07.04.2019 - 19:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Müllhalde Umwelt: "Es sieht schlimm aus"

Die Umwelt versinkt in Plastik: Beschwerden und Diskussionen über hemmungslose Abfallentsorgungen sind so aktuell wie selten zuvor. Wie schlimm ist die Lage in und um Weiden? Und wer unternimmt etwas dagegen?

Auch dieser Parkplatz an der Verbindungsstraße zwischen Frauenricht und Neunkirchen sieht nicht gerade sauber aus. Kaffeebecher und Mülltüten wurden hier einfach zurückgelassen.
von Redaktion ONETZ Kontakt Profil

"An den Straßenrändern schaut es schlimm aus", sagt Gerhard Schleser. Er ist der Leiter der Straßenmeisterei Weiden. Seit gut einer Woche sind seine Mitarbeiter wieder unterwegs, um den "Streckenmüll" an den Bundes-, Staats- und Kreisstraßen zu beseitigen. Dies werde wahrscheinlich bis zu zwei Monate andauern.

Bei der Frühjahrsreinigung vergangenes Jahr sammelten Mitarbeiter in 493 Arbeitsstunden insgesamt 31 Tonnen Müll. Damit komme man – für Personal und Entsorgung – auf etwa 26000 Euro. Die Kosten für die regelmäßigen Säuberungen der Parkplätze sind in diesem Betrag nicht enthalten.

In der Regel seien jeweils vier Personen unterwegs, die zu Fuß die Böschungen abgehen und mit Greifzangen und Müllsäcken allerlei Unrat aufsammeln. "Von Hausmüll bis zur Notdurft einzelner Menschen ist alles dabei", erklärt Schleser, "es kam auch schon vor, dass Sperrmüll einfach am Straßenrand entsorgt wurde." Plastik mache den größten Teil der Funde aus, besonders Fast-Food-Abfälle liegen laut Schleser in großen Mengen um die ganze Stadt Weiden verteilt: "Es wird im Auto gegessen und die Verpackungen werden dann einfach aus dem Fenster geworfen."

Tatsächlich hätten die Mitarbeiter der Straßenmeisterei auch schon den Fall erlebt, dass Verkehrsteilnehmer sie gesehen und dann absichtlich ihren Unrat auf die Straße warfen – ganz nach dem Motto: "die machen das ja sowieso weg". Eine notwendige, aber mühselige Aufgabe also, die die Straßenmeisterei leisten muss – und das nur, weil "zum Teil offenbar kein Wert mehr auf Sauberkeit und Verantwortungsbewusstsein gelegt wird".

Ganze Berge an Müll sammeln die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Weiden bei der alljährlichen Frühjahrsreinigung entlang der Bundes-, Staats- und Kreisstraßen ein.

Ein Gang durch den Max-Reger-Park lässt Umweltschützer dagegen aufatmen: Kein Müll in Sicht – vorerst. Auf dem Weg in Richtung Fußgängerzone liegt am Parkrand dann doch einiges. Unmittelbar neben dem Stadtmühlbach finden sich Plastikflaschen, Kaffeebecher und Tüten.

Umweltschützer von morgen

Neben der Straßenmeisterei engagieren sich derzeit auch viele freiwillige Helfer bei Ramadama-Aktion in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN. Sie ziehen durch die Natur und sammeln Abfälle ein. Auch hier gibt es gut zu tun. Hannah Böhm aus Weiden etwa macht mit. Obwohl sie erst im Vorschulalter ist, interessiert sich Hannah schon jetzt sehr für das Thema "Umwelt" und setzt sich freiwillig gegen die Müllflut ein. Gemeinsam mit ihrer Mutter Marina Böhm spaziert sie täglich durch den Pressather Wald: "Es ist Wahnsinn, welche Berge an Plastik und Essensresten dort liegen", sagt Marina Böhm. "Also haben wir einfach Säcke mitgenommen und den Abfall eingesammelt."

Zwei Kindergartenfreunde von Hannah begleiteten die Gruppe. Zwei Stunden später hatten sie auf 100 Metern Waldweg sieben Säcke voller Müll beieinander: Neben Glasflaschen lagen vor allem zahlreiche Plastikverpackungen wie Gummibärchen- oder Chipstüten zwischen den Bäumen. Aber auch Schuhen, Hasenkäfige oder Sonnenschirme wurden entsorgt. Die Gruppe würde sich freuen, wenn sich noch weitere Menschen anschließen und den Unrat beseitigen würden: "Viele schimpfen andauernd, dass überall der ganze Müll rumliegt, aber dann machen nur wenige was dagegen. Das ist einfach schade."

Dass Abfall teils auch über den Wasserweg entsorgt wird, weiß Axel Rast aus Etzenricht. Er betreibt das Kleinwasserkraftwerk Haberstumpfmühle, bei dem er regelmäßig den Treibgutrechen ausleeren muss. "Natürlich kommt es da ab und zu vor, dass Plastikbecher oder Ähnliches dort ankommen", sagt er, "was aber lieber in die Haidenaab geworfen wird, ist Brot für die Enten." Der Plastikmüll im Flusslauf scheint also noch recht gering zu sein – endlich eine gute Nachricht.

Auch wenn der Max-Reger-Park auf den ersten Blick sauber erscheint, findet sich auch hier in ein paar Ecken Plastikmüll.
Info:

"Ramadama"

Seit 1998 gibt es die organisierte Säuberungsaktion "Ramadama" im Landkreis Neustadt/WN. Dieses Jahr startete sie am 23. März und dauert noch bis 13. April an.

Es sind wieder zahlreiche Menschen unterwegs, um die Natur von Abfällen und Unrat zu befreien. Bis jetzt haben sich 50 Gruppen angemeldet. Die Gesamtzahl an Teilnehmern könne laut Angaben des Landratsamtes Neustadt/WN erst nach Ablauf der Aktion festgestellt werden.

Vergangenes Jahr waren 1283 Freiwillige beteiligt, die in etwa 3250 Arbeitsstunden insgesamt 15,39 Tonnen Müll gesammelt haben.

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