Was hat es mit Alltagsrassismus auf sich? Wie entsteht er? Wie reagiert man darauf? Journalist und Buchautor Hasnain Kazim sowie weitere Podiumsteilnehmer aus Weiden hatten bei der Volkshochschule Weiden-Neustadt in Kooperation mit A.R.T Weiden einiges dazu zu sagen. Gefördert wurde die Veranstaltung durch „Neustadt lebt Demokratie“ und „Weiden ist tolerant“.
Die erste Hälfte des Abends gehörte Hasnain Kazim. Der langjährige Spiegel-Korrespondent in Istanbul und Wien wurde als Sohn indisch-pakistanischer Eltern 1974 geboren. Er berichtete anschaulich anhand verschiedener Ereignisse – Anschläge auf die Bewohner des „Sonnenblumenhauses“ in Rostock-Lichtenhagen Anfang der 90er, Aufkommen des Internets und stärke Präsenz in der Öffentlichkeit als Journalist, Sarrazin-Debatte 2010, Flüchtlingsthematik 2015 sowie Einzug der AfD in den Bundestag 2017 – wie auch Hassbotschaften ihm gegenüber aggressiver und unverhohlener wurde. Publizistisch schlug sich dies schließlich in seinem Buch „Post von Karlheinz“ nieder, in dem Kazim 52 entsprechende Mailwechsel mit Anfeindungen und Beschimpfungen niederschrieb. „Man kann sagen: Ich habe aus Scheiße Geld gemacht!“, bekannte der Autor, der auch für seinen stark satirischen Einschlag bekannt ist.
Die Podiumsrunde wurde ergänzt durch Sema Tasali-Stoll, Naima Mohamed Omar und Enikö Nagy. Moderiert wurde das Gespräch von Arno Speiser von „Neustadt lebt Demokratie“ sowie Tanja Fichtner, Pädagogische Leiterin der Volkshochschule Weiden-Neustadt. Naima Mohamed Omar hat verschiedene Formen des Alltagsrassismus in Weiden erlebt – so sei sie beispielsweise bespuckt worden, als sie mit dem Fahrrad fuhr. In einem Kleidungsgeschäft habe eine Verkäuferin ihr die ausgesuchte Jacke abgenommen, da man einer dunkelhäutigen Frau, so empfand sie es, nicht zugetraut habe, dass sie sich das leisten könne. Enikö Nagy betonte, dass sie in Deutschland keinen „offenen Rassismus“ persönlich erlebt habe. Das sei zweifellos auch mit dadurch bedingt, dass sie eben nicht „ausländisch“ ausschaue. Sich selbst bezeichnet sie als „Ungarin, die in Rumänien geboren wurde und in Deutschland aufgewachsen ist“. Sie bemängelte, dass das Wort „Ausländer“ in Deutschland oftmals immer noch mit bestimmten negativen Interpretationen verbunden sei. „In vielen anderen Ländern bedeutet es etwas Buntes und Positives“, so Nagy.
Sema Tasali-Stoll verwies darauf, dass es immer wieder „Schubladen“ gebe, in die man als Mensch mit Migrationshintergrund gesteckt werde. „Und das, obwohl Deutschland ein Einwanderungsland ist und über 25 Prozent der Bewohner einen Migrationshintergrund haben“, so Tasali-Stoll. Naima Mohamed Omar appellierte, dass man statt alltagsrassistischer Bemerkungen oder Aktionen doch auch zulassen sollte, sein Gegenüber kennenzulernen. Ein abschließender wichtiger Impuls kam aus dem Kreis der Zuhörer: Wichtig sei es, zwischen aktiven und passiven Rassismus zu unterscheiden. „Das passive Hinnehmen ist das größte Problem“, so die treffende Feststellung.













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