Weiden in der Oberpfalz
26.09.2026 - 12:40 Uhr

Max-Reger-Tage in Weiden starten mit einer Reise durch ein Komponistenleben

213 Besucher erleben im Gustl-Lang-Saal der Max-Reger-Halle in Weiden eine außergewöhnliche Konzertlesung mit dem Klavierduo Markus Becker und Hinrich Alpers sowie Schauspieler Ulrich Noethen.

Max Reger war ein Komponist, der seine Zeitgenossen ebenso faszinierte wie irritierte. Die öffentliche Wahrnehmung seines Schaffens bewegte sich zwischen Bewunderung und scharfer Kritik.

Zum Auftakt der dreitägigen Weidener Max-Reger-Tage konnten sich 213 Besucher am Freitagabend im Gustl-Lang-Saal der Max-Reger-Halle selbst ein Bild von dieser Spannweite machen. Die Konzertlesung verband Musik und Literatur und führte zugleich hinein in das Leben eines Mannes, dessen Werk bis heute die Meinungen teilt.

Unter dem Motto „Auf Reisen!“ widmet sich das von der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz präsentierte Musik-Festival den Stationen Weiden, London und Prag. Zum Auftakt standen Regers Kompositionen für zwei Klaviere und vier Hände im Mittelpunkt. Das renommierte Klavierduo Markus Becker und Hinrich Alpers machte dabei hörbar, wie unterschiedlich Reger mit Klang, Form und musikalischen Ausdrucksmitteln umgehen konnte.

Regers Stimme

Für die literarische Seite des Abends sorgte Ulrich Noethen. Der Schauspieler, der unter anderem aus dem Film „Comedian Harmonists“ bekannt ist, verlieh Zeitgenossen Regers seine Stimme.

Zu hören waren unter anderem Konzertkritiken sowie Passagen aus den Erinnerungen des Schriftstellers Max Brod. So entstand zwischen den musikalischen Beiträgen ein vielschichtiges Bild des Komponisten: als gefeierter und zugleich umstrittener Musiker, als eigenwillige Persönlichkeit und als Künstler, dessen Musik nicht immer auf unmittelbare Zustimmung stieß.

Einen besonderen Blick auf Regers Leben und Werk eröffnete Susanne Popp, die als international anerkannte Reger-Forscherin gilt. Sie leitete das Max-Reger-Institut von 1981 bis 2019 und ist Autorin der umfassenden Reger-Biografie „Max Reger. Werk statt Leben“ sowie Hauptautorin des Reger-Werkverzeichnisses. Reger, so wurde deutlich, gehört zu den wichtigen Wegbereitern der musikalischen Moderne.

Reizvoller Kontrast

Auch die Auswahl des Konzertprogramms zeigte die große Bandbreite seines Schaffens. Den Auftakt bildeten Regers „Träume am Kamin“, bevor mit der „Introduction, Passacaglia und Fuge für zwei Klaviere, Op. 96“ ein Werk erklang, das bei Kritikern keineswegs durchgehend auf Zustimmung stieß. Gerade darin lag ein reizvoller Kontrast des Abends: Während Noethen von der zeitgenössischen Rezeption erzählte, konnten die Zuhörer die Musik unmittelbar erleben.

Die anschließenden „Burlesken“ für Klavier zu vier Händen sowie Regers Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart, op. 132, im zweiten Teil machten eine weitere Facette von Regers Kompositionskunst deutlich, weil Charakter, Tempo und musikalische Sprache immer wieder wechselten. Die Weidener Musikfreunde hörten die Mozart-Variationen an diesem Abend zusammenhängend und konnten so die Entwicklung vom Ausgangsthema bis zur abschließenden Fuge verfolgen.

Künstler und Reisender

Hinzu kamen Lesungen, die Regers Umfeld sichtbar machten, darunter „Max Reger in London (1909)“ von Willy Strecker. Sie zeigten Reger als Reisenden, als Künstler im Austausch mit seiner Zeit und als Komponisten, dessen Wirkung weit über seine Heimat Weiden hinausreichte.

Oberbürgermeister Benjamin Zeitler hatte zu Beginn die Bedeutung Regers für die Stadt hervorgehoben. „Max Reger ist Teil der kulturellen Identität unserer Stadt“, sagte er. Sein Erbe gehöre nicht nur ins Museum, sondern auch auf die Konzertbühne.

Denn Reger wurde an diesem Abend nicht nur als historische Persönlichkeit präsentiert, sondern als Komponist, dessen Musik, Texte seiner Zeitgenossen und die kontroversen Reaktionen darauf noch immer Anlass zur Auseinandersetzung geben. Nur drei Tage dauert das Festival zu Ehren des Komponisten.

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