08.02.2019 - 18:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Die Lebensqualität ist hier viel besser als in Berlin"

Jahrelang wohnte Andreas Fröhlich in Berlin, seit 2016 lebt er aber in Weiden. In der Serie "Zugroast" spricht er von vielen Vorteilen der Oberpfalz gegenüber der deutschen Hauptstadt. Nur eines fehlt ihm in der Region.

Andreas Fröhlich (54) stammt ursprünglich aus Kaiserslautern, lebte jahrelang in Berlin und wohnt jetzt in Weiden.
von Julian Trager Kontakt Profil

Andreas Fröhlich (54) stammt aus Kaiserslautern, wohnte lange in Berlin und lebt seit Herbst 2016 in Weiden. Dort arbeitet er als Lehrer am Augustinus-Gymnasium. Von seiner neuen Heimat ist er völlig begeistert. Er schwärmt von offenen Leuten, unkomplizierten Behörden, und Milchtankstellen. Nur eines fehlt ihm in der Region.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Andreas Fröhlich: Kann ich nicht bestätigen, ich habe noch niemanden getroffen, bei dem das zutreffen würde. Bei Berlinern ist das vielleicht eher so, die sind frech und kurz gebunden. Hier kann ich das nicht nachvollziehen. Hier kommt man morgens beim Brötchenholen mit den Leuten ins Gespräch. Die Menschen sind unglaublich offen. Wenn ich mit meinem Auto mit dem Berliner Kennzeichen in der Weidener Innenstadt bin, sprechen mich viele Leute an und wollen mir helfen – weil sie glauben, ich habe mich verfahren.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich dachte es wäre bayerischer, ich hatte eher so etwas wie Oberbayern im Kopf. Auch vom Dialekt her. Das Oberpfälzische ist eine ganz eigene Art Bayerisch, ich hatte da auch etwas anderes im Kopf. Außerdem dachte ich, dass es hier mehr Wintersport gibt. Trotzdem bin ich begeistert von der Region. Das ist wie Urlaub, andere kommen hier her, um Urlaub zu machen, sich zu erholen.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Nach Kaiserslautern geht’s sicher nicht mehr, nach Berlin maximal im Zusammenhang mit dem Job. Obwohl wir dort noch eine Wohnung haben, zieht es mich dort eigentlich nicht mehr hin. Ich sehe meine Zukunft tatsächlich eher hier – ich lasse mich einbürgern. Mir gefällt es hier sehr gut. Eine Anekdote: Motorradfahren ist mein Hobby, dem ich in der Stadt nicht nachgehen konnte, zu gefährlich. Hier habe ich wieder angefangen. 10 vor 12 Uhr bin ich zur Zulassungsstelle, wollte mich informieren. Ich fragte, wann ich mein Motorrad anmelden kann. Jetzt gleich, kam als Antwort. Ich: Aber es ist doch 10 vor 12 Uhr. Ist Zeit genug, kam als Antwort. Kurz vor 12 Uhr war alles fertig. Das kann man sich in Berlin nicht vorstellen, das dauert da ewig. Was ich auch toll finde: Die Automaten, bei denen man Milch, Fleisch und Wurst kaufen kann. Die Versorgungslage ist gut, obwohl die Geschäfte früher schließen als in Großsstädten. Die Lebensqualität und natürlich die Natur sind hier viel besser als in Berlin. Die Kehrseite: Kulturell schwächelt die Region, es könnte zum Beispiel mehr Kino geben. Nach Berlin fahre ich einmal im Monat – fürs Kulturelle.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Die kommen total oft in die Oberpfalz, auch um Urlaub zu machen. Manche sehen wir hier öfter als in Berlin. Das ist schon kurios. Ich zeige ihnen die pitoreske Altstadt, Falkenberg und die Natur, das Waldnaabtal, die Sauerbachhütte und die Silberhütte sind toll. Die Gedenkstätte in Flossenbürg natürlich, auch das niedliche Knopfmuseum in Bärnau. Bei den Männern kommen immer die Zoiglstuben gut an.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihm nach Feierabend ein Bier trinken?

Ich verstehe alle, selbst wenn sie Slang reden. Nur manche arg typische Begriffe nicht, die Pluralform von Mädchen – Moila – habe ich lange nicht verstanden.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Das würde ich mich nicht trauen. Ich versuche mich zu integrieren.

Alle Teile zur Serie

Serie: Zugroast:

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, aus dem Ruhrpott oder aus Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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