10.06.2019 - 12:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lions-Club Weiden übergibt 140 000 Euro an Kinderkrebsklinik

Die Regensburger Klinikchefs dürfen sich über einen beachtlichen Scheck freuen. Die Spendenübergabe war nur einer der Höhepunkte zum 50-jährigen Jubiläum des Weidener Lions-Clubs. Auch der Festvortrag lässt aufhorchen.

140 000 Euro fließen in die Kinderkrebsklinik Regensburg. Über den Scheck freuen sich (von links) Wolfgang Debler (Lions Distrikt-Governor 111 Bayern-Ost), Professor Torsten Reichert (Dekan der Fakultät für Medizin), Frank Wohl (Präsident des Lions-Clubs Weiden), Professor Christoph Benz (Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer), Susanne Horn (Kuno-Stiftung), Kurt Hannuth und Elmar Baumer (Lions-Hilfswerk).
von FSBProfil

“We serve − wir dienen“ ist das Motto des Lions-Club Weiden, der in einem Festakt im Gustav-von-Schlör-Saal in der Max-Reger-Halle das 50. Jubiläum feierlich beging. Eingerahmt von einem Sektempfang und einem Büffet sowie musikalisch untermalt durch das Ensemble „duopoli“ mit Trompete und Saxophon, reihte sich Höhepunkt an Höhepunkt.

Präsident Frank Wohl begrüßte neben Oberbürgermeister Kurt Seggewiß Gäste von zwölf Lions-Clubs, unter anderem Linz, Pilsen City und Praha Hartig, sowie von vier Rotary-Clubs.

Ein Höhepunkt war die Scheckübergabe mit einer beeindruckenden Summe: 140.000 Euro überreichte Präsident Wohl aus der Oberpfälzer Zahnaltgoldsammlung an die Kinderkrebsklinik der Universität Regensburg, Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzellentransplantation. Da Professor Selim Corbacioglu, Leiter der Abteilung, verhindert war und in einer Videobotschaft seinen Dank und seine Glückwünsche übermittelte, nahm für ihn Professor Torsten E. Reichert, Dekan der Fakultät für Medizin, die Spende entgegen. Der Betrag, eine Gemeinschaftsaktion von Lions und Zahnärzten, basiert auf vielen Tausend Einzelspenden. Sie wird, so Reichelt, für den Ausbau eines Kinderkrebsforschungszentrums, einem der dringendsten Anliegen seiner Fakultät, verwendet.

Professor Christoph Benz, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, sprach in seiner Rede stolz von 66 verschiedenen sozial engagierten Strukturen in Deutschland, die Zahnärzte aufgebaut hätten. Allein zehn davon gebe es in Bayern, darunter Frank Wohl mit der Zahngoldaktion.

Festredner des Abends war Josef Kraus, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL) und Träger des Deutschen Sprachpreises 2018. Sein Festvortrag „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ − ein Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein − wurde von Kraus durch den Untertitel „Wie die Deutschen mit ihrer Sprache umgehen (sollten)“ ergänzt. In bewusst überspitzten Formulierungen und mit vielen Wortbeispielen zeigte er auf, wie uns ein Sprachverfall mittels medialer Zwangsernährung eingeflößt werde. Wo Sprache veröde, veröde auch das Denken und das Urteil, vermindere sich die Chance, die eigene Gefühlswelt zu reflektieren und anderen gegenüber zum Ausdruck zu bringen, verschwinde das einzige Instrument zur Konfliktlösung, würden die Menschen immer seltener den Missbrauch in Propaganda und Reklame durchschauen, sagt Kraus. Dazu formulierte der Redner mehrere Thesen.

● „Wir geben den Reichtum unserer Sprache preis, wenn wir sie einer anderen Sprache unterwerfen“: Hier verwies Kraus auf das “Bad Simple English“, einfaches und fehlerhaftes Englisch in Wissenschaft, Geschäftswelt und Kommunikation. Das „Denglisch“, eine Form der deutschen Sprache, gebildet unter starkem Einfluss des Englischen. Und er verwies auf Anglizismen, von denen 7500 in einem Wörterbuch verzeichnet sind. Dabei, so Kraus, könnte man beispielsweise für Airbag durchaus Prallkissen, für Fastfood Schnellkost sagen. Andere Nationen seien weitaus selbstbewusster, wie etwa Frankreich, das gängige Wörter aus dem Englischen verbiete.

