13.12.2019 - 17:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mäuse ärgern Bauern

Jede Menge Mäuse: Auch in der Oberpfalz werden die Nager zunehmend zum Problem. Vor allem in Wald und auf Wiesen sorgen die Tiere für Schäden. Und auch für die menschliche Gesundheit geht eine Gefahr von ihnen aus.

Eine Maus schaut raus: Die Nagetiere werden derzeit immer mehr zum Problem.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Sie lassen sich bei der Kunstausstellung in der Weidener Realschule sehen, nisten in Turnbeuteln in einer Schule oder laufen in Hotels durchs Zimmer: Mäuse machen derzeit von sich reden. Während solche Sichtungen vor allem gut für Anekdoten sind, machen sich Land- und Forstwirte Sorgen.

Dabei sind Landwirte nicht überall gleich betroffen. Beim Bauernverband in Amberg ist von Mäuseproblemen wenig bekannt. In Weiden ist das anders, sagt Fachberater Klaus Gieler. Der Landwirt aus der Nähe von Vohenstrauß weiß das auch aus eigener Erfahrung: "Wenn ich sonst im Herbst fünf Mäuse auf meinem Hof fange, waren es in diesem Jahr leicht zehnmal so viele."

Drei Euro Schaden je Maus

"Die größten Schäden richten die Nager im Grünland an", sagt Gieler. Unter den Wiesen graben Wühlmäuse ihre bis zu 40 Meter langen Gänge und finden ihre Nahrung: "Eine Maus frisst täglich 120 Gramm Wurzelmasse." In der Summe ein Problem: "Bei 100 Mäusen kommt man im Monat auf über 300 Kilogramm." Experten haben ausgerechnet, dass nur in der Grassilage pro Maus ein Schaden von 3 Euro angesetzt werden kann.

Auch im Wald gibt es inzwischen Probleme. Cornelia Triebenbacher befasst sich bei der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft mit dem Thema. Auf einer Testfläche bei Floß (Landkreis Neustadt/WN) seien zuletzt 38 Prozent der Mäusefallen bei einem Versuch belegt gewesen. "Ab 10 Prozent gehen wir von Schäden aus", sagt die Expertin. Mäuse sind vor allem für Neuanpflanzungen problematisch. Das ist derzeit umso heikler - weil es wegen der Borkenkäferplage momentan viel neu zu pflanzen gibt.

Hantavirus "explodiert"

Vor allem die Rötelmaus gilt zudem als Überträger des Hantavirus'. Mit der Zahl der Tiere wächst das Risiko. Das Landesamt spricht von einer "besorgniserregenden" und "explosionsartigen" Zunahmen: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl verneunfacht. Triebenbacher warnt dennoch vor Panik. Sie rät aber auch, Atemwege zu schützen, wenn man zum Beispiel in einer Hütte im Wald arbeitet. Schon der Staub könne Infektionen bringen.

Zu sehr dramatisieren will auch Klaus Gieler die Situation nicht. In Niedersachsen sei das Problem viel größer. Das habe mit der Landschaftsstruktur zu tun: "In der Oberpfalz gibt es noch kleinstrukturierte Räume." Von Hecken und Bäumen kann ein Mäusebussard zur Jagd aufbrechen. "Manche Bauern stellen inzwischen Stangen an den Feldern auf, um Greifvögeln diese Möglichkeit zu bieten."

Wenn durch das gute Futterangebot die Zahl der Jäger zunimmt, sollten die Mäuse weniger werden. Zu Gift rät der Bauernverband derzeit jedenfalls nicht. Das Problem bewege sich im Bereich normaler Schwankung. Das sagt auch Cornelia Triebenbacher. Für den Klimawandel als Ursache geb es jedenfalls keine Anzeichen. Solche Wellenbewegungen seien etwa alle vier Jahre normal, man spricht dann von einem "Massenwechsel". Der falle dieses Mal nur etwas stärker aus.

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