Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.
Seit mehr als drei Jahrzehnten steht „Lichtblicke“ nun für unmittelbare, menschliche Hilfe in der Nordoberpfalz. Was 1994 bei Oberpfalz-Medien, damals noch Medienhaus Der neue Tag, als journalistische Initiative begann, ist mittlerweile zu einer der wichtigsten regionalen Hilfsaktionen geworden. Sie ist getragen von großer Solidarität, ehrenamtlichem Engagement und tiefer Verbundenheit mit den Menschen vor Ort.
Ein Ursprung aus Mitgefühl
Die Idee für „Lichtblicke“ entstand, als Redakteure um den damaligen Neustädter Ressortleiter Martin Staffe erkannten, dass es in der Region zahlreiche Menschen gibt, die trotz ihrer Not keine Unterstützung von offiziellen Stellen erhalten.
Staffe erinnert sich noch an die Initialzündung: „Da war 1994 diese Anruferin aus Luhe ...“ Sie klagte den Redakteuren ihr Leid: Weihnachten stand vor der Tür, der Mann hatte seine Arbeit verloren, der Heizöltank war fast leer und Geschenke für die Kinder würden flachfallen. „Das hatte uns damals etwas ratlos zurückgelassen. Eine Rückfrage beim Sozialamt hatte bestätigt, dass die Frau wirklich Hilfe nötig hatte, weil der Staat nicht einspringt, wenn die Einkommensgrenzen auch nur ganz knapp übertroffen werden“, erinnert sich Staffe. „Und vor allem haben wir bald gemerkt, dass die Luherin kein Einzelfall war.“
Zusammen mit dem Kollegen Richard Habberger hob daher Staffe die „Lichtblicke“ aus der Taufe. Unter dem Motto „Leser helfen Lesern“ sollte unkomplizierte Hilfe ermöglicht werden – schnell, anonym und zielgerichtet. Als Schirmherrin des Projekts engagierte sich über viele Jahre hinweg Elisabeth Wittmann, die Frau des früheren Landrats. Den Namen „Lichtblicke“ prägte ursprünglich Redakteur Wolfgang Benkhardt, während Designer Lutz Zettler ein Logo mit einer stilisierten Kerze entwarf – ein Symbol für Wärme, Hoffnung und Menschlichkeit.
Das Besondere am Konzept
Bis heute gilt für die „Lichtblicke“ ein zentraler Grundsatz: Kein Cent der Spendengelder geht verloren. Alle Beteiligten arbeiten vollständig ehrenamtlich. Jede Spende kommt unmittelbar den Menschen zugute, die Unterstützung am dringendsten brauchen – stets diskret und nach sorgfältiger Prüfung. „Lichtblicke“ hilft erst dann, wenn andere Quellen ausgeschöpft sind. Unterstützt werden vor allem kinderreiche Familien, alleinerziehende Eltern sowie ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger. Zudem hilft die Aktion auch Menschen mit Behinderung, kranken Kindern, Unfallopfern oder sozialen Einrichtungen.
Ziel ist es stets, die Betroffenen zu befähigen, ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen zu können – mittels geprüfter Rechnungen, Zuschüsse oder Gutscheine.
Vom Zeitungsprojekt zum Verein
Nach 27 Jahren wurde die Aktion 2021 organisatorisch neu aufgestellt: Aus dem Redaktionsprojekt wurde ein eigenständiger Verein, Lichtblicke e.V., um die Vorsitzende und geschäftsführende Verlegerin von Oberpfalz-Medien, Viola Vogelsang-Reichl. Und auch „Lichtblicke“-Initiator Martin Staffe steht dem Projekt weiter zur Seite, heute als stellvertretender Vereinsvorsitzender.
Gemeinsam mit seinen engagierten Partnern, dem Caritasverband für die Stadt Weiden und den Landkreis Neustadt sowie der Diakonie Weiden, führt der Verein die vor mehr als drei Jahrzehnten begonnene Mission fort: Spenden werden gesammelt, Anträge geprüft, Bedarfe bewertet und konkrete Hilfen auf den Weg gebracht – diskret, verantwortungsvoll und eng vernetzt.
Eine Region zeigt Herz
Dass „Lichtblicke“ zu einer echten Institution geworden ist, verdankt die Aktion vor allem den Menschen der Region: Belegschaften sammeln bei Betriebsfeiern, Hausfrauen basteln für den guten Zweck, Künstler geben Benefizkonzerte, Unternehmen spenden großzügig. Die Kreativität kennt keine Grenzen – und macht möglich, dass bislang rund 2,9 Millionen Euro an Menschen in Not weitergegeben wurden. „Rund 90 Familien oder Alleinstehenden konnten wir allein im Jahr 2025 helfen. Und dabei haben uns 343 Personen, Leser, Firmen, Vereine, Schulen und Gruppen mit ihren Spenden unterstützt“, bilanziert Viola Vogelsang-Reichl.
So läuft das mit der Unterstützung
Und so funktioniert das „System Lichtblicke“: An Anfang steht das Einreichen einer Anfrage – Betroffene oder Angehörige wenden sich an die beteiligten Partnerorganisationen. In der Folge werden die Umstände dann von den Fachstellen geprüft – Caritas, Diakonie oder das zuständige Landratsamt in Tirschenreuth (hier läuft die Aktion eigenständig) bewerten die Situation und den Bedarf.
Ist dann eine positive Entscheidung gefallen, kommt die Hilfe genau dort an, wo sie gebraucht wird. Dabei geht es um konkrete Unterstützung: Rechnungen werden übernommen, Sachleistungen organisiert oder Gutscheine ausgegeben.
Das ist vielleicht eine neue Brille für eine Seniorin, die Übernahme einer größeren Heizkosten-Nachzahlung oder ein dringend benötigtes neues Haushaltsgerät, erzählt die Vereinsvorsitzende Viola Vogelsang-Reichl. Auch für verschiedene Aktionen wie die Alleinstehenden-Weihnacht in Weiden oder das „magische Projekt“ zur Jugendsozialarbeit leisten die „Lichtblicke“ einen Beitrag.
Mehr als Hilfe – ein Zeichen der Gemeinschaft
„Lichtblicke“ ist weit mehr als eine Spendenaktion. Sie ist ein Zeichen dafür, wie Menschen in der Oberpfalz zusammenstehen, füreinander einstehen und Hoffnung schenken. Die Aktion zeigt, wie viel bewegt werden kann, wenn eine Region zusammenhält – leise, unaufdringlich, aber nachhaltig und wirksam.














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