● „Wir koppeln uns von den Fortschritten der Wissenschaft ab“: Englisch greife in Forschungseinrichtungen um sich. Das Deutsche spiele in weiten Wissenskreisen keine Rolle mehr, sagte Kraus. Forschungsaufträge deutscher Wissenschaftler dürften nur auf Englisch eingereicht werden. Doch die Nationalsprache zu verwenden, sei eine Frage der Demokratie.

● „Es gibt Sprachdiktate der Political Correctness, Sprach- und Machtmissbrauch“: Dabei werde vorgegeben, welche Wörter verwendet oder vermieden werden sollen. Verpönt seien solche wie etwa Volk, Vaterland, Nationalmannschaft. Die politisch korrekte Sprache werde zu einer Art semantischer Machtergreifung. Wohin man schaue, gebe es Phrasen und Plattitüden. Ein fauler Schüler werde zum demotivierten, ein dummer zum einseitig begabten Schüler.

● „Die Gender-Linguistik vermittelt ein neues Gesellschaftsbild“: Städte wie Hannover setzten sie verpflichtend um. Doch Dreiviertel der Deutschen lehnten diese ‚Verhunzung’ ab. Daher sollte in den Kommunen und Behörden der Widerstand wachsen. Maskuline Wörter würden durch feminine ersetzt, Neugeborene neutrale Namen bekommen, um später selbst entscheiden zu können.

● „Sprache gehört dem Volk“: Im Bildungsbereich müsse Schluss mit muttersprachlichem Minimalismus sein. Deutsch gebe es an Bayerns Schulen nur zu 17 Prozent. Frühenglisch habe sich nicht bewährt. Der Grundwortschatz sei auf 700 Wörter reduziert worden. Kompetenz-Lehrpläne seien Leerpläne. Wie in allen europäischen Ländern gehöre die Muttersprache auch bei uns im Grundgesetz verankert. Abschließend rief Kraus auf, sich nicht sprachlich manipulieren zu lassen.

Anschließend ließ der Lions-Club Weiden in einem Videofilm, den Bastian Braun und Frank Wohl zusammengestellt hatten, die vergangenen 50 Jahre Revue passieren. Der Club wurde am 12. April 1969 gegründet, 1971 folgte das Lions-Hilfswerk Weiden. Seither wurden 2,5 Millionen Euro Spenden ausgeschüttet, davon 643.000 Euro aus der Zahngold-Aktion. Erinnert wurde an die Erdbebenhilfe im Dezember 1980 für San Gregorio Magno, an das Projekt MIR, Dorf des Friedens 1993 bis 1996 vor Split für Kriegsopfer und an das Juni-Hochwasser 2013 in Thüringen.

Greiz' Bürgermeister Alexander Schulze dankte für die damalige Spende von 15.000 Euro für die Betroffenen. Seither habe sich eine Freundschaft zwischen den Städten entwickelt, die am Freitag nun offiziell wurde. Der Lions-Club Greiz überreichte den Weidenern eine Jumelage-Spende über 1000 Euro.

Präsident Frank Wohl und Peter Kniebel, Präsident des Lions-Clubs Greiz, sowie die Jumelage-Beauftragten Harald Märtin und Sven Heisig besiegelten mit ihren Unterschriften, das gegenseitige Verständnis beider Clubs zu wecken, zu vertiefen und zu erhalten.

Übergabe der Jumelage-Spende durch Peter Kniebel (Präsident LC Greiz, rechts) an Frank Wohl (Mitte). Im Hintergrund klatschen OB Kurt Seggewiß und Oliver Koch (Lions Distrikt-Governor für Thüringen und Sachsen-Anhalt).
Lions-Club Präsident Frank Wohl.
Die Jumelage zwischen dem LC Weiden und dem LC Greiz ist besiegelt.
Den Festvortrag zum Jubiläumsabend hielt Josef Kraus, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes.
Professor Torsten E. Reichert, Dekan der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg, dankt für die grandiose Spende.
Das Lions-Maskottchen durfte natürlich nicht fehlen.
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