22.10.2021 - 18:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neuer Chef für die 3000 Mitarbeiter der Kliniken Nordoberpfalz AG gesucht

Jetzt wird’s ernst: Der bisherige Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz geht zum 31. Oktober. Ein neuer Chef muss her. Der Aufsichtsrat trifft sich deshalb am Dienstag. Fällt er keine Entscheidung, hat das heftige Folgen für einen Politiker.

Die Kliniken Nordoberpfalz AG braucht einen neuen Mann oder eine neue Frau an der Spitze. Obendrein steht die AG als Gesellschaftsform zur Debatte.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Die gute Nachricht vorneweg: Führungslos bleibt die Kliniken Nordoberpfalz AG auch nach dem Ausscheiden des Vorstandes Dr. Thomas Egginger Ende Oktober bestimmt nicht. Das lässt das Aktienrecht nicht zu.

Fehlt demnach ab November ein Vorstand, muss der Chef des Aufsichtsrats übernehmen. Nein, Tirschenreuths Landrat Roland Grillmeier muss dann nicht als Kliniken-Chef ran. Er gibt just zum Monatswechsel den Vorsitz des Aufsichtsrates turnusgemäß weiter an Weidens Oberbürgermeister Jens Meyer. Der wiederum hat damit einen Zweitjob in Aussicht, der wohl kaum zu stemmen wäre.

Entsprechend fieberhaft dürfte nach einem Nachfolger für Egginger gesucht werden. Fest steht er allerdings noch nicht. Hier muss erst der Kliniken-Aufsichtsrat entscheiden. Dieser wird am Dienstag, 26. Oktober, tagen. Auf der Agenda ganz oben steht die Diskussion über einen neuen Mann oder eine neue Frau an der Spitze der Kliniken AG. Die Vertreter der drei Gebietskörperschaften, Weiden, Landkreis Neustadt und Landkreis Tirschenreuth, haben in der letzten nichtöffentlichen Sitzung dem Vernehmen nach versprochen, Lösungen vorzustellen. Und in der Tat: Laut Informationen von Oberpfalz-Medien gibt es Kandidaten.

Es gibt Bewerbungen

Zur Vorgeschichte: Nach nur eineinhalb Jahren als Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG muss der Vorstand, Dr. Thomas Egginger, Ende Oktober gehen. „Einvernehmlich“ erfolge die Trennung, ließen die kommunalen Träger, die Stadt Weiden sowie die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth, vor knapp einem Monat verlautbaren. Unvermeidbar ist sie aber wohl auch gewesen, nachdem als offizieller Trennungsgrund „erhebliche Differenzen“ zwischen Vorstand, Aufsichtsrat, Gesellschaftern und Restrukturierungsberatern „unter anderem über die zukünftige unternehmensstrategische Ausrichtung“ genannt werden. Nun braucht es ab November einen Nachfolger.

Nach Informationen von Oberpfalz-Medien steht dieser noch nicht fest. Aber es gibt Bewerbungen. Und das, obwohl die Stelle gar nicht ausgeschrieben war. Oberbürgermeister Jens Meyer sowie die Landräte Andreas Meier (Neustadt/WN) und Roland Grillmeier (Tirschenreuth) sollen sich entsprechend bemüht haben. Hinter vorgehaltener Hand ist von drei Kandidaten oder Kandidatinnen plus einem Ass im Ärmel die Rede. Als heißester Bewerber gilt wohl ein Mann von Oberender, der Bayreuther Beraterfirma, die seit nunmehr gut zwei Jahren in der Kliniken AG ein- und ausgeht und im Auftrag der drei Anteilseigner an einem Sanierungskonzept für die Kliniken AG arbeitete. Nötig ist die Sanierung, weil dem stark defizitären Unternehmen die Insolvenz drohte. Nur der Zuschuss von insgesamt 80 Millionen Euro aus den Händen der kommunalen Träger konnte das Aus der AG und damit die drohende Arbeitslosigkeit von knapp 3000 Mitarbeitern abwehren.

Heißer Kandidat aus Beraterkreis

Auf uneingeschränkte Zustimmung darf der Oberender-Kandidat im Aufsichtsrat aber wohl nicht hoffen. Dort ist man sich mitunter bewusst darüber, wie verbrannt allein der Name der Beraterfirma inzwischen in den Fluren der Kliniken AG ist, weil er als Synonym für das von vielen gefürchtete Sanierungskonzept gilt. Die Beschäftigten fürchten nach Schließung von Häusern, wie dem in Vohenstrauß Ende Juli 2020, weiteren Personalabbau. Dabei liegen auch die Vorteile des Bewerbers klar auf der Hand: Der Mann kennt das Unternehmen, die Abteilungen, deren Zahlen, er wäre vermutlich zeitnah verfügbar und als Externer in der Umsetzung des Sanierungskonzepts nicht durch alte Bande im Haus befangen.

