Weiden in der Oberpfalz
06.02.2026 - 15:08 Uhr

Neue Feuerwache in Weiden: Alter Volksfestplatz schlägt Bauhof

Synergien am Bauhofgelände, mehr Platz am Alten Volksfestplatz. Beide Standorte für eine neue Feuerwache haben Vor- und Nachteile. Nach Diskussionen im Bauausschuss gibt es einen Favoriten und Neuigkeiten zum Altlastenproblem.

Der Neubau der Feuerwache in Weiden drängt. Der bisherige Standort an der Ecke Landgerichts-/Luitpoldstraße platzt aus allen Nähten. Hallen und Tore sind für neue Fahrzeuge zu klein dimensioniert, es fehlt an zeitgemäßen Schulungsräumen und sanitären Einrichtungen. Von Parkplätzen für die Einsatzkräfte ganz zu schweigen. Der letzte Umbau ist 37 Jahre her, Erweiterungsflächen sind nicht vorhanden.

Erste Planungen für einen Neubau stammen aus dem Jahr 2018. Seit Juli 2022 gibt es einen Beschluss, der das Gelände des städtischen Bauhofs an der Vohenstraußer Straße als möglichen Standort ins Auge fasst. Stadtbrandrat Richard Schieder bemerkte schon damals, dass es lange dauern könne. Die Führungsriege hakte regelmäßig bei den politisch Verantwortlichen nach: "Die Weidener Wehr kommt an ihre Grenzen. Bitte treffen Sie endlich eine Entscheidung.“

Entscheidung mit Folgen

Eine Abordnung der Feuerwehr lauschte auch am Dienstag aufmerksam, als Oberpfalz-Medien zur Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl geladen hatte und sich die anwesenden Oberbürgermeister-Kandidaten zur Feuerwache bekannten. Dass der Neubau nach vorsichtiger Schätzung der Verwaltung bis zu 50 Millionen Euro kosten könnte, ist allerdings überholt. In der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Donnerstag hörten die Stadträte niedrigere Summen. Eine Herausforderung bleibt das Projekt trotzdem. Baudezernent Alkmar Zenger nannte die Vor- und Nachteile von Bauhof und der Alternative Alter Volksfestplatz. "Die Entscheidung, die jetzt getroffen werden muss, hat Auswirkungen auf die nächsten 50 Jahre", gab Zenger zu bedenken.

Ein knapp 13.000 Quadratmeter großes Grundstück auf dem ehemaligen Volksfestplatz (hier läuft die Rahmenplanung für ein urbanes Mischgebiet) muss zwar noch erworben werden, aber es biete Platz – auch für Erweiterungen. Beengt seien dagegen jetzt schon die Verhältnisse auf dem Bauhofgelände in der Vohenstraußer Straße. Die ursprüngliche Idee eines Planungskonzepts, hier Synergien zwischen Feuerwehr und Bauhof zu nutzen, könnte laut Zenger in der Praxis schwieriger werden als gedacht.

Beengte Verhältnisse

Für die neue Feuerwache müssten auf dem Bauhof im westlichen Bereich mehrere Gebäude abgerissen werden. Ersatzbauten würden im östlichen Teil entstehen. "Kaltlager, Salzhalle, ein Fahrzeuglager – das muss alles untergebracht werden. Das wird eng." Sollte einmal das "Striegl-Gelände" am Hammerweg als Ausweich-Lagerplatz für den Bauhof wegfallen, dann werde es noch enger, warf Markus Bäumler (CSU) ein.

Nicht optimal ist für Zenger die Verlegung des neuen Wertstoffhofs, der nah an die Wohnbebauung der "Krumpes Höfe" rücke. Hier müssten noch die Immissionswerte geprüft werden. Eingehalten werden müssen auch die Baugrenzen zu den Nachbarn (20 Meter). Als gemeinsame Ein- und Ausfahrt käme nur die Vohenstraußer Straße (Staatsstraße 2166) infrage. Das belaste die dortige Verkehrssituation zusätzlich. "Die B 22 als Zufahrt lehnen die Fachstellen ab", so der Baudezernent. Die Kosten für das Gesamtpaket an Neu- und Umbauten auf dem Bauhofareal bezifferte er mit rund 40 Millionen Euro. Die Förderung (ein Festbetrag pro Stellplatz) beträgt 5 Millionen Euro.

Auf dem ehemaligen Volksfestplatz könnte die Feuerwache mit 18 geplanten Stellplätzen und 6 für den Katastrophenschutz sowie ein kleinerer Erweiterungsbau entstehen. Die Zufahrt wäre über die Straße zum Schützenhaus geplant. Das Niederschlagswasser darf laut Umweltamt in den Krebsbach eingeleitet werden.

