10.08.2018 - 10:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lieber anziehen, statt ausziehen

Einen starken Anstieg der Hautkrebs-Fälle in Bayern konstatiert die Kaufmännische Krankenkasse: Von 2006 bis 2016 plus 112 Prozent beim schwarzen Hautkrebs, plus 142 Prozent beim weißen. "Trotzdem gibt es immer noch Menschen, die diese Krankheit nicht ernst nehmen", bedauert Dr. Christine Pausch.

Immer mehr Menschen sind von Hautkrebs betroffen. Das muss leider auch Dr. Christine Pausch bestätigen. Sie rät deshalb dringend, sich vor UV-Strahlen zu schützen.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

(ps) Dabei kann sie die traurige Trendmeldung der Krankenkasse nur bestätigen. "Diesen Anstieg bemerken wir schon seit gut zehn Jahren", erklärt sie im Interview mit Oberpfalz-Medien.

ONETZ: Gibt es konkrete Zahlen für den Raum Weiden?

Dr. Christine Pausch: Für so ein kleines Gebiet leider nicht. Aber wir arbeiten mit dem Hautkrebs-Register an der Universitätsklinik Regensburg zusammen. Die Daten werden dann im Tumorregister für Deutschland gesammelt. Bei Verdacht auf ein Melanom überweisen wir den Patienten direkt nach Regensburg. Ein zweifelhaftes Muttermal schneiden wir großzügig heraus und schicken es zur Auswertung an die Uni-Klinik. Wenn es sich um ein Melanom handelt, wird der Fall dort registriert. Alle Hautärzte sind angehalten, Melanome zu melden.

ONETZ: Wie steht es mit den bundesweiten Zahlen?

Dr. Pausch: Immerhin 21000 Menschen erkranken pro Jahr am sogenannten schwarzen Hautkrebs. Etwa 10000 Frauen und 11000 Männer. Dazu kommen jedes Jahr rund 9000 Patienten, die an einer Frühform erkrankt sind. Frühformen sind Melanomata in situ, sogenannte Vorstufen des Melanoms. Dazu kommen rund 180000 Basaliome jährlich, besser bekannt als weißer Hautkrebs.

ONETZ: Der weiße Hautkrebs gilt ja allgemein als weniger gefährlich.

Dr. Pausch: Mediziner bezeichnen ihn als halb-bösartig. Es gibt zwei Arten des weißen Hautkrebses: Zum einen Basaliome beziehungsweise Basalzellkarzinome. Sie setzen in der Regel keine Metastasen. Zum anderen die selteneren Plattenepithelkarzinome. Sie können Metastasen setzen. Aber: Basaliome können in die Tiefe wachsen, somit in Knorpel und Kochen eindringen, obwohl sie keine Metastasen setzen. Das kann im Verlauf von zehn Jahren durchaus böse Folgen haben. Ich habe da einige Fotos, die zeige ich Menschen, wenn ich den Eindruck habe, dass sie meine Warnung nicht ernst genug nehmen.

ONETZ: Wie steht es denn um die Heilungschancen?

Dr. Pausch: Wenn das Melanom frühzeitig entdeckt wird, liegt die Heilungschance fast bei 100 Prozent. Das hängt von der Eindringtiefe ab. Melanome in der obersten Hautschicht, sogenannte Melanomata in situ, setzen keine Metastasen. Wenn aber die Eindringtiefe des Melanoms einen Millimeter überschreitet, kann es gefährlich werden. Je tiefer die Eindringtiefe, desto größer das Metastasierungsrisiko. Wir sehen in der Praxis täglich etwa 2 bis 3 neue Patienten mit weißem Hautkrebs, neue Melanome etwa 1 bis 2 im Monat.

ONETZ: Dass die Hautkrebsfälle in den vergangenen Jahren gestiegen sind, steht fest. Aber worauf führen Sie diesen Anstieg zurück?

Dr. Pausch: Unser Freizeitverhalten spielt sicher eine Rolle. Südländer wie Türken und Griechen ziehen sich in der Sonne an, wir Deutschen ziehen uns bei schönem Wetter gerne aus. Die meisten Menschen sagen, mir macht die Sonne nichts aus. Aber die Schäden machen sich eben erst im Laufe der Zeit bemerkbar. Melanome treten meist erst in der Altersspanne zwischen 45 und 60 Jahren auf. Inzwischen wächst aber die Zahl der jüngeren Patienten.

ONETZ: Was sind - neben der UV-Strahlung - die größten Risikofaktoren?

Dr. Pausch: Es gibt auch eine genetische Disposition. Wir kennen Familien, in denen Vater, Tochter und der Onkel betroffen sind. Zu den Gefahren zählen außerdem Sonnenbrände in der Kindheit. Vor 50 Jahren hat noch niemand so recht auf Sonnenschutz geachtet. Sogenannte Lichtschäden sind die Vorstufe zum Hautkrebs. Kassen empfehlen deshalb alle zwei Jahre einen Hautcheck, um diese Fragen umfassend abzuklären.

ONETZ: Wir erleben ja gerade eine langanhaltende Hitzewelle. Wie schützt man sich da am besten gegen vor Hautkrebs?

Dr. Pausch: Wir empfehlen Produkte, die sowohl vor UVA- als auch vor UVB-Strahlung schützen. Außerdem sollte man den höchsten Lichtschutzfaktor 50 wählen, und die Haut immer gut eincremen. Auch die Textilindustrie hat sich längst darauf eingestellt: Es gibt Kleidung mit UV-Schutz für Babys, Sportler, überhaupt für den Freizeitbereich. Natürlich schützen auch ein Hut oder eine lange, dünne Hose im Sommer. Wichtig ist es außerdem, die Ohren und die Lippen zu schützen. Das wird oft vergessen.

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