24.09.2020 - 15:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Michael Buback: "Mord bleibt für immer ungesühnt"

Mit dem Vortrag von Michael und Elisabeth Buback wurde in der Aula der Volkshochschule in Weiden die RAF-Zeit wieder lebendig. Die Schlussfolgerungen des Vortrags sind aber noch immer hochaktuell.

Michael Buback und seine Frau Elisabeth waren in Weiden zu Gast.
von Siegfried BühnerProfil

„Ich habe einen wesentlichen Teil meines Lebens mit der Auseinandersetzung mit dem Tod meines Vaters verbracht“, sagte Michael Buback. Der Professor hielt einen Vortrag über die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback im Jahre 1977 beim Freundeskreis Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing.

Buback und seine Frau Elisabeth trugen zunächst wechselweise vorrangig Auszüge aus dem von ihnen kürzlich veröffentlichten Buch „Der General muss weg“ vor. Die sich anschließende Fragerunde befasste sich dann vor allem mit den Schlussfolgerungen, die sich für beide Autoren aus ihren Recherchen ergeben. Elisabeth Buback schilderte den Ablauf des Prozesses gegen Verena Becker im dem Jahre 2012, in dem das Ehepaar Buback als Nebenkläger auftrat.

Anhand zahlreicher Beispiele schilderte sie den scharfen Ton und die Angriffe von Richter und Staatsanwalt gegenüber Nebenkläger und Zeugen und sprach von „Unverfrorenheiten und taktlosen Provokationen“ und von einer unwirklichen Atmosphäre im Gerichtssaal. Zu dem Prozess war es deshalb gekommen, weil aufgrund der Ermittlungen der Nebenkläger erhebliche Zweifel an der tatsächlichen Schuld der für den Mord am Generalbundesanwalt verurteilten drei RAF-Mitglieder Knut Folkerts, Christian Klar und Günter Sonnenberg aufgekommen waren. Zahlreiche Zeugen hatten die Täter, die auf einem Motorrad saßen, beobachtet und eine zierliche Person auf dem Rücksitz erkannt. Im zwei Jahre dauernden Prozess gegen Verena Becker sollte geklärt werden, ob sie die Schüsse abgegeben hatte.

Michael Buback schilderte am Abend die lange Reihe von Widersprüchen und „haarsträubenden Mängeln der Ermittlung“, Akten- und Aussagevernichtungen in der Zeit nach dem Attentat. Buback sei aufgrund seiner jahrelangen Recherchen an der Täterschaft von Becker überzeugt. Kriminalistisch sei der Fall für ihn geklärt, stellte er fest. Becker wurde wegen Beihilfe zum Mord verurteilt und musste nicht mehr ins Gefängnis. Eine erneute Verurteilung von Becker oder anderer RAF-Mitglieder sei nicht mehr möglich, bedauerte Buback. Hinweise auf die Erklärung für die Vorgänge hätten ihm eine Spiegel-Meldung aus dem Jahre 2007 geliefert, wonach Becker Kontakt mit dem Verfassungsschutz gehabt hätte.

Im Vortrag zitierte er dann eine Richtlinie, wonach die Strafverfolgungsbehörden das Sicherheitsinteresse der Verfassungsschutzbehörden beachten müssten. Und darin heißt es auch, dass dies insbesondere dann gilt, wenn ein Beschuldigter geheimer Mitarbeiter der genannten Behörde war. „Die Kooperation von Geheimdiensten und Terroristen behindern die Aufklärung“, sagte Buback und zog auch Parallelen zu den NSU-Morden. Unter anderem fragte er, warum Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und Becker nur zur Beihilfe. „Wenn der Geheimdienst dabei ist, gelten andere Gesetze“ sagt Buback. Funktionsträger müssten im Sinne des Staates „funktionieren“. Deshalb sei das Verfahren gegen Verena Becker für ihn „ein absurder Prozess“ gewesen.

Zur Frage eines Zuhörers nach den politischen Hintergründen für die Ermordung seines Vaters, sagte Buback: „Da laufe ich Gefahr, mich in die Gegend der Spekulation zu bewegen“. Eventuell könnte dies mit dem Wissen seines Vaters über die „Guillaume-Sache“ zu tun gehabt haben.

Der Sprecher des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing Ehrenfried Lachmann (von links) begrüßte Elisabeth und Michael Buback zum Vortrag.

 

 

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