26.09.2018 - 11:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Lover" verprügelt Ehemann

Zwei Amerikaner liefern sich am Neujahrstag einen Faustkampf am Netzaberg. Der Hintergrund: eine Frau. Der Nebenbuhler, 20 Kilo schwerer und zehn Zentimeter größer als der Ehemann, hatte dabei klar die Oberhand.

Die "Dreier-Beziehung" geht nicht lange gut. Es kommt zu Handgreiflichkeiten und der Nebenbuhler schlägt zu.
von Autor RNSProfil

Vor Gericht war nun allerdings der "Lover" der Verlierer: Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Hubert Windisch verurteilte den gebürtigen Kalifornier wegen gefährlicher Körperverletzung zu 14 Monaten Haft auf Bewährung.

Am 1. Januar trafen sich der Zivilangestellte der US-Army sowie ein amerikanisches Ehepaar in der Netzaberg-Siedlung in Grafenwöhr, um sich auszusprechen. Der 33-Jährige hatte ein Verhältnis mit der Frau des 28-jährigen Soldaten. Dieser stimmte der Beziehung gezwungenermaßen zu und hätte sich mit einer "Dreier-Beziehung" abgefunden. Nach einigen friedlich verlaufenen Stunden und einer Flasche Whisky schlug die Stimmung jedoch plötzlich um.

Der gehörnte Ehemann schlug dem Liebhaber seiner Frau zunächst von hinten auf den Schädel. Der "Lover" ist 20 Kilo schwerer und zehn Zentimeter größer und verprügelte den Soldaten daraufhin übelst. Er schlug mit Fäusten und trat mit Füßen auf den am Boden liegenden 28-Jährigen ein, so dass Professor Peter Betz von der Rechtsmedizin Erlangen potenzielle Lebensgefährlichkeit der Verletzungen attestierte. Das Opfer hatte während der Auseinandersetzung um sein Leben gefürchtet. Ein dreitägiger Krankenhausaufenthalt wegen einer Gehirnerschütterung, der Würgemale am Hals und zahlreicher Prellungen war nötig.

Verteidiger Franz Schlama gab für seinen Mandanten ein Geständnis ab. Er hob hervor, dass der erste Schlag von dem späteren Opfer gekommen sei, worauf sein Mandant "ausgerastet" sei. Der 33-Jährige habe in Folge des Vorfalls Arbeit und Wohnung verloren. Der gebürtige Kalifornier werde in seine Heimat zurückkehren. Er legte eine Bescheinigung vor, dass er dort Arbeit bekommen wird.

Rechtsanwältin Jutta Carrington- Conerly vertrat den verprügelten Ehemann als Nebenkläger. Er ist bereits in die USA zurückgekehrt. Sie zeigte sich "fassungslos" angesichts der Schilderung, die den Soldaten fast zum Täter, statt zum Opfer deklariere. Sie habe den Geschädigten auf Fotos, die seine Verletzungen dokumentierten, fast nicht wieder erkannt. Jutta Carrington-Conerly forderte eine "erheblich empfindlichere" Strafe für den brutalen Täter.

Staatsanwaltschaft Hans- Jürgen Schnappauf ging von einer "aggressiven Grundhaltung" des Geschädigten aus. Die auf den ersten Schlag einsetzende Eskalation sei damit aber auf keinen Fall mehr durch Notwehr gerechtfertigt gewesen. Er forderte 16 Monate, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Rechtsanwalt Schlama wollte neun Monate. Richter Windisch verzichtete im Urteil auf Bewährungsauflagen, da diese, wie Jutta Carrington-Conerly bemerkt hatte, sowieso nur Makulatur seien, wenn der Verurteilte bald in die Staaten abreist.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.