Weg von der Aktiengesellschaft?

Noch aber bleiben wohl bis zu drei weitere Bewerber. Auch eine Frau soll darunter sein. Das heizt die Gerüchteküche kräftig an, gilt doch nur eine als Macherin und Bewahrerin vor der Insolvenz in Sachen Kliniken AG: Weidens Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. Die 67-Jährige selbst dementiert aber auf Nachfrage postwendend. Sie ist und bleibe zuständig für die Stadtfinanzen.

Das letzte Wort aber hat sowieso der Aufsichtsrat. Ob der jedoch am Dienstag tatsächlich eine Entscheidung treffen wird, ist fraglich. Nicht alle scheinen davon überzeugt zu sein, dass sofort ein Nachfolger gefunden werden muss. So ist mitunter zu hören, eine sorgfältige Auswahl sei nach der nun gescheiterten Ruck-zuck-Lösung mit Egginger – 2020 Nachfolger für den zurückgetretenen langjährigen Vorstand Josef Götz – wichtiger denn je. Interimslösungen seien auch Optionen.

Zeit lassen will sich der Aufsichtsrat wohl auch mit Blick auf einen weiteren, ganz anderen Punkt auf der Agenda – mit der Entscheidung, ob das Unternehmen die Gesellschaftsform wechselt: weg von der Aktiengesellschaft hin zur GmbH. Zum Hintergrund heißt es, damit könnten die Kommunen als Träger größeren Einfluss auf die Geschäftsführung nehmen als bisher. Gewerkschaftsvertreter fürchteten zuletzt, damit würde der Weg geebnet, das kommunale Unternehmen zu privatisieren. Diesem Schreckgespenst widersprechen die drei Träger regelmäßig vehement. Vielmehr bekräftigen sie, die Kliniken AG oder eventuell auch mal eine GmbH sollen in kommunaler Hand bleiben.

Menschen der Region gefordert

Alles andere wäre unwirtschaftlich, wurde das Unternehmen doch von den Kommunen mit mehr als 80 Millionen Euro Einlagen stabilisiert, heißt es. Dieses Geld wäre bei einem Verkauf weg, obendrein müssten dann Fördermittel in zweistelliger Höhe zurückbezahlt werden. Zudem habe ja das Gutachten der Beraterfirma der Kliniken AG die Sanierungsfähigkeit und damit eine Zukunft bescheinigt. Rendite wolle keine der Kommunen einfahren. Aber solides Wirtschaften sei ein Muss. Dazu müssten auch wieder mehr Patienten gewonnen werden. „Hier nehmen wir auch die Region und die Leute in der Region in die Verantwortung: Wer ein Krankenhaus vor Ort will, muss es auch nutzen“, erklärt Oberbürgermeister Jens Meyer seine Sicht, die auch die Kollegen und Landräte Andreas Meier und Roland Grillmeier teilen.

Kliniken AG verkündet, Vorstand muss gehen

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Bewegte Zeiten: Das ist seit 2019 in der Kliniken AG passiert

  • Dezember 2019: Rücktritt des langjährigen Vorstands Josef Götz, nachdem sich plötzlich ein Defizit zeigte
  • Januar 2020: Aufsichtsrat ernennt Ärztlichen Direktor Dr. Thomas Egginger zum neuen Vorstand
  • April 2020: Kliniken AG informiert über Einstellung des Betriebs sowohl am Krankenhaus Vohenstrauß als auch in der Orthopädischen Rehabilitation Waldsassen
  • Juni 2020: Orthopädische Rehabilitation in Waldsassen schließt
  • Juli 2020 Vorstand stellt dem Aufsichtsrat Sanierungsgutachten vor, demnach ist Sanierungsfähigkeit gegeben, aber es stehen „harte Einschnitte“ bevor
  • Ende Juli 2020: Krankenhaus Vohenstrauß schließt
  • November 2020: Der Aufsichtsrat wird von 21 auf 17 Mitglieder verkleinert, die Gesellschafter dritteln ihre Anteile an den Krankenhäusern; vormals hielt Weiden 51, Tirschenreuth 47,5 und Neustadt/WN 1, Prozent der Anteile an der AG
  • September 2021: „einvernehmliche Trennung“ von Vorstand Dr. Thomas Egginger und der Kliniken AG wegen „erheblicher Differenzen zur unternehmensstrategischen Ausrichtung“ zum 31. Oktober
  • 26. Oktober 2021: Aufsichtsrat wird über neuen Mann oder Frau an der Spitze diskutierten

 

 

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