07.01.2019 - 17:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neue Mauer für Jüdischen Friedhof

Die neue Mauer steht. Der Ärger ist vergessen. Zur Freude der Jüdischen Gemeinde ist der Eingangsbereich des neuen jüdischen Friedhofs im Weidener Westen jetzt fast fertig.

Verhüllt wie bei Christo präsentiert sich die neue Mauer am Eingang zum jüdischen Friedhof im Weidener Westen. Der Beton muss aushärten. Die "Enthüllung" dürfte im Februar erfolgen, meint Vorsitzender Leonid Shaulov.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Dabei war es schon einmal so weit. Bereits Ende 2015 war der Eingangsbereich für das Gelände, das an den Waldfriedhof in Weiden-West anschließt, fertiggestellt. Doch damals währte die Freude nicht lange. Zu Jahresbeginn 2018 stellte ein Gemeindemitglied fest: Das Tor lässt sich nicht mehr öffnen. Alles hatte sich verzogen.

Schuld daran war nach Auskunft des Architekten nicht das Bauunternehmen, das die Mauer errichtet hatte, sondern ein Vorlieferant. Der hatte den Betonmischer offenbar nach seiner Lieferung nicht vollständig gereinigt. Das wiederum führte zur Verunreinigung des Betons für das Friedhofsfundament mit nicht frostsicherem Material. Die Konsequenz: Die komplette Mauer im Eingangsbereich musste wieder beseitigt werden (wir berichteten).

Doch diese Arbeiten ließen einige Zeit auf sich warten. Schließlich war auch eine Versicherung in diesen Fall involviert. Es dauerte Monate bis die Entscheidung vorlag. Dann nahm das zuständige Bauunternehmen aus dem Landkreis Neustadt die Arbeiten in Angriff. Entfernte die alte Mauer und die Betonüberbleibsel im Eingangsbereich. Kurz vor Weihnachten wurde die neue Mauer gegossen.

Für Leonid Shaulov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Weiden, ist damit alles wieder in Ordnung. "Wir sind sehr zufrieden." Sobald die Mauer ausgehärtet ist, kann auch das Tor eingehängt werden. "In einem Monat ist alles beendet", rechnet er. Im April/Mai soll das 1500 Quadratmeter große Gelände noch einmal gereinigt werden. Theoretisch könnte dann auch die erste Beerdigung auf dem neuen Friedhof abgehalten werden. Wann es so weit ist, lässt sich natürlich nicht konkret vorhersagen. Nur so viel kann Shaulov sicher sagen: Auf dem alten jüdischen Friedhof in Weiden sind nur noch zehn Bestattungen möglich.

Warum ist die Mauer so schlicht und wuchtig? Architekt Gerhard Plaß erläutert die Konstruktionsgedanken:

Rückbesinnung auf das Wesentliche

Nicht jedem Bürger gefällt die Mauer im Eingangsbereich zum neuen jüdischen Friedhof in Weiden-West. Warum ist die Mauer so wuchtig? Eine Frage, die immer wieder mal zu hören ist. Antworten darauf hat Architekt Gerhard Plaß aus Thiersheim, der für das Bauwerk verantwortlich zeichnet.

"Ein Friedhof ist für jüdische Mitbürger eine Art Zwischenwelt, in der man verweilt bis zum Jüngsten Gericht. Deshalb gilt dieser Ort auch als unrein. Und deshalb ist in der Mauer auch ein Waschbecken verborgen, in dem man sich reinigen kann." Doch das ist nicht die einzige Besonderheit, die sich in dem Bauwerk verbirgt. In der Rückseite befindet sich ein größeres Verwahrfach für Utensilien, die für die Friedhofspflege benötigt werden.

"Wir haben die Mauer außerdem bewusst schräg gestellt. Das schafft im Eingangsbereich einen Platz zum Sammeln." Jüdische Friedhofe seien generell sehr schlicht gehalten. Die Gräber würden nur durch Steine gekennzeichnet. Es gebe keinen Grabschmuck. Deshalb sei auch die Mauer ganz schlicht konstruiert.

Immerhin sei das Bauwerk nach der ersten Fertigstellung von der Bayerischen Architektenkammer für den Aktionstag "Architektouren" ausgewählt worden. "Als Beispiel für eine sehr gut gestaltete Außenanlage. Und wenn die Bayerische Architektenkammer das findet, dann verlasse ich mich darauf." Die Jüdische Gemeinde Weiden habe damals allerdings ihre Zustimmung verweigert. Die Verantwortlichen wollten wohl nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, vermutet der Architekt.

"Die Mauer ist bewusst schlicht und karg gehalten. Sie steht damit zugleich für die Rückbesinnung auf das Wesentliche im Leben."

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