Weiden in der Oberpfalz
08.04.2026 - 11:04 Uhr
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„Made in Germany“: Heino begeistert Fans in Weiden

400 Besucher erlebten beim Heino-Konzert „Made in Germany“ in der Max-Reger-Halle einen Abend, der zeigte, warum der 87-Jährige noch immer die Massen bewegt und selbst Skeptiker überzeugt.

Ein mächtiger Truck in Schwarz-Rot-Gold am Seiteneingang der Max-Reger-Halle, darauf der Schriftzug „Die Stimme der Heimat – Heino – Die Legende auf Tour“. Und ein Abend, über den eigentlich niemand berichten sollte. Denn die schreibende Presse war am Dienstag vom Management nicht akkreditiert. Fotos aus dem Saal? Unerwünscht. Warum diese Abschottung? Offiziell blieb das offen. Hinter vorgehaltener Hand wurde spekuliert: schleppender Vorverkauf, nur rund 400 Besucher in der großen Halle. Oder doch die zuletzt wenig erfolgreiche TV-Doku über den Volksliederstar? Sicher ist nur: Wer nicht da war, hat etwas verpasst.

Denn Heino zeigte, warum er auch mit 87 Jahren noch eine Ikone ist. 110 Minuten stand er ohne Pause auf der Bühne, sang mit kräftiger, erstaunlich stabiler Stimme und hatte sein Publikum schnell im Griff. Große Showeffekte? Fehlanzeige. Licht, wenig Requisite. Dafür zwei Videoschirme, Heinos Präsenz und Erfahrung und sein Gespür für das Publikum. Der Mann wurde in den sechs Jahrzehnten seiner Karriere belächelt, bewundert und von Otto im Film sogar als schauriger Zombie parodiert. Es ist ja auch eine Art Anerkennung, parodiert zu werden.

Der Abend beginnt überraschend mit einem Schlager-Medley, vorgetragen von zwei Sängerinnen, ehe Heino nach gut zehn Minuten selbst die Bühne betritt. Spätestens bei „Blau blüht der Enzian“ ist der Funke übergesprungen. Viele im Saal können jede Zeile mitsingen. „Ich bin eigentlich kein Heino-Fan gewesen“, sagt Regina aus Weiden hinterher. „Aber er hat mich total überrascht. Wie er mit dem Publikum umgeht. Das macht Respekt.“

Überhaupt: Respekt ist ein Wort, das an diesem Abend oft fällt. Lisa aus Luhe-Wildenau staunt: „Man kennt so viele Texte. Das hätte ich nicht gedacht.“ Und Susanne aus dem Stiftland bringt es noch direkter auf den Punkt: „Das Konzert war saugeil. Ich bin nur aus Spaß mit. Jetzt bin ich Fan.“ Ihr Begleiter Thomas spricht von einer „Zeitreise“ und versucht schon, Karten für eines der nächsten Konzerte zu buchen.

Diese Zeitreise ist gewollt. Heino singt Klassiker wie „Schwarzbraun ist die Haselnuss“, „Karamba, Karacho, ein Whiskey“ oder „Lustig ist das Zigeunerleben“. Er singt also auch Lieder, die polarisieren. Einige gelten als aus der Zeit gefallen, andere haben eine schwierige historische Einordnung. Und trotzdem: keine Demonstranten vor der Halle. Doch im Saal interessiert das ohnehin kaum jemanden. Man will nur seinen Spaß haben. „Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen machen“, ruft Manager Helmut Werner ins Publikum. Heimat, Brauchtum, deutsches Liedgut. Oder wie aktuell: ein Bundesadler mit Brille und Heino-Frisur. Für Heino-Fans gehört das zusammen.

Und die sehen das entspannt. Von Deutschtümelei oder Politik keine Spur, stattdessen ausgelassene Stimmung. Es wird geschunkelt, geklatscht, mitgesungen. Auch viele jüngere Besucher sind da. Einige tragen Deutschlandfahnen, blonde Perücken und dunkle Sonnenbrillen. Andre aus Thüringen hat sich am Merchandise-Stand für 140 Euro eingedeckt. Heino-Perücke inklusive.

Mittendrin immer wieder: der österreichische Manager Helmut Werner. Als Butler verkleidet, tritt er mehrfach auf die Bühne, lockert das Programm auf, übernimmt Moderationen. Dass er einmal Heinos Vermögen erben wird, ist kein Geheimnis. An diesem Abend wirkt er vor allem als Strippenzieher im Hintergrund und als jemand, der die Inszenierung genau steuert – auch die restriktive Pressepolitik.

Ein emotionaler Höhepunkt ist die Ehrung eines Weidener Ehepaars. Harry und Irene feiern Eiserne Hochzeit. Werner unterbricht das Konzert, Heino gratuliert persönlich. Es gibt Schallplatte und CD. „Ein Wahnsinn“, sagt Harry später. „Ich verfolge ihn mein Leben lang.“

Musikalisch bleibt Heino sich treu, öffnet sich aber auch. Cover von der Spider-Murphy-Gang oder den Ärzten mischen sich ins Programm. Ein Spagat, der funktioniert. Selbst Metal-Fans im Publikum zeigen sich überzeugt. „Man muss ihn einfach gesehen haben“, sagt Niko aus Altenstadt, der mit einer ganzen Gruppe vom Altenstädter Burschenverein gekommen ist.

Am Ende steht – wenig überraschend – die Nationalhymne auf dem Programm. Auch das wird von Werner erklärt: zu wenig präsent, zu selten gesungen. Im Saal stehen die Besucher, viele singen mit. Pathos? Vielleicht. Für die Fans ist es aber eher ein ehrenvoller Abschluss. Mokiert hat sich hinterher keiner darüber. Im Gegenteil.

An diesem Abend interessiert nur eines: Heino liefert immer noch. Er beweist, dass er mehr ist als eine Figur vergangener Zeiten. Die Show spricht für sich, trotz halbleerer Halle. Er ist eine Ikone, die Kindheitserinnerungen wecke, wie Stadtrat Wolfgang Pausch betont.

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