08.10.2019 - 10:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Messie-Syndrom: Vortrag und Beratungsnachmittag in Weiden

Wenn eine Wohnung vermüllt und der Bewohner scheinbar nutzlose Dinge hortet, sind das Symptome des Messie-Syndroms. Das Gesundheitsamt für Neustadt und Weiden bietet dazu nun einen Beratungsnachmittag und einen Vortrag an.

Auswirkungen des Messie-Syndroms: Wer davon betroffen ist, ist nicht mehr in der Lage, seine Wohnung ordentlich und sauber zu halten. Die Vermüllung ist allerdings häufig ein Symptom einer psychischen Erkrankung, so dass ein Aufräumen allein nicht hilft.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Der Informationsbedarf ist offensichtlich groß: Für den Vortrag zum Messie-Syndrom am Donnerstag, 10. Oktober, sind fast alle der rund 100 verfügbaren Plätze bereits belegt. Referent ist Wedigo von Wedel, der im H-Team e.V. seit vielen Jahren mit Betroffenen in München arbeitet. Er wird am selben Tag beim offenen Beratungsnachmittag zum Thema im Gesundheitsamt anwesend sein und für Fragen von Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten zur Verfügung stehen (siehe Kasten).

Bekannt ist das Messie-Syndrom auch bei den Fachstellen, die in Weiden und im Landkreis mit der Thematik in Kontakt kommen. Dazu gehören unter anderem das Gesundheitsamt, der Sozialpsychiatrische Dienst, das Ordnungsamt und Betreuungsstellen. „Immer mal wieder“ habe der Sozialpsychiatrische Dienst in Weiden mit dem Messie-Syndrom zu tun, sagt Leiterin Sonja Dobmeier. Sie schätzt die Häufigkeit auf rund einen Fall pro Quartal. Die Zahl sei jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn genaue Fallzahlen werden nicht erfasst. Das bestätigt auch Thomas Holtmeier, Leiter des Gesundheitsamts. Er spricht von „gefühlt ein bis zwei Fällen im Monat“, die beim Gesundheitsamt landen.

Bekommt ein Betroffener die Vermüllung der eigenen Wohnung nicht in den Griff, ist es mit einem konsequenten Aufräumen der Räume nicht getan. Meist stecke eine andere psychische Erkrankung als Ursache hinter dem Messie-Syndrom, weiß Sonja Dobmeier. Dazu zählten zum Beispiel Zwangserkrankungen und Depressionen. Die Ursache liege oft in der Kindheit des Kranken. Weil Betroffene selten zugeben würden, dass sie ein Problem haben, sei es schwierig, ihnen zu helfen. Auch Holtmeier spricht von einer „komplexen Thematik“. Die Vermüllung stelle nur die Spitze des Eisbergs dar.

Betroffene haben ihm zufolge oft kein Problembewusstsein und Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen. Hinweise auf Fälle kämen daher häufig von Menschen, die im selben Haus wohnen und dem Gesundheitsamt beispielsweise unangenehmen Geruch im Treppenhaus melden. Das Gesundheitsamt selbst sei auf eine Beratungstätigkeit beschränkt, und mit dieser müsse der Betroffene einverstanden sein.

Mitarbeiter des Sozialdienstes suchen die Menschen auf und versuchen zunächst, eine Vertrauensbasis herzustellen, das Problem und die Ursachen zu analysieren und dann zusammen mit den Betroffenen zu überlegen, wie eine Lösung aussehen könnte. Häufig müssten gesetzliche Betreuer bestellt werden, so Holtmeier, die Geschäfte regeln und mit den Behörden in Kontakt stehen. Betroffen sind ihm zufolge oft Menschen, die alleine wohnen und bei denen kein Korrektiv wie Partner oder Eltern greift. Ansonsten könne es jeden treffen.

Wedigo von Wedel
Info:

Offener Beratungsnachmittag und Vortrag

Wedigo von Wedel hält seinen Vortrag „Vermüllung und desorganisiertes Wohnen“ am Donnerstag, 10. Oktober, von 9.30 bis 12.30 im Postkeller, Leuchtenberger Straße 66, in Weiden. Er wird auf Formen und Ursachen des desorganisierten Wohnens, Unterstützungsmöglichkeiten, Grenzen der Hilfe und rechtliche Fragen eingehen. Verfügbare Plätze können beim Gesundheitsamt unter 09602/79-6180 oder per E-Mail an ASauer2[at]neustadt[dot]de erfragt werden.

Zusätzlich bietet das Gesundheitsamt in Weiden (Maistraße 7-9, 2. Stock) an diesem Tag zwischen 14 und 16 Uhr einen Beratungsnachmittag an. Fachkräfte des Sozialdienstes stellen ihre Angebote vor, informieren unverbindlich über die Tätigkeitsfelder der Sozialpädagoginnen und das Hilfesystem vor Ort. Wedigo von Wedel wird für Fragen zum Messie-Syndrom vor Ort verfügbar sein.

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