedensten Orgelimprovisationen gelangen: Mal getragen, dann fröhlich und mitunter kann es auch schon einmal brachial werden. Lars Amann schöpfte hier die ganze Bandbreite aus und interpretierte diese Lieder im Stil der französisch-impressionistischen Improvisation, die er beispielsweise schon in Meisterkursen in Mailand und Paris verinnerlicht hat. Die Harmonik und Rhythmik dabei ließen auch die Zuhörer manche Lieder neu entdecken. Zwölf Improvisationen waren es insgesamt, die Amann kompakt gebündelt hatte.

Die gute erste Hälfte des Abends widmete sich der junge Organist allerdings Johann Sebastian Bach: Hineingepackt hatte er beispielsweise „Puer natus est“ (BWV 603), das eher ruhig und langsam gespielt wurde und so dem wiegenden Kindlein, das darin angesprochen wird, gerecht wurde. Ebenfalls ein Ohrenschmaus wurden 1. und 2. Satz der Triosonate G-Dur (BWV 530): So leicht sie auch klingen mag, so schwer ist sie aber auch zu spielen, da sich drei Stimmen völlig eigenständig bewegen und das alles einem Trio-Streichensemble ähnelt.

Eine besondere Herausforderung war zweifelsohne auch Bachs Fantasie und Fuge in g-moll (BWV 542): Die Fantasie ist geprägt von origineller Harmonik, der Amann auf den Tasten besonderen Glanz verleiht. Bei der Fuge war ein enormes Maß an Vitalität hörbar, mit bedingt auch durch den brillanten Pedalpart des Werkes.

Neben weiteren Werken von Bach wie den Choralvorspielen „In dulci Jubilo“ (BWV 608) und „Wachet auf ruft uns die Stimme“ (BWV 645) stand auch Léon Boëllmann „Prière à Notre-Dame“ aus dessen Suite "Gothique" auf dem Programm. Das schwelgend-romantisch vorgetragene Werk wurde zu einem ganz besonderen Klangerlebnis.

Beeindruckendes steuerte Amann auch von Jehan Alain bei: Dessen wohl bekanntestes Orgelwerk „Litanies“ spiegelt eine typische Litanei in der Kirche wider, entsprechend wiederholten sich Melodie und Harmonik ständig und gingen ins Gehör der Zuhörer. Zum Schluss bekam Amann langen und begeisterten Applaus für ein Orgelkonzert, dessen hohe Qualität zweifelsohne nicht alltäglich in Weiden ist.

Mit einem grandiosen Orgelkonzert begeistert der Windischeschenbacher Lars Amann in der Kirche St. Josef.

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