Weiden in der Oberpfalz
07.09.2021 - 09:53 Uhr

Naturfilmer Thomas Stock besorgt: "Wir müssen umdenken"

So etwas hat es auf der Erde nur sehr selten gegeben: "Wir befinden uns inmitten des größten Artensterbens seit 60 Millionen Jahren", sagt Naturfilmer Thomas Stock in Weiden. Und schuld sind die Menschen.

Nichts zu finden. Der Mensch verdrängt immer mehr Insekten aus ihrer natürlichen Umgebung und dies nicht nur in der Stadt, weiß Naturfilmer Thomas Stock. Bild: Kunz
Nichts zu finden. Der Mensch verdrängt immer mehr Insekten aus ihrer natürlichen Umgebung und dies nicht nur in der Stadt, weiß Naturfilmer Thomas Stock.

Die vierte Dokumentation des Vohenstraußer Filmemachers Thomas Stock befasst sich mit der sommerlichen Insektenwelt an der Pfreimd.

Beim Themennachmittag „Land und Wasser“ packten Grünen-Bundestagskandidatin Anne Droste und Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol am Donnerstagnachmittag in den Räumen des "Kunstvereins Weiden" Stocks atemberaubende Einblicke in die heimische Artenvielfalt beim Schopf, um nach der Filmvorführung gemeinsam mit dem Naturfilmer über die Gefahren für die Natur zu diskutieren.

Die Staatsregierung verspreche zwar, Insekten zu schützen. Aber dass diese Schutzmaßnahmen vor Ort von Experten wirklich auch mal überprüft würden, davon habe er bisher noch nichts bemerkt, erklärte Stock, der fast täglich mit seiner Kamera in Wiesen und an Gewässern unterwegs ist. Wie er auch in seinem Film darstellt, zerstörten Pestizide, die vom Wind bis in die äußersten Winkel verweht würden, den Lebensraum gerade von Kleinstlebewesen. Viele Schmetterlingsarten seien vom Aussterben bedroht.

Zur Filmerei sei er über musikalische Workshops geraten, erzählt der Schlagzeuger im Gespräch mit Oberpfalz Medien. "Meine Insektenliebe ist seit Kindheit da." Vor zwölf Jahren habe sich diese Leidenschaft für Insekten mit seinen Workshop-Erfahrungen verbunden. "Ich wollte einmal ausprobieren, wie es sei, einen Insektenfilm zu machen und die Szenen selber musikalisch zu unterlegen." Sofort habe er gespürt, wie interessant und spannende das sei. Im Laufe der Jahre habe er sich denn auch die entsprechende Ausrüstung zugelegt, habe sie immer wieder umgerüstet und spezialisiert. Seither krieche er auf allen Vieren mit dem Stativ in der Hand durch die Flure.

"Je mehr man sich mit den Insekten beschäftigt, desto mehr stößt man auf das Dilemma und damit auf die gesamte ökologische Problematik." Je mehr auch er sich mit dem Thema beschäftige, desto reicher werde sein Wissen. "Das steigt von Tag zu Tag." Wissenschaftler formulierten es knallhart: "Wir befinden uns inmitten des größten Artensterbens seit 60 Millionen Jahren. So etwas hat es auf der Erde nur ganz selten gegeben." Leider müsse er dem Menschen die Schuld anrechnen, sagt Stock. "Wir müssen anders agieren und umdenken. Möglichst bald. Es geht um die Generationen, die nach uns kommen."

"Immer mehr, immer weiter und alles auf Kosten unserer Welt, in der wir leben, ist der falsche Weg." Der Mensch sei wahrscheinlich nur so erfolgreich geworden auf der Erde, weil er diese Wesenszüge besitze. "Aber inzwischen sind wir in einer Menge auf der Erde, dass uns dies nicht mehr zum Vorteil gereicht." Stock: "Nachdem uns der Herrgott Vernunft und Verstand mitgegeben hat, sollten wir den jetzt wirklich auch einsetzen." Es hapere vor allem in Bereichen, in denen in den letzten Jahrzehnten nur auf Gewinnmaximierung gesetzt worden sei: In der industriellen Landwirtschaft oder bei der Energiegewinnung. "Vielleicht hätten wir schon viel früher aus den Kohlekraftwerken aussteigen können oder wir wären schon viel weiter, wenn wir gar nicht erst über die Kernkraft gegangen wären."

"Es ist aller höchste Zeit. Es gibt viel zu tun, sonst schauen die nächsten in die Röhre. Den Klimawandel kann man nicht mehr leugnen. Die Abgase sind zu hoch." Es wäre schön, wenn seine Filme die Menschen inspirierten. "Ich lege sie jedenfalls so an. Ich glaube, dass der Mensch nicht so sehr darauf reagiert, wenn man mit dem Zeigefinger auf etwas hinweist. Wenn man ihm aber zeigt, was es noch zu retten und zu schützen gibt und wenn man versucht, ihn auf faszinierende Weise in diese Welt eintauchen zu lassen, kann man ihn vielleicht beeindrucken." Auch kleine Nadelstiche seien erlaubt. "Ich versuche, über die positive Art, die Menschen mitzunehmen."

"Ob ich schon etwas bewirkt habe?" Woran wolle man das messen? "Ich merke, dass das Interesse an den Filmen steigt. Insofern kann man vielleicht schon schlussfolgern, dass ich etwas damit bewirke." Auch wenn er den Zuschauer nur zum Nachdenken bewege. "Auch Kritik zeigt, dass sich die Menschen wenigstens geistig mit der Problematik auseinandergesetzt haben, was sie vorher vielleicht nicht getan hätten." Ausschnitte aus seinen Filmen wurden bereits im Fernsehen gezeigt. Ein kompletter Film in einem Kino im Bayerischen Wald anlässlich der NaturVision Tage.

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Weiden in der Oberpfalz31.08.2021
Naturfilmer Thomas Stock (rechts) präsentierte den Gründen-Vertretern, Stadträtin Laura Weber, Bundestagskandidatin Anne Droste und MdL Jürgen Mistoll seinen Insektenfilm. Bild: Kunz
Naturfilmer Thomas Stock (rechts) präsentierte den Gründen-Vertretern, Stadträtin Laura Weber, Bundestagskandidatin Anne Droste und MdL Jürgen Mistoll seinen Insektenfilm.
Rettet die Bienen! Bild: Kunz
Rettet die Bienen!
 
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