15.09.2019 - 12:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nasse Hose muss nicht sein

Für viele Männer ist es oft sehr peinlich zugeben zu müssen, dass mit der Blase etwas nicht mehr stimmt. Dabei gibt es sehr viele Hilfen erläutert der Urologie-Chefarzt.

Klinikum-Personalchef Martin Neuhaus (rechts) bedankt sich bei Referent Chefarzt Professor Thomas Bschleipfer für seinen anschaulichen Vortrag.
von Siegfried BühnerProfil

Dass ein Vortrag über „Männer und Inkontinenz“ auch „mehr als ein Frauenthema“ sei, war schon in der Einladung zum Ausdruck gebracht worden. Trotzdem interessierten sich für den Vortrag des Chefarztes der Urologie am Klinikum Weiden Professor Thomas Bschleipfer auch viele Frauen. Das Thema betraf ausschließlich die Harninkontinenz. Es war die Auftaktveranstaltung der neuen Herbst-/Winter-Vortragsreihe „Chefarzt im Gespräch“.

Mit zahlreichen, auch humorvollen, Bildern und Anekdoten wollte der Referent dem Thema den Tabu-Charakter nehmen. Dass ihm das gut gelang, zeigten Beifall, Lachen, Fragen und anhaltende Aufmerksamkeit des Publikums. Im Gedächtnis des Publikums wird sicher auch das Bild eines erst kürzlich im Klinikum Weiden behandelten Patienten bleiben. Dieser hatte sich zahlreiche große Unterlegscheiben über sein Glied gezwängt, um Inkontinenz zu verhindern und sich gleichzeitig zu stimulieren. Professor Bschleipfer berichtete, dass letztlich ein Feuerwehrmann den Klinikärzten bei der Befreiung des Männlichkeitsorgans helfen musste. Mit dem Bild solle illustriert werden, dass es besser sei, bei männlicher Inkontinenz den Urologen frühzeitig um Hilfe zu bitten.

Begonnen hat der Vortrag mit der grundsätzlichen Aussage, dass Inkontinenz bei Frauen häufiger vorkommt. Je älter aber Männer werden, desto mehr würden sich die Betroffenen-Zahlen angleichen. Bereits 10 Prozent der sechzigjährigen Männer würden unter dieser Krankheit leiden. Sehr ausführlich wurden Therapiemöglichkeiten aufgezeigt. Die Behandlungsmethoden seien dabei abhängig von den verschiedenen Arten und Ursachen der Inkontinenz. Eine Art sei die Stress- und Belastungsinkontinenz, die zum Beispiel beim Heben schwerer Gegenstände oder beim Husten und Lachen auftreten könne. Daneben stehe die Dranginkontinenz, bei der es die Betroffenen oft nicht mehr schaffen würden, rechtzeitig zur Toilette zu kommen. Im Falle der Überlaufinkontinenz könne die Blase nicht mehr vollständig geleert werden und es komme selbst nach dem Toilettengang zum unkontrolliertem Urinverlust. Eine neurogene Inkontinenz liege dann vor, wenn die Kommunikation zwischen Gehirn und Blase nicht mehr funktioniert. Oftmals gebe es Schnittmengen dieser Fallarten, betonte Bschleipfer.

Bei der Entstehung von Inkontinenz spielt laut dem Referenten die im Alter immer größer werdende Prostata eine große Rolle. Sie führt zu Engpässen unterhalb der Blase. Auch Störungen des Schließmuskels der Blase treten häufig auf. Ausführlich widmete sich der Chefarzt den zahlreichen Therapiemöglichkeiten, beginnend von der Beseitigung der Enge in der Harnröhre oder der Prostata durch einen operativen Eingriff. Eingesetzt werden kann auch der „Greenlight-Laser“, bei dem Gewebe verdampft wird. Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen auch Blasenschrittmacher, Katheder, Einlagen, sogenannte Männerbänder, Polster („Bulking Agents“) bis hin zu Implantaten in Form eines künstlichen Schließmuskels. Alles sei abhängig von der jeweiligen Erscheinungsform der Inkontinenz, so Bschleipfer. Auch konservative Methoden wie Beckenbodentraining, Elektrostimulation oder das Biofeed-Training wurden genannt. Bei Medikamenteneinsatz sei wegen der Nebenwirkungen oftmals Vorsicht geboten, sagte der Referent. Berücksichtigt werden müsse beim Therapieeinsatz zwingend, ob vorher eine Bestrahlungstherapie stattgefunden hat. Heilungschancen oder zumindest positive Wirkungen der Therapien reichen – oftmals allerdings erst nach längeren Behandlungszeiten – bis zu 90 Prozent aller Fälle.

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