30.08.2018 - 10:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Lotse durchs Leben

Vor einem Vierteljahr hat die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) ihre Arbeit aufgenommen. Hier finden Menschen mit einer psychischen oder körperlichen Beeinträchtigung Hilfestellung auf Augenhöhe.

Juristin Andrea Wiedel arbeitet seit Mai für das EUTB-Projekt in Weiden. Sie hat für jeden Ratsuchenden ein offenes Ohr.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Eine der Beraterinnen ist die 51-jährige Andrea Wiedel. Ob es sich um einen Antrag auf Blindengeld, eine Information für pflegende Angehörige oder das Gespräch mit einem Arbeitslosen handelt, sie hat hat für jeden Ratsuchenden ein offenes Ohr. Die Weidener Beratungsstelle zählt zu den ersten 120 Einrichtungen, die bisher im Bundesgebiet genehmigt wurden. Insgesamt sind bis zu 500 Fachstellen dieser Art geplant.

ONETZ: Die ersten 100 Tage sind rum. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Andrea Wiedel: Das Angebot wird gut angenommen. Seit Mai hatte ich 22 Beratungsgespräche, am Telefon und persönlich im Büro in der Parksteiner Straße. Wenn der Sachverhalt etwas komplizierter ist, dann ist das persönliche Gespräch oft besser.

ONETZ: Mit welchen Anliegen kommen die Ratsuchenden zu Ihnen?

Andrea Wiedel: Die Bandbreite ist ganz unterschiedlich. Einmal ging es um Hilfe bei der Antragsstellung auf Blindengeld, ein anderes Mal um die Anschaffung eines Laptops für ein behindertes Schulkind oder um Eingliederungshilfe auf persönliche Assistenz, den Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis, eine Entlastung bei der Kinderbetreuung oder Ärger mit dem Jobcenter. Sehr oft sind finanzielle Fragen zu klären. Was das Alter der Klienten angeht, die zu mir kommen, ist alles vertreten, vom Schüler bis zum Rentner.

ONETZ: Und wie können Sie helfen?

Andrea Wiedel: Wir beraten über sozialrechtliche Leistungen und unterstützen bei der Antragsstellung. Menschen mit Behinderung und deren Angehörige unterstützen wir bei der Bewältigung der Behinderung, der Kommunikation und der Gestaltung von Beziehungen, bei Wohnen und Freizeit. Wir klären auf über technische Hilfen, Mobilität, Arbeit und Bildung, Assistenz und Pflege. Darüberhinaus vermitteln wir Menschen an andere Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen. Hier erfüllen wir eine Lotsenfunktion und nutzen das vorhandene Netzwerk. Unser erklärtes Ziel ist es, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

ONETZ: Der Behördendschungel kann ja auch ganz schön frustrierend sein.

Andrea Wiedel: Ja, durchaus. Viele, die mich anrufen, haben zuvor einen Marathonlauf durch die Ämter hinter sich und wissen nicht weiter. Das Sozialrechtssystem ist so komplex, da lerne auch ich als Juristin immer wieder dazu.

ONETZ: Gab´s schon mal Ärger mit Klienten?

Andrea Wiedel: Nein, nicht wirklich. Ich habe es bisher immer geschafft, dass die Leute dankbar mein Büro verlassen. Und manchmal tut es den Menschen einfach nur gut, wenn jemand zuhört. Aufgrund meiner Coachingausbildung kann ich auch bei persönlichen Problmene gut helfen.

ONETZ: Das Angebot zur Teilhabeberatung fußt auf dem sogenannten "Peer-Counseling". Was heißt das konkret?

Andrea Wiedel: Die Peer-Beratung ist eine Beratung auf Augenhöhe. Hier unterstützen und beraten Menschen, die selbst einen Bezug zu Behinderung haben. Wir stehen uns oft auch ohne Worte. Das hebt ein Gespräch auf eine Ebene und schafft Vertrauen.

Info:

Die Bayreutherin Andrea Wiedel (51) bringt für ihre neue Beratungsfunktion bei der EUTB einiges an Lebenserfahrung mit. Sie ist ausgebildete Juristin und Erzieherin. Freiberuflich ist sie als Kommunikationstrainerin und Coach tätig. Davor hat sie zehn Jahre als rechtliche Betreuerin gearbeitet. Ob Wohnungsangelegenheiten, Verbraucherinsolvenzen oder Hartz IV-Fälle, für Wiedel steht immer der Mensch im Mittelpunkt.

Das Büro der EUTB befindet im ARV-Gebäude in der Parksteiner Straße 15. Jeden Dienstag hält Wiedel Sprechstunde. Eine Voranmeldung unter Telefon 0170/4089824 ist zu empfehlen. Weitere EUTB-Beratungsstellen gibt es in Kemnath und Tirschenreuth, ab Oktober auch in Vohenstrauß und Grafenwöhr. Die Beratung ist unabhängig und kostenlos. (shl)

Was ist die EUTB? Hier finden Ratsuchende Hilfe.

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