Weiden in der Oberpfalz
31.01.2020 - 13:07 Uhr

Mutmacher Felix Leibrock

„Nur im Dunkeln leuchten die Sterne“: So heißt der neue Roman von Pfarrer Felix Leibrock. Der Titel ist eine Botschaft, das Buch ein Wegweiser auf der Straße zum Glück. Es geht darum, für die kleinen Dinge dankbar zu sein.

von fsb
Autor Felix Leibrock. Bild: fsb
Autor Felix Leibrock.

Und es geht darum, sich klar zu machen, dass nur derjenige, der auch die dunklen Seiten des Lebens erlebt hat, erkennen kann, wann es ihm gut geht. Zur Vorstellung des Werks begrüßte Johannes Blohm vom Evangelischen Bildungswerk den Schriftsteller im Gasthof „Zum Alten Schuster“.

Leibrock las kurze Ausschnitte seines Romans vor, der sich in die Abschnitte „Im Dunkeln leben“, „Die Sterne suchen“ und „Der innere Weg zum Glück“ gliedert, einer einfühlsamen Lebenshilfe mit Themen wie Wohnungsnot und Obdachlosigkeit sowie hoher Authentizität. Hauptsächlich aber garnierte er den Inhalt durch seine große Lebensweisheit und seinen reichen Erfahrungsschatz mit eigenen Erlebnissen. Dabei verstand er es, dynamisch, lebendig, wortgewandt, kurzweilig und gewürzt mit einer Prise Humor frei zu erzählen.

Jeder Mensch kommt in mehr oder weniger große Krisen. Für den Romanhelden Stalter sind es gleich zwei auf einmal. Sein unaufhaltsamer Abstieg beginnt mit der Whatsapp-Nachricht „Du bist raus!“ Bis vor kurzem war er noch erfolgreicher Geschäftsmann mit Frau und Kindern und einer tollen Geschäftsidee, in die er sein Geld steckte. Doch seine beiden Partner booteten ihn aus und seine eh unglückliche Ehe scheiterte nach einer Affäre. Stalter landet auf der Straße: Ohne Geld keine Wohnung, ohne Wohnung keine Arbeit. So findet er sich unter den Ausgestoßenen der Gesellschaft wieder.

In seine Lebensgeschichte fließen Leibrocks eigene Erlebnisse als Wohnungsloser ein. Als er 2012 in seine Studienstadt München zurückzog, fand er als Pfarrer mit gutem Einkommen zweieinhalb Jahre keinen festen Wohnsitz. Neun Mal bezog er in dieser Zeit zu horrenden Preisen möblierte Zimmer, die er immer wieder wechseln musste, weil nachts um 1 Uhr die Vermieterin bei ihm die Blumen goss, weil er im Knien duschen sollte, um keine Tropfen auf der Wand über den Fliesen zu hinterlassen, oder weil das aus Schrank und Bett bestehende „Kellerloch“ keine Heizung hatte. Eine Woche konnte er im Hauptbahnhof übernachten, längere Zeit auf einer Notfall-Liege im Büro, wobei er in einem Fitness-Studio duschte. Auch einige Tage auf der Straße waren dabei und er lernte die Schicksale von Menschen kennen, die seit mehr als 30 Jahren obdachlos sind.

Stalter trifft bei der mobilen Obdachlosenhilfe „Sternenexpress“ auf Märchenerzähler, die ihn mit ihren sieben Geschichten aus verschiedenen Kulturkreisen tief berühren, ihm einen neuen Blick auf sein einst von der Jagd nach Geld und Erfolg getriebenes Leben eröffnen. In ihnen steckt viel Lebensweisheit, sie geben Kraft, entschleunigen, heilen die Seele und sind mit dem Romangeschehen poetisch verwoben.

Heute nehmen gerade in reichen Ländern psychologisch-psychiatrische Krankheiten zu. Trotz Reichtums herrscht soziale Kälte, Ängste machen sich breit. Die Macht des Geldes und der Egoismus triumphieren. Für Stalter aber ergibt sich die Chance zum Aufbau eines neuen, erfüllten Lebens. Aus einer Lebenskrise führen drei Wege: manchmal die Perspektive ändern, um der „Grübelfalle“ zu entkommen und positiv zu sehen, die Sinne für die Symbole in der Welt öffnen und Menschen finden, die an einen glauben, Mut zusprechen, da sind, wenn man sie braucht. So ist Leibrocks „Sternenbuch“ ein Begleiter für alle, die Hoffnung suchen, und ein Mutmacher, für alle, die Hoffnung spenden.

Autor Felix Leibrock. Bild: fsb
Autor Felix Leibrock.
 
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