13.03.2019 - 17:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Laster raus aus der Sedanstraße

Auto- und Radfahrer sowie Fußgänger sollen sich die Sedanstraße gleichberechtigt teilen. Dazu sind die Verkehrsflächen neu aufzuteilen, möglichst schnell und einfach – noch bevor die Stadtgalerie im September öffnet.

Das wird auf Widerstand stoßen: Die Parkstreiden in der Sedanstraße werden bei der Neuaufteilung der Verkehrsflächen wohl aufgelöst.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Gleiches Recht für alle. Das ist die Devise, die Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel vorgibt: Auto- und Radfahrer sowie Fußgänger sollen sich die Sedanstraße gleichberechtigt teilen. Dazu sind die Verkehrsflächen neu aufzuteilen, möglichst schnell und einfach. Das ist auch der eindeutige Wille des Sonderausschusses Innenstadtentwicklung, der am Dienstag die Marschroute festlegte.

Damit noch vor der Eröffnung der Stadtgalerie diese Neuaufteilung der Verkehrsflächen erfolgen kann - und sich die Verkehrsteilnehmer auch daran gewöhnen -, sollen einfache Markierungen genügen, die das neue Konzept für den Ausbau übernehmen. Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, dürfen, die "Maler" zumindest kräftig in den Farbtopf greifen, (knallig-gelber Mittelstreifen). Dann folgt ein neues Verkehrsgutachten, das die Veränderungen berücksichtigt, sowie im dritten Schritt der entsprechende Umbau des Bereichs zwischen Einmündung der Bürgermeister-Prechtl-Straße sowie Stadtmühlweg. Die gesammelten Erfahrungen wiederum sollen Grundlage für den Gestaltungswettbewerbs "Innenstadt West" sein.

Sedanstraße abstufen

Allerdings ist davor noch ein Problem zu lösen: Der Durchgangsverkehr muss raus. Was aber schwierig ist, denn als Staatsstraße ist die Sedanstraße dem "überörtlichen Verkehr" gewidmet. Eine "Zonendarstellung" (Tempo 20 oder zumindest Tempo 30) lasse sich nicht darstellen, gibt Seidel zu bedenken. Allenfalls eine "abschnittsweise Temporeduzierung" auf 30 km/h lasse sich aufgrund der Notwendigkeit begründen.

Ein Umdenken forderte OB Kurt Seggewiß. "Wir wollen weniger Durchgangsverkehr in der Innenstadt, dazu gehört die neue Tangente im Osten." Zugleich regte er an, dass das Staatliche Bauamt die Sedanstraße herabstufen solle. "Die Funktionen von Straßen verändern sich." Die Sedanstraße könne die einer Staatsstraße nicht mehr erfüllen. "Wir schicken da keinen Lkw, keine 40-Tonner durch, der von Cham kommt und nach Forchheim will."

Alles steht im Zeichen der "weichen Separation", die der Stadtrat übrigens schon 2012 aufgrund eines Verkehrsgutachtens, dessen Daten im Jahr 2010 gründen, beschlossen hat. An die Umsetzung hat sich der Stadtrat aber nicht gewagt.

Ihre Wünsche äußerte Gisela Helgath (Grüne), nämlich ein halbes Jahr Testlauf mit einer "total gesperrten Sedanstraße". Dies schaffe eine hohe Aufenthaltsqualität im NOC-Umfeld und wäre ganz nach dem Geschmack der Fußgänger: "Denn die kommen in die Läden, kaufen ein. Die Autofahrer fahren nur durch."

Autofahrer nicht vergessen

Keine Begeisterung löste das dritte Gutachten aus, das vor kurzem in Auftrag gegeben wurde, bei Hans Blum (CSU) aus. "Was machen wir, wenn es zu einem anderen Ergebnis kommt?" Denn alle Überlegungen fußten auf den Gutachten von Dr. Reinhold Bayer, der die "weiche Separation" vorgeschlagen hatte. Weiden lebe von den Gästen, die mit dem Auto kommen. "Wir brauchen eine Verkehrsführung, in der a der Autofahrer sein Recht hat und nicht nur die anderen."

Die Innenstadt und Parkplätze müssten leicht erreichbar bleiben, meint Alois Lukas (CSU). Die Mehrheit der NOC-Kunden komme mit dem Auto in die Stadt. Deshalb habe NOC-Investor Fondara ja auch das große Parkdeck gebaut. Die möglichst schnelle Umsetzung der "weichen Separation" mahnte CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch an. "Was aufgemalt ist, ist noch betoniert." Überrascht von der Diskussion zeigte sich Hildegard Ziegler (SPD). Schließlich sei alles seit einem Jahr vom Stadtrat entschieden ("übrigens mit 35:1").

Als Pessimist outete sich Stefan Rank (Bürgerliste). Die vielgepriesene weiche Separation werde in der Sedanstraße "mit Sicherheit nie funktionieren". Der Verkehrsfluss werde in seiner Leistungsfähigkeit halbiert. Die Autofahrer suchten sich ihre Wege, überfluteten Nebenstraßen. Zugleich bedauerte Rank, dass während der Zeit, als die Sedanstraße wegen Kanalbauarbeiten total gesperrt war, keine Daten über das Verkehrsgeschehen in der Innenstadt erhoben wurden.

Auch auf Innenstadt-Plänen wird die Größe von Stadtgalerie und Parkdeck deutlich.
Info:

Effekte sorgsam überprüfen

Auf Nummer sicher geht Baudezenent Oliver Seidel bei der „weichen Separation“ der Verkehre in der Sedanstraße. Er will zunächst die Neuaufteilung der Verkehrsflächen nur durch Markierungsarbeiten sichtbar machen und die erreichten Effekte sorgsam überprüfen, bevor im Rahmen des Umgestaltungsprogramms Innenstadt West dann auch die Bauarbeiten starten. Kritik kam von Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. Sie meinte, durch die „Malerarbeiten“ werde die Innenstadt nicht attraktiver. Vielmehr sollte man sich schnell von Provisorien verabschieden und den Straßenraum umbauen.

Info:

Wildenauer: Ampeln
zeitgleich schalten

Wenn schon nicht verkehrsfrei, so doch verkehrsberuhigt, will auch Reinhold Wildenauer die Sedanstraße in der Zukunft sehen. Er setzt dabei auf den ÖPVN, der die Verkehrsbelastung reduzieren kann, und mutet den „Busfahrern“ kleine Fußmärsche von den Haltestellen und dem Zentralen Omnibus-Bahnhof zu den Läden in der Innenstadt und NOC zu. Gleichzeitig will er den Autofahrern „einen gewissen Verkehrsfluss“ garantieren. Und deshalb, so die Überlegung des FDP/Bürgerlisten-Stadtrats, spielten die Verkehrsampeln weiter eine zentrale Rolle. Sie können, da künftig entlang der Dr.-Pfleger- und Sedanstraße „zeitgleich“ geschaltet, für eine sichere „grüne Welle“ für die Autos sorgen. Da diese Welle bis zu zwei Minuten andauern könne, würden die Fahrzeuge „gut durchkommen“. In der übrigen Zeit seien die Fußgänger bevorrechtigt.

Während OB Kurt Seggewiß von einer interessanten Anregung sprach, unterstützte Wildenauers Fraktionskollege Stefan Rank den Vorschlag. Er betonte: "Ohne intelligente Ampelregelung sehe ich keine Sinnhaftigkeit einer weichen Separation.“

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.