22.09.2020 - 17:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Macerata hat neuen Bürgermeister

Weidens italienische Partnerstadt hat einen neuen Rathauschef. Als Außenseiter ins Rennen gegangen, setzte sich der Mitte-Rechts-Kandidat Sandro Parcaroli gleich im ersten Wahlgang durch.

Die Silhouette von Macerata färbt sich politisch neu. Das Blau der Mitte-Rechts-Koalition hat das 20 Jahre lang rot-dominierte Rathaus übertüncht.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Kommt das jemandem bekannt vor? Ein Oberbürgermeister tritt ab, baut aber zuvor einen sozialdemokratischen Kronprinzen mit Rathauserfahrung auf, und die Konkurrenz findet einfach keinen Gegenkandidaten. Dann zieht sie einen Unternehmer aus dem Hut, der gar nicht aus der Stadt kommt. Der holt immer weiter auf.

Diese Bilder gleichen sich 2020 in Weiden und Macerata. Der Unterschied: In Weiden rettet sich der Sozialdemokrat in der Stichwahl knapp über die Ziellinie, in Macerata spült die Wechselstimmung den bürgerlich-konservativen Kandidaten gleich im ersten Wahlgang ins Rathaus.

Sehr schnell klares Rennen

Der lange Zeit als Favorit geltende Narciso Ricotta von der Mitte-Links-Partei PD liegt schon nach den Auszählungen der ersten Wahllokale am Dienstag fast aussichtslos zurück. Er ist in Weiden kein Unbekannter. Der ehemalige Sozialdezernent hielt 2017 im Rathaus eine kluge, vielbeklatschte Rede zu Europa und hatte schnell einen Draht zu Kurt Seggewiß und Jens Meyer.

Letzterer wird nun Sandro Parcaroli kennenlernen, einen 64-jährigen Unternehmer, der von einem breiten konservativen Bündnis unterstützt wurde. Das Enfant Terrible der italienischen Politik, Matteo Salvini, warb persönlich für ihn. Parcaroli ist Elektroingenieur, stammt aus dem Provinzort Camerino in der Provinz Macerata und hat mehrere Geschäfte, darunter Computershops namens "Med Store" und ein Restaurant. Ferner ist er Hauptsponsor der Erstliga-Volleyballer aus Macerata. Als eines seiner Vorbilder nennt er Apple-Gründer Steve Jobs, den er in Kalifornien persönlich kennengelernt hat.

Ein Selfmade-Man in der Politik: Spätestens seit Silvio Berlusconi weiß man, dass Italiener solche Geschichten mögen. Im Gegensatz zu Salvini und Berlusconi schlägt Parcaroli aber bislang nur seriöse und gemäßigte Töne an. Er sei offen für alle, die in der Stadt mitarbeiten wollen.

Dazu könnte erstmals seit 18 Jahren nicht mehr Ulderico Orazi gehören. Der Verbindungsstadtrat zu Weiden kandidierte als Listenführer der gemäßigten Linken des ehemaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi für den Stadtrat. Weil das Wahlrecht vorsieht, dass der Bürgermeister automatisch eine 60-Prozent-Mehrheit im Rat bekommt, könnte es für Orazis kleine Partei ganz eng werden.

550 Stadtratskandidaten

Die Wahlbeteiligung lag mit etwas über 65 Prozent für das politikverdrossene Italien relativ hoch. Das könnte daran liegen, dass so viele Kandidaten wie noch nie zur Auswahl standen. Neben fünf Bürgermeisterbewerbern traten 550 Frauen und Männer auf diversen Listen für den 40-köpfigen Stadtrat an. Wie sich der zusammensetzt wird erst am Mittwoch oder Donnerstag feststehen.

Für die jahrzehntelang in den Marken und in Macerata regierende Sozialdemokratie waren die Kommunal- und Regionalwahlen am Sonntag und Montag so schwer verdaulich wie ranziger Käse auf der Pizza. Ihre Kandidaten kamen beim Rechtsrutsch in der gesamten Region unter die Räder. Das gilt auch für Romano Carancini, den bisherigen Bürgermeister, der für das Regionalparlament kandidierte. Er verpasste um sage und schreibe fünf Stimmen den Einzug zugunsten eines Parteifreunds aus Civitanova, der Nachbarstadt Maceratas. Die beiden sind sich ungefähr so grün, wie es sich Amberg und Weiden einst waren.

Da auch Anna Menghi, Kandidatin der rechten Lega und ebenfalls Ex-Bürgermeisterin, nicht in den Regionalrat kommt, bleibt die Partnerstadt auf überörtlicher Ebene erstmals seit Langem ohne Sitz.

Sandra Parcaroli ist neuer Rathauschef von Macerata.

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