Ab kommenden Montag dürfen Kinder im Landkreis Neustadt nur noch in Tageseinrichtungen gebracht werden, wenn an zwei Tagen pro Woche ein Corona-Schnelltest gemacht wurde. Das Landratsamt regle dies per Allgemeinverfügung, informiert Pressesprecherin Claudia Prößl. Eltern müssen der Einrichtung nun entweder schriftlich bestätigen, dass sie die Kinder mit einem Selbsttest negativ getestet haben oder den Nachweis einer Teststelle oder eines Arztes vorzeigen. Eltern erhalten in der Kita Berechtigungsscheine zum kostenlosen Abholen der Schnelltests in Apotheken. Der Selbsttest darf höchstens 24 Stunden vor Beginn des jeweiligen Betreuungstags vorgenommen worden sein.
Das Stadtjugendamt Weiden orientiert sich am Rahmenhygieneplan der Regierung, teilt Stadt-Pressesprecher Norbert Schmieglitz auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Da dieser derzeit überarbeitet wird, wird abgewartet, welche Neuerungen geplant sind. Zudem orientieren sich die Verantwortlichen an den Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege vom Dienstag. Demnach müssen Träger von Kindertageseinrichtungen und Heilpädagogische Tagesstätten sowie Kindertagespflegepersonen für die Buben und Mädchen drei Coronatests pro Betreuungswoche anbieten. Bis 31. Dezember werden vier statt bisher drei Berechtigungsscheine ausgegeben, pro Berechtigungsschein erhalten Familien zehn Selbsttests. "Das bedeutet für die Praxis, dass von der Kita Berechtigungsscheine ausgegeben werden und die Eltern selbstverantwortlich dreimal wöchentlich ihr Kind testen müssen", betont Schmieglitz.
Im Landkreis gibt es 75 Einrichtungen für die Betreuung von Kindern vom Krippen- bis zum Vorschulalter. Insgesamt werden ungefähr 3860 Buben und Mädchen betreut. In Weiden sind es 40 Einrichtungen mit insgesamt 1700 Kindern. Wir haben uns bei einigen Kitas und Kindergärten umgehört, was die neue Regelung für sie bedeutet und wie sie in der Praxis umgesetzt werden kann.
- Kindertagesstätte St. Michael Weiden
Eine Erzieherin in der Kindertagesstätte St. Michael Weiden vermutet, dass es auch nicht mehr Aufwand sein wird als bisher sowieso schon. Zettelwirtschaft und Bürokratie nehmen zu, "aber wenn's hilft, dass wir besser durch die Pandemie kommen, dann machen wir alles". Hauptsache sei, dass die Kita offen bleiben könne und die Kleinen nicht wieder in Notgruppen müssten. Auf jeden Fall werde aber der Aufwand für die Eltern größer, deswegen müssten alle zusammenhelfen und an einem Strang ziehen. Insgesamt besuchen 114 Kinder die Einrichtung. "Wir versuchen unser Bestes", ergänzt Inga Hinz. Die Geschäftsführerin der neun evangelischen Kindertagesstätten im Dekanat Weiden befürchtet allerdings ebenfalls "viel mehr Aufwand für die Eltern". Wegen der bisherigen Coronaregelungen habe es sogar schon einige Kündigungen von Betreuungsplätzen gegeben.
- Evangelisches Haus für Kinder Gottfried Sperl in Vohenstrauß
Von einem großen Zusatzaufwand spricht auch Karina Aschka, stellvertretende Leiterin des Evangelischen Hauses für Kinder Gottfried Sperl, in dem 158 Buben und Mädchen betreut werden. "Aber wir sind froh, wenn die Eltern ihre Kinder testen, damit die Einrichtung offen bleiben kann." Ob andere Möglichkeiten besser wären, könne sie nicht sagen. Wenn sich ein Kind krank fühlte, brauchte es jedoch bisher auch eine Bestätigung von Eltern oder einem Arzt, "in dem Zusammenhang wird es jetzt dann auch nicht recht viel anders als vorher".
- Städtische Kindertagesstätte Eschenbach
Elvira Brand, Leiterin der städtischen Kindertagesstätte Eschenbach, sieht allein schon wegen der Dokumentation, dass jede Familie pro Woche zwei Tests einreicht, mehr Aufwand auf alle Beteiligten zukommen. Sie ist aber froh, dass es jetzt verpflichtend ist, die Kinder zu testen. Solange es freiwillig war, sei die Teilnahme recht gering gewesen. "Wir hätten uns gewünscht, dass sich mehr Eltern beteiligen", sagt Brand. Jetzt sei sie aber "positiv gestimmt". Mit ihrem Team betreut sie 125 Kinder, deren Eltern per Elternbrief und Kita-App informiert worden seien.
- Kindergarten und Kinderkrippe St. Martin in Neustadt/WN
Trotz des Mehraufwands sei künftig gewährleistet, "dass Kinder engmaschig getestet werden", findet Theresa Uhl, Leiterin des Kindergartens und der Kinderkrippe St. Martin. "Ich hoffe, wir kommen so symptomfrei durch den Winter." Die Eltern der insgesamt 106 betreuten Kinder seien ebenfalls per Kita-App informiert worden. Die Ausgabe von Berechtigungsscheinen sei anfänglich recht schleppend vorangegangen. "Jetzt nehmen die Eltern es ernst." So ernst, dass in Neustädter Apotheken die Tests bereits wieder knapp werden und die Eltern nach Weiden fahren müssen, um welche zu besorgen.
- Kinderhaus St. Elisabeth in Mantel
Dass Tests Mangelware sind, hat auch Doris Weigl, Leiterin des Kinderhauses St. Elisabeth, festgestellt. Die Apotheke in Weiherhammer erhalte erst kommende Woche wieder welche. Davon abgesehen bedeute die neue Regelung "logischerweise mehr Aufwand, der Papierkrieg wird nicht weniger". Bereits im Vorfeld habe den Eltern gegenüber Aufklärungsarbeit geleistet werden müssen. Weigl und ihr Team müssen sich künftig darauf verlassen können, die Tests regelmäßig zu erhalten, denn es könne auch stichprobenartige Kontrollen geben. Bei den freiwilligen Tests hatte auch Weigl wie ihre Eschenbacher Kollegin einen Rückgang festgestellt. Aber die Eltern machten nun mit, weil sie nun wieder vorsichtiger würden. "Wir nehmen den Mehraufwand auf uns und tun unser Bestes. Nun müssen wir hoffen, dass die Maßnahme auch greift."
Vorgaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums
- Träger von Kindertageseinrichtungen und Heilpädagogische Tagesstätten sowie Kindertagespflegepersonen sind verpflichtet, den von ihnen betreuten, nicht eingeschulten Kindern drei Corona-Tests pro Betreuungswoche anzubieten
- Ausgabe von Berechtigungsscheinen ermöglicht kostenlose Abholung von Selbsttests in Apotheken
- pro Kind werden bis 31. Dezember nun vier statt bisher drei Berechtigungsscheine ausgegeben
- pro Berechtigungsschein erhalten Familien zehn Selbsttests
"Wir nehmen den Mehraufwand auf uns und tun unser Bestes. Nun müssen wir hoffen, dass die Maßnahme auch greift."
















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