14.04.2021 - 14:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Natur Pur": Gelegenheit, seltene Tierarten kennenzulernen

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Waldgiraffen, Braunkehlchen oder die Mondraute: diese seltenen Tiere und Pflanzen sind es wert, dass sie beobachtet werden. Das kann eine sehr schöne Reise in ungeahnt vielfältige Welten sein, betont unser LBV-Mann Wolfgang Winter.

Ein Okapi lässt es sich im Zoo Berlin schmecken.

Von Wolfgang Winter

Die dunkelschönen Augen einer Kuh, die aus einem Giraffen-Kopf herausschauen, der vor einem massigen Bullen-Körper sitzt, der wiederum hinten mit einem Zebra-Arsch aufhört, das sind die Erkennungs-Merkmale eines Okapis. Diese auch „Waldgiraffen“ genannten Tiere leben in den Regenwäldern Zentralafrikas. In den Oberpfälzer Wäldern wird man dieses seltsame Wesen nicht antreffen können. Selbst in deutschen Zoos ist das Okapi, im Gegensatz zu den nahe verwandten Giraffen, nicht selbstverständlich.

Eine sehr schöne Gelegenheit, die Art zumindest literarisch kennenzulernen, ist ein Buch: In Ihrer detailfreudig und geistvoll erzählten Verliebtheits-Geschichte „Was man von hier aus sehen kann“ lässt die Autorin Mariana Leky hin und wieder ein Okapi erscheinen (was im Roman leider immer Unheil bedeutet).

Ebenfalls in diesem Buch nennt Leky mehrmals einen buddhistischen Lehrsatz, der sehr bemerkenswert ist: Wenn wir etwas anschauen, kann es aus unserer Sicht verschwinden, aber wenn wir nicht versuchen, es zu sehen, kann dieses Etwas auch nicht verschwinden. Auf den ersten Blick klingt das nach Blödsinn. Aber ein zweiter und ein Nachdenken darüber könnte sich lohnen.

Wenn wir nicht versuchen, es zu sehen, kann es auch nicht verschwinden. Wir würden zumindest nicht bemerken, dass verschwindet, was niemand zu sehen versucht hat. Hätten nicht engagierte Naturbeobachter und Vogelschützer in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Rückgang verschiedener Greifvogelarten beobachtet und darauf hingewiesen, wären manche Arten vermutlich für immer verschwunden, und DDT wäre nicht verboten worden. Wer kann etwa heimisch Farn-Arten unterscheiden und so Hinweise auf Bestandsrückgang oder Ausbreitung geben?

Wer würde bemerken, dass das Braunkehlchen in unseren Feldfluren fast ausgerottet sind, wenn nicht „Freaks“ den Gesang und das Verhalten dieses kleinen Vögelchens kennen und beobachten würden. Es lohnt sich „etwas anzuschauen“ oder, Pflanzen- und Tierarten bestimmen und unterscheiden zu können. Das kann eine sehr schöne Reise in ungeahnt vielfältige Welten sein, und es kann wichtig sein. Es wird immer wichtiger.

Solange Gruppen-Exkursionen nicht möglich sind, bieten die Seiten: www.lbv.de/ratgeber oder die Seite der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz: neustadt-weiden.lbv.de/naturwissen einen guten Einstieg in die Artenkenntnis. Dort wird auch das aktualisierte Programm zu finden sein, sobald Veranstaltungen wieder möglich sind.

"Natur Pur": Klein aber fein – das Frühlings-Hungerblümchen

Weiden in der Oberpfalz
Die Serie:

"Natur Pur" von Wolfgang Winter

Wolfgang Winter ist beruflich wie privat viel in der Natur in und um Weiden unterwegs und engagiert sich beim Landesbund für Vogelschutz (LBV). Für unsere Leser berichtet er über Fundstücke beim Spaziergang am Wegesrand.

Die Mondraute ist ein sehr seltener kleiner Farn, der in lichten Wäldern auf mageren Böden vorkommt, so auch in den Wäldern am westlichen Stadtrand von Weiden.
Ein Braunkehlchen.

 

 

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