Eine Lösung zeichnet sich offenbar für das bisher größte Problem auf dem Platz ab - die vorhandenen Altlasten. Eine Grundwasseruntersuchung im Jahr 2011 zeigte erhöhte Barium-Werte. Die chemische Verbindung kommt natürlich im Boden vor, ist gelöst aber giftig. Seit Änderung der Bodenschutz- und Altlastenverordnung im Jahr 2021 liege man unter den Grenzwerten. "Es könnte also sein, dass der Festplatz als Verdachtsfläche aus dem Altlastenkataster rausfällt", machte Zenger Hoffnung. Allerdings müsse noch die Beprobung auf PFAS abgewartet werden. An Kosten nannte Zenger hier rund 34 Millionen Euro (ohne Grundstückskauf).

SPD für Bauhof

Die Stadträte tendierten mehrheitlich zum Neubau auf dem Alten Volksfestplatz. "Die Vorteile überwiegen dort leicht", sagte Bäumler. Den Bauhof halte er nicht für schlecht, allerdings zeichne sich jetzt schon ab, dass die Fläche beengt sei. Hildegard Ziegler (SPD) hielt den Bauhof wegen der Synergien für geeigneter und verwies auf ein Gutachten von 2022, das leider nie im Bauausschuss vorgestellt wurde. "Wir waren schon mal viel weiter und sollten es nochmal aufgreifen." Das fand keine Zustimmung. Gisela Helgath (Die Basis) und Bernhard Schlicht (FW) drängten auf eine schnelle Entscheidung und "keine Extrarunden mehr". Auch Stefan Rank (Bürgerliste) pressiert es. Er erinnerte nochmals an den notwendigen Feuerwehrbedarfsplan. Dieser sei unter anderem die Grundlage für die Hilfsfristen (10 Minuten) und für Fördergelder.

Dem widersprach der anwesende Dienststellenleiter der Feuerwehr Weiden, Michael Wirth, nachdem ihn Oberbürgermeister Jens Meyer gebeten hatte, sich zu äußern. Der OB merkte dazu an, dass es eine Feuerwehrbedarfsplanung gebe. Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigte die Pressestelle der Stadt Weiden, dass eine solche seit 2015 bestehe. Allerdings sei sie nicht finalisiert worden. Doch auch ohne den formellen Plan werde das Einhalten der Hilfsfristen durch die Feuerwehr geprüft, heißt es weiter. Von beiden Standorten wurden Testfahrten mit Sonderrecht nach Weiden-West unternommen. Die Fahrzeit betrug circa 7 Minuten, so die Presseauskunft.

Am Ende der Sitzung hatte die Fläche am Hetzenrichter Weg die Nase vorn und es gab einen Beschluss mit 9:2 Stimmen (SPD dagegen). Die Verwaltung soll weitere Details prüfen. Möglichst schnell soll es mit den Grundstücksverhandlungen weitergehen.

Hintergrund:

Standort Bauhof und Alter Festplatz im Vergleich

  • Bauhofgelände, Vohenstraußer Straße:
  • Baurecht vorhanden (Bebauungsplan von 1976), Grundstück gehört der Stadt.
  • Gemeinsame Nutzung der Gebäude, Tankstelle etc. von Bauhof und Feuerwehr (Synergien).
  • Mehrere Bauphasen, u.a. Ersatzneubau der Bauhof-Verwaltung, Ersatzneubau des Wertstoffhofs im östlichen Bereich, Verlagerung mehrerer Hallen in den östlichen Bereich; weitere Sanierungen notwendig? Voraussichtliche Bauzeit: 2 Jahre.
  • Zufahrt ausschließlich über die Vohenstraußer Straße (Staatsstraße 2166).
  • Baukosten: ca. 40 Mio Euro (Gesamtmaßnahme); Fördersumme: 5 Mio Euro
  • Alter Volksfestplatz, Hetzenrichter Weg:
  • Die Fläche muss gekauft werden, Verhandlungen mit Eigentümer laufen.
  • Eine im Juli 2025 vom Bauausschuss beschlossene Vorzugsvariante sieht ein urbanes Mischgebiet mit Studentenwohnungen, Gewerbe und Platz für die Feuerwache (ca. 13.000 Quadratmeter) vor.
  • Rahmenplanung soll bis Sommer 2026 abgeschlossen sein. Danach öffentliche Auslegung, Bebauungsplan etc.. Voraussichtliche Bauzeit: 2 Jahre.
  • Zufahrt über die Straße zum Schützenhaus; erhöhte Verkehrsbelastung Kreuzung Hetzenrichter Weg/Süd-Ost-Tangente.
  • Beseitigung von Altlasten noch nicht abschließend geklärt.
  • Baukosten: ca. 34 Mio Euro (ohne Grundstückskauf), 5 Mio Förderung
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