Weiden in der Oberpfalz
23.10.2024 - 13:52 Uhr
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Neuer Chef fürs Internationale Keramik-Museum: Das sind seine Ideen

Der Leipziger Johannes Listewnik hat im Oktober die Leitung des Keramik-Museums übernommen. Die Umgestaltung der Räume, ein besseres Marketing und neue Ideen sollen für die Zukunft mehr Besucher locken. Auch finanziell eine Herausforderung.

Von Diana Asmus und Stephanie Hladik

Das Internationale Keramik-Museum gibt es seit 34 Jahren. Noch im Jahr 2020 war die Rede von einer möglichen Schließung. Doch Die Neue Sammlung in München, der das Weidener Museum zugeordnet ist, entschied sich für ein „Happy Ending“ und beschloss, das Museum zu renovieren. Die Verbindung Weidens zu Porzellan und Keramik soll weiter gefestigt werden.

Etwas verspätet (u. a. durch Corona) begannen im August 2024 die Modernisierungsarbeiten im Museum, das Stefanie Dietz bis zu ihrem Ruhestand Ende September leitete. Ihr Nachfolger ist der Leipziger Johannes Listewnik (34). Der neue Leiter möchte mit vielen Ideen frischen Wind ins Keramik-Museum bringen. Listewnik, der einen Bachelor in Germanistik, einen Masterabschluss in Kunstgeschichte und ein Studium der bildenden Kunst vorweisen kann, ist zudem selbst künstlerisch tätig und leitete in den vergangenen fünf Jahren die Galerie b2_ in Leipzig. Mit seinem Fachwissen auch als Veranstaltungsmanager will er nach Abschluss der Umbauarbeiten neue Projekte und Veranstaltungen realisieren, wie er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien sagt. Frühestens im Herbst 2025 werde es so weit sein.

Museum bleibt offen

In den kommenden Monaten sind einige Veränderungen zu erwarten. Die Neuorganisation finde jedoch im laufenden Betrieb statt, quasi „am offenen Herzen“, wie Sabine Guhl, Amtsleiterin für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus, auf Anfrage bildhaft beschreibt. Besucher hätten die Möglichkeit, die Modernisierung mitzuverfolgen und gleichzeitig die Ausstellungen zu besuchen, ohne dass das Museum vollständig geschlossen werden muss. Im Moment sei jedoch nur die halbe Ausstellung zu sehen.

Keramik – vor allem Porzellan – sei ein unverkennbares Markenzeichen der Region. Bekannt sei der „Weidener Blick“ auf die Unterseite der Kaffeetasse. Das Interesse an Keramik, besonders unter jungen Menschen, wachse stetig, was die Zeitlosigkeit und Relevanz von Kunst unterstreiche. „Internationale Werke und Unikate, die in Kooperation mit den Münchner Staatsmuseen präsentiert werden, sind für ein Museum dieser Größe keine Selbstverständlichkeit“, sagt Johannes Listewnik. Dies sei besonders wichtig für die, die noch nicht mit der Welt der Museen vertraut sind. „Kunst muss erlebt werden – ihre Emotionen und die Atmosphäre, die sie in einem Raum schafft, lassen sich nur schwer durch fotografische Abbildungen reproduzieren. Die digitale Ebene kann aber als Anreiz genutzt werden, um Interessierte zu motivieren, das Museum vor Ort zu besuchen.“

Ein Teil der Dauerausstellung ist in der Bauphase in Die Neue Sammlung nach München ausgelagert und wird erst im nächsten Jahr nach Weiden zurückkehren. Vor Ort befindet sich eine Sammlung von Seltmann-Porzellan aus China sowie „Antike Meisterwerke griechischer Vasenkunst“, internationale Stücke der Münchener Museen.

