Weiden in der Oberpfalz
21.11.2025 - 09:40 Uhr
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Letzte Stolperstein-Verlegung für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Weiden

In den letzten drei Jahren wurden insgesamt 62 Stolpersteine für ermordete jüdische Mitbürger an 24 Standorten in Weiden verlegt. Die Staatliche Wirtschaftsschule umrahmt die Gedenkfeier der Verlegung der letzten 14 Stolpersteine.

Stellten den Ablauf der letzten Stolpersteine-Aktion in Weiden vor (von links): Werner Friedmann und Pfarrer Alfons Forster von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Sebastian Schott vom Stadtarchiv Weiden und Ursula Soderer sowie Schülerinnen der Staatlichen Wirtschaftsschule (hinten). Bild: Kunz
Stellten den Ablauf der letzten Stolpersteine-Aktion in Weiden vor (von links): Werner Friedmann und Pfarrer Alfons Forster von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Sebastian Schott vom Stadtarchiv Weiden und Ursula Soderer sowie Schülerinnen der Staatlichen Wirtschaftsschule (hinten).

Am Donnerstag, 27. November, um 11 Uhr wird in Weiden ein weiteres Kapitel der Erinnerungskultur aufgeschlagen: Die letzten Stolpersteine werden verlegt. Im Kulturzentrum Hans Bauer erläuterten die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sowie das Amt für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus, warum dieses Projekt nach drei intensiven Jahren seinen Abschluss findet.

Seit 2022 wurden 62 Stolpersteine an 24 Orten in der Stadt verlegt – jeder einzelne ein stilles Mahnmal, begleitet von zahlreichen Schulklassen, die sich aktiv mit den Schicksalen der Opfer auseinandersetzten. Wie Sebastian Schott vom Stadtarchiv berichtete, wurde der Blick bewusst weit gefasst: In die Recherche flossen auch die Lebenswege jener Menschen ein, die in Weiden geboren wurden, später jedoch anderswo den nationalsozialistischen Verbrechen zum Opfer fielen.

Verlegung ohne Angehörige

Die letzte Verlegung der Stolpersteine beginnt in der Bahnhofsstraße 11. Dort wohnte Klara Thomé, deren Schicksal im Mittelpunkt steht. Sie war eine der wenigen jüdischen Frauen in Weiden, die in einer Mischehe lebten. Nach der Scheidung von ihrem nichtjüdischen Ehemann, einem Bankier, verlor sie den begrenzten Schutz, den solche Ehen teilweise boten. 1942 deportierte man sie nach Theresienstadt; später kam sie nach Auschwitz, wo sie 1944 ermordet wurde.

Die Schülerinnen der Staatlichen Wirtschaftsschule Kim Jenke, Mia Höcht und Lina Bernhard bereiten unter Leitung ihrer Lehrerinnen Ursula Soderer und Theaterpädagogin Sabine Lettl eine szenische Darstellung von Thomés Leben vor. Diese wird direkt am ehemaligen Wohnort von Klara Thomé aufgeführt. In diesem Jahr reisen keine Angehörigen der Opfer zur Verlegung an, da keine Kontakte mehr bestehen oder Verwandte verstorben beziehungsweise zu alt für eine Reise sind.

Steine markieren Schicksale

Neben dem Stein für Klara Thomé werden am Donnerstag 13 weitere Stolpersteine an jenen Orten verlegt, an denen die ermordeten jüdischen Bürger Weidens einst lebten. Jeder dieser Orte steht für ein persönliches Schicksal.

In der Sedanstraße 2 erinnern neue Steine an Emma Grünebaum, die 1943 in Theresienstadt ermordet wurde, und an Frieda Katzenstein, die dort bereits 1942 ums Leben kam. Nur wenige Straßen weiter, in der Naabstraße 8, wohnte Hedwig Bloch, die 1942 ebenfalls in Theresienstadt den Nationalsozialisten zum Opfer fiel.

An der Ringstraße 14 wird künftig ein Stein für Ludwig Bloch liegen, der 1941 im Fort IX von Kowno/Kaunas erschossen wurde. Vor der Wöhrtstraße 12 erinnern neue Steine an Max und Regine Goldschmidt, die 1941 im Ghetto Riga ermordet wurden.

Auch in der Türlgasse 2 werden zwei Stolpersteine verlegt: Sie erinnern an Edgar und Lina Gutmann, die 1942 im Ghetto Piaski ums Leben kamen. In der Max-Reger-Straße 2a wird ein Stein für Luise Maienthau gesetzt, die 1944 in Auschwitz ermordet wurde; in der Max-Reger-Straße 11 erinnert ein weiterer an Johanna Kohn, die 1941 im Fort IX von Kowno/Kaunas starb.

Den Abschluss bilden die Verlegungen in der Moltkestraße 8: Hier entstehen die Steine für Josef und Hilda Lamm, die 1942 im Transitghetto Krasnystaw ermordet wurden, sowie für Edith Loewy, die im selben Jahr im Ghetto Piaski ums Leben kam.

Eine kurze Einführung in der kleinen Anlage neben dem Sparkassengebäude wird die Veranstaltung begleiten, die musikalisch untermalt wird. Für Pfarrer Alfons Forster und Sebastian Schott bedeutet die abschließende Verlegung zwar das Ende der Stolpersteinarbeit, aber längst nicht das Ende der Erinnerung. Die Stolpersteine bleiben als sichtbare Zeichen im Stadtbild verankert. Die Auseinandersetzung mit den Schicksalen der Weidener Opfer bleibt eine Aufgabe für kommende Generationen. Drei Mitglieder der „Omas gegen Rechts“-Gruppe hätten sich um die Pflege der Gedenksteine gekümmert, so Forster.

Hintergrund:

Stolpersteine in Weiden

  • Stolpersteine erinnern an die Opfer der NS-Zeit (www.stolpersteine.eu). Die Gedenksteine aus Messing werden vor ihrem letzten Wohnort ins Trottoir eingelassen.
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