24.01.2019 - 18:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Maximaler Profit

Obenauf auf die reguläre Ladung luden rumänische Schleuser bis zu 40 Flüchtlinge. Staatsanwältin Carina Särve hat "nie so hohen Profit" erlebt. Sie fordert 5,5 Jahre für den Hauptangeklagten.

Der Spediteur aus Rumänien und seine Fahrer luden zur Fracht noch bis zu 40 Flüchtlinge obenauf. Das Bild zeigt einen der sichergestellten Lastwagen in Tschechien. Den Migranten war von den tschechischen Kollegen mit Leitern herab geholfen worden, berichtete ein Bundespolizist vor Gericht.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Mit den Plädoyers ging der Prozess gegen vier rumänische Schleuser am Donnerstag auf die Zielgerade. Verteidiger Manuel Lüdtke bat die Strafkammer des Landgerichts um maßvolle Strafen: "Sprechen Sie keine Strafe aus, die die Fehler der Politik auszubügeln versucht."

Staatsanwältin Carina Särve geht von mindestens 137 Flüchtlingen aus, die bei sechs Fahrten auf der Ladefläche zweier Sattelschlepper von Rumänien nach Deutschland gebracht wurden. Fast keiner hatte einen Ausweis dabei. Die Staatsanwältin beantragte für den Hauptangeklagten, einen 26-jährigen Spediteur, 5,5 Jahre Haft sowie die Einziehung von 56 000 englischen Pfund plus der zwei Lastwagen. Für den zweiten Fahrer (29) forderte sie 4,5 Jahre, für einen der Beifahrer 3,5. Das kleinste „Licht“ wird Bewährung bekommen: Dieser Mann hat gar keinen Lkw-Führerschein und war nur zur Unterhaltung an Bord, so seine Verteidigerin Isabella Komm.

Die Staatsanwältin meinte, noch bei keiner Schleusung einen „so hohen Profit“ erlebt zu haben. Sie blieb beim Vorwurf der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung. Die Whatsapp-Chats belegen aus ihrer Sicht die Bandenstruktur: Die beiden Haupttäter sprachen mit einem Hintermann in Großbritannien im Detail die Verladung und die Bezahlung ab. Erschwerend kommt aus Särves Sicht die lebensgefährdende, unmenschliche Behandlung hinzu. Die Personen – darunter viele Kinder – seien auf die reguläre Ladung regelrecht „gestopft“ worden. Die Bundespolizisten, die bei der Festnahmen in Tschechien waren, sprachen von 35 bis 40 Zentimeter, die über der regulären Fracht noch an „Luft“ waren.

Die Verteidiger warfen die frühen Geständnisse in die Waagschale, mit denen den Ermittlern geholfen war. Anwältin Ana Maria Filimon sprach von „überschießenden Angaben zu Mittätern“. Rouven Colbatz, Verteidiger des Spediteurs, bat, den 26-Jährigen nicht doppelt zu bestrafen: Bei Einziehung der englischen Pfund plus Sattelzüge käme man auf 150 000 Euro. „Das wäre eine Geldstrafe neben einer Freiheitsstrafe.“

Verteidiger Lüdtke führte ins Feld, dass der BGH bei BTM-Fahrten die Fahrer nicht als Mitglied einer Bande werte. „Wo ist der Unterschied?“ Er wies auf Fotos hin, die „Illegale zeigen, die sich gefreut haben.“ Das Argument der Politik, mit harten Strafen gegen Schleuser die Grenzen schützen zu wollen, stellte er infrage: „Ich denke da an die Züge, die in Salzburg losgeschickt wurden. Das können diese Leute mitverantworten.“ Mit ihren Forderungen bleiben die Verteidiger ein wenig unter der Staatsanwältin. Überraschungen blieben aus, es hatte gleich zu Beginn des Verfahrens einen „Deal“ gegeben. Das Urteil wird am Montag, 10.30 Uhr, verkündet.

Hintergrund:

Beweismittel Smartphone

Die Bärnauer Ermittler der Bundespolizei gewannen aus den Handys von Geschleusten und Schleusern wertvolle Informationen über die Organisationsstruktur. So knipsten Flüchtlinge unter anderem „Safe Houses“ in Serbien und Rumänien. Dabei handelt es sich um Gästehäuser für Migranten auf der Durchreise. Äußerst interessant war auch, was die Smartphones der Angeklagten hergaben. Ein Ermittler aus Bärnau verlas vor Gericht einen Chat zwischen dem hauptangeklagten Schleuserfahrer, einem jungen Spediteur aus Rumänien, und seinem Auftraggeber in Großbritannien. Dabei wird sich detailliert über die Personenzahlen ausgetauscht, die in Rumänien zusteigen sollen. Die Männer standen sogar während des Ladevorgangs in Timisoara engem Whatsapp-Kontakt. Auf der ganzen Fahrt nach Deutschland gaben die Fahrer immer wieder ihre Positionen durch. Auch die Bezahlung wurde per SMS fixiert: Der Lohn für „37,5“ (37 Erwachsene, ein Kind) waren demnach 33 750 britische Pfund.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.