Der Muttone-Raum werde traditionell vom Förderverein „Die Keramischen e.V.“ betreut, in dem aktuell noch bis zum 27. Oktober Exponate der Künstlerin Elina Märtin zu sehen sind. Der Förderverein unterstützt das Museum seit elf Jahren. Auch beim „Kunstgenuss bis Mitternacht“ am Freitag, 25. Oktober, wird er vertreten sein.

Einfacher lesbare Infotafeln

Ziel sei, betont Listewnik, pünktlich zum 35-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr die Renovierung abzuschließen und das Haus mit neuen Exponaten und einer modernen Präsentation wiederzueröffnen. Die Ausstellung soll in seinen Augen bewusster gestaltet werden. Die Geschichte der Exponate soll direkt von Wandtafeln, statt auf Kärtchen in Vitrinen, ablesbar sein. Warme Grautöne an den Wänden und eine großzügige Raumaufteilung schaffen eine harmonische und einladende Atmosphäre.

„Das Keramik-Museum in Weiden soll auch in Zukunft ein bedeutender Anlaufpunkt für Inspiration bleiben“, fasst es der 34-Jährige zusammen. Der Meinung sind auch die Mitglieder im Kultur- und Tourismusbeirat. Ihnen stellte der neue Leiter vor wenigen Tagen ebenfalls seine Ideen vor, die nicht zuletzt von den finanziellen Gegebenheiten abhängen. Mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen weiß auch Johannes Listewnik: „Das Defizit muss runter, die Besucherzahlen rauf“.

Finanzspritze vom Freistaat

Das laufende „Refreshment“ sei ein Zusammenspiel der Stadt als Sachaufwandsträger und dem Freistaat, die im Jahr 2020 je 30 000 Euro dafür locker machten, wie die Pressestelle der Stadt Weiden auf Anfrage schreibt. Das Geld wurde unter anderem jetzt für Arbeiten an den Fußböden im 1. Stock und eine neue indirekte Vitrinenbeleuchtung verwendet. Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger verhalf den Münchnern in diesem Jahr zu weiteren 125 000 Euro für das Weidener Museum.

Das Geld auszugeben, dürfte kein Problem sein. Das Haus berge „internationale Schätze“, aber die Hülle ist in die Jahre gekommen, sagt Johannes Listewnik. Von der Fassade bis zu den Toilettenschildern gebe es einiges zu erneuern. Nicht mehr zeitgemäß sei vor allem die fehlende Barrierefreiheit. Ein Umstand, der schnell beseitigt werden müsse. Doch um das Museum in die Zukunft zu führen, braucht es nach Aussage des neuen Leiters vor allem eine veränderte Außenwirkung. „In der Stadt kennt kaum jemand das Keramik-Museum“, wunderte sich der 34-Jährige, als er nach Weiden kam. „Das darf nicht sein, denn es ist attraktiv.“ Das Problem habe er vor allem im mangelhaften Marketing ausgemacht. „Der öffentliche Auftritt wirkt altbacken.“ Er wolle die verschiedenen Zielgruppen ansprechen, fremdsprachige Führungen anbieten, Multimediaangebote schaffen und eventuell in Wechselausstellungen auch zeitgenössische Keramik zeigen, um so die Bürger für „ihr“ Keramik-Museum wieder zu begeistern.

Das sollte mit der Sammlung Seltmann und neuen Ausstellungsstücken von insgesamt sechs bayerischen Partnermuseen gelingen. Dr. Josef Strasser von der Neuen Sammlung entwarf laut Pressestelle der Stadt zwischenzeitlich ein Konzept für die Anordnung der Exponate, so dass zumindest aktuell die Vitrinen im 1. Obergeschoss bestückt werden konnten.

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Weiden in der Oberpfalz02.04.2024
Hintergrund:

Veranstaltungen im Keramik-Museum

  • Kunstgenuss bis Mitternacht am 25. Oktober von 18 bis 24 Uhr
  • Finissage der Künstlerin Elina Märtin am 27. Oktober
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