23.10.2018 - 12:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Musik ist wie atmen"

Das sagt ein 15-jähriger Musikschüler, und Luise Janhsen, die seit 16 Jahren die Franz-Grothe-Schule in Weiden leitet, findet es großartig. Sie sagt: "Musik soll Spaß machen". Und der fängt schon im Alter von 5 Monaten an.

Musikalische Früherziehung ist genau ihr Ding. Musikschulleiterin Luise Janhsen legt schon bei Babys, die den "Musikgarten" besuchen, den Grundstein für den Spaß an der Musik.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

"Erste rhythmische Bewegungen und ein Gespür für Melodien zeigen schon Babys", sagt Janhsen. Der Pädagogin liegt vor allem die frühe musikalische Bildung am Herzen. Hier werde der Grundstein gelegt. Im Interview erzählt sie, was Musik alles bewirken kann, und dass Musikschulen als "Lehranstalten" schon längst ihr verstaubtes Image abgelegt haben.

ONETZ: Wollen Kinder heute überhaupt noch ein Instrument lernen?

Luise Janhsen: Ich denke, das kommt immer auch die Haltung der Eltern an. Hat Musizieren eine Tradition, dann finden die Kinder leichter Zugang. Es gibt aber genauso viele Kinder, die gern ein Instrument spielen würden, sich aber vielleicht nicht trauen oder es sich die Familie nicht leisten kann.

ONETZ: Kann die Musikschule hier helfen?

Luise Janhsen: Kein Kind sollte durch das Raster fallen. Wenn ein Kind förderfähig ist, finden wir gemeinsam mit der Familie einen Weg, die musikalische Ausbildung fortzuführen.

ONETZ: Sie sagen, jeder Mensch sei musikalisch. Ist dem so?

Luise Janhsen: Ein typischer Satz, den ich immer wieder von Eltern höre ist, „Ich würde ja mein Kind anmelden, aber bei uns in der Familie ist keiner musikalisch“. Das ist Unsinn. Erst wenn die Person alle Radiosender durchgezappt hat und nicht ein einziges Mal zu einem Song mit dem Fuß wippt, erst dann ist sie nicht musikalisch. Das trifft aber auf die wenigsten Menschen zu.

ONETZ: Musikschulen gelten ja oft als elitär.

Luise Janhsen: Sollten sie es je gewesen sein, dann sind sie es heute nicht mehr. Die Musikschule ist für jung und alt offen. Unsere Schüler wollen lernen und dies mit sehr viel Selbst-Disziplin, aber sie tun es freiwillig und haben noch Spaß dabei. Musizieren sollte keine Pflichterfüllung sein. Wir sehen den Musikunterricht auch als als emotionalen Ausgleich zur Schule und zur Arbeit.

ONETZ: Aber wann bleibt noch Zeit fürs Üben? Viele Schüler haben mittlerweile Ganztagsunterricht.

Luise Janhsen: Das ist durchaus ein zeitliches Problem. Wir haben das vor allem mit der Einführung des G 8 gemerkt, dass vermehrt nur noch ein Fach belegt wird und die so wichtige Enesemble-Arbeit auf der Strecke bleibt. Das ist übrigens bayernweit so. Ein kritischer Moment, denn bevor Kinder schlechte Noten nach Hause bringen, legen Eltern die zeitliche Priorität auf die Schule. Der emotionale Ausgleich bleibt dabei auf der Strecke. Ich kenne aber auch genügend Beispiele, wo Jugendliche bewusst nach der Schule zum Musikunterricht kommen. Die brauchen das, um runterzukommen, wie sie selbst sagen.

ONETZ: Musik als Kraftquelle sozusagen ...

Luise Janhsen: Na klar. Darüber hinaus stärkt sie das Selbstbewusstsein, den Teamgeist, fördert Ausdauer, Belastbarkeit und andere Schlüsselkompetenzen. Schüler mit herausragenden musikalischen Leistungen können bei uns sogar einen "Kompetenznachweis" erwerben. Eine Anerkennung, die sich in jeder Bewerbungsmappe gut macht.

ONETZ: Geige, Klavier, Gitarre sind vermutlich die Instrumentenklassiker. Wie hat sich das Angebot verändert?

Luise Janhsen: Neben dem Einzelunterricht bieten wir vor allem die Möglichkeit in Ensembles zu spielen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten zu musizieren und sich auszuprobieren vertieft das Erlernte und gibt Selbstvertrauen. Immer neu sind die Angebote im Bereich Rock- und Pop. Seit diesem Schuljahr haben wir auch wieder eine Metal-Band. Auch „Recording“ mit Grundlagen zur modernen Aufnahmetechnik werden vermittelt.

ONETZ: Dafür braucht es auch die passenden Lehrer.

Luise Janhsen: Aktuell sind es 23 festangestellte Lehrer. Das Kollegium hat sich verjüngt. Von Ende 20 bis 60 Jahren ist alles dabei.

ONETZ: Sachaufwandsträger der Schule ist ja die Stadt. Für 2019 gibt es wieder Zuschüsse, trotzdem bleibt ein Defizit.

Luise Janhsen: Bildung, und dazu gehört auch der Musikunterricht, ist das höchste Gut einer Gesellschaft. Und dies
gibt es nicht umsonst, wenn man nachhaltigen, qualifizierten Unterricht anbietet. Wichtig ist, dass Schüler aller sozialen Schichten an diesem Bildungsgut teilhaben können. Im Jahr 2018 werden von rund 750 Schülern 1000 Fächer belegt – vom Baby- bis zum Seniorenalter. Das ist schon eine Hausnummer.

ONETZ: Erschweren Social Media und die Streamingdienste Ihre Arbeit?

Luise Janhsen: Im Gegenteil. ich freue mich, wenn die Kinder und Jugendlichen dadurch viel Musik hören.Und mancher Schüler kommt mit einem Song zu uns und sagt: "Genau den will ich spielen können". Das ist doch wunderbar.

ONETZ: 16 Jahre Leitung der Musikschule. Eine erfüllende Aufgabe?

Luise Janhsen: In jedem Fall. Ich zitiere den 15-Jährigen Schüler: „Musik ist wie atmen“. Solche Aussagen machen meinen Beruf aus.

Termine:

Zum "Kunstgenuss bis Mitternacht" am Freitag, 28. Oktober, gibt es ab 18 Uhr nonstop Livemusik der Schüler und Lehrer. Interessierte haben die einmalige Gelegenheit, Instrumente auszuprobieren. Eine Holzaustellung, Cocktails und Knabbereien runden den Abend ab.

Das Sinfonieorchester der Stadt Weiden widmet sich in seinem Herbstkonzert am Sonntag, 18. November, der Wiener Klassik. Unter der Leitung von Dirigent Dieter Müller spielt es gemeinsam mit dem "Tschaikowsky Trio" Bamberg Beethovens Tripelkonzert und die "Große C-Dur Symphonie" von Franz Schubert.

Kinder erleben Musik,verpackt in ein Märchen. Die Schauspielgruppe der Musikschule und das Sinfonieorchester der Stadt Weiden präsentieren am Sonntag, 17. Februar 2019, die Geschichte "Besuch aus dem Wetall" in der Max-Reger-Halle (shl)

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