28.10.2019 - 12:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Die lustigsten traurigen Lieder der Welt

Die "Kliffs" wirken erstmal ziemlich unscheinbar. Dann mausern sie sich mit ihrem bittersüßen Indie-Pop zu einer großen Entdeckung in der "Sünde". Denkwürdig: ihr Umgang mit einer Panne.

Keyboards, Schlagzeug, Cello? Gitarre, Schlagzeug, Piano? Oder Bass, Schlagzeug, Keyboards"? Nicht nur in Sachen Arrangement sind Mark Berube, Daniel Schröteler und Kristina Koropecki (von links) wandlungsfähig.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Sehr schön. Das erste Mal in "Weiden in der Oberpfalz", alle Stühle in der "Sünde" sind besetzt, und dahinter drängen sich die Stehenden. Das hätten sie bei Städte-Premieren auch schon ganz anders erlebt, freut sich Mark Berube. Seine musikalische Partnerin Kristina Koropecki stutzt: "Oberpfalz? Gibt es eigentlich auch eine Unterpfalz?"

Zwischen den Songs darf schon mal geschmunzelt werden bei den "Kliffs", überhaupt sind die beiden in Berlin lebenden Kanadier und ihr deutscher Schlagzeuger Daniel Schröteler ausgesprochen freundliche, witzige Gesellen. Das steht ein bisschen im Widerspruch zu den Liedern selbst, diesen oft filigranen, bittersüßen Pop-Kunstwerken mit viel Moll und schweren Themen.

Seine Mutter beschwere sich gerne, dass er immer so traurige Lieder schreibe, verrät der Sänger. Er lässt eines fast durchgängig in Dur folgen: "Sadness is just a phone-call away". "Der lustigste aller traurigen Songs", wie Kristina Koropecki meint. Demnächst zu finden auf dem ersten Album der Band.

Die traurigen Lieder kommen langsam, aber gewaltig. In eineinhalb Stunden mausern sich die "Kliffs" von No-Names zu einer spektakulären "Sünde"-Entdeckung. Das Trio beginnt mit akustischer Gitarre und Cello mit Folk-Pop, bekommt aber bruchlos die Kurve zu tanzbaren Synthie-Hits wie dem Signature-Song "Cliffs", die Berube/Koropecki gleichermaßen im Gänsehaut-Duett vortragen. Möglicherweise gelingt ihnen der lokale Durchbruch just in dem Moment, da da der Tonabnehmer der Gitarre ausfällt. Kein Drama für die "Kliffs" - die nächsten beiden Songs spielen sie eben komplett stromlos, und Mark Berube braucht noch nicht mal ein Mikro, um fantastisch zu klingen. Ein außergewöhnlicher Moment, der das ganze Konzert zu einem sehr besonderen macht.

Der Applaus nach dem Tonausfall ist um so lauter. "Weiden in der Oberpfalz" wäre dann mal erobert. "Kliffs"- diese kleine, unscheinbare Band sollte man besser mal nicht unterschätzen.

"Kliffs" in der "Sünde".
"Kliffs" in der "Sünde".
"Kliffs" in der "Sünde".
"Kliffs" in der" Sünde".
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