20.08.2019 - 17:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neuer Mittelstreifen in Sedanstraße keine Sperrfläche

Der Verkehr in der Sedanstraße ist langsamer, aber auch sicherer geworden. Stellvertretender Baudezernent Friedrich Zeiß ist überzeugt, dass sich der neue Mittelstreifen bewährt. Dessen Elfenbeinfarbe hat einen speziellen Hintergrund.

So sollte es eigentlich nicht sein: Radfahrerin schiebt auf dem Bürgersteig. Autofahrer parkt auf dem Radler-Schutzstreifen. Beim Vorbeifahren muss der nächste weit in den Mittelstreifen ausweichen. Spätestens zum Monatsende ist die Ampel am Issy-les-Moulineaus-Platz dunkel und zur Bedarfsampel umgebaut.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Bei der gemeinsamen Begehung der vor einer Woche ummarkierten Teile der Dr.-Pfleger- und Sedanstraße erläuterten Zeiß sowie Tiefbauamtsleiter Hubert Grillmeier, Ordnungsamtschef Reinhold Gailer sowie Andreas Bauer, Leiter der Verkehrsbehörde der Stadt Weiden, die Situation, mit der sich Fußgänger, Rad- und Autofahrer arrangieren müssen. Dabei räumen sie auch mit einigen Vorurteilen auf.

Teil der Fahrbahn

So ist beidseitig lediglich ein Radfahrer-Schutzstreifen abmarkiert, der aber "weiterhin Teil der Fahrbahn bleibt". Seien keine Radfahrer in der Nähe, könnten ihn auch die Autofahrer benutzen. Auf dem Fahrstreifen selbst müssten natürlich die 1,5 Meter Sicherheitsabstand zu Radfahrern eingehalten werden.

Würden weder Radler noch der Verkehr auf dem angrenzenden Fahrstreifen behindert, dürfe auf dem Radlerschutzstreifen sogar angehalten werden. "Höchstens drei Minuten. Das dürfte fürs Ein- und Aussteigen, nur das ist erlaubt, reichen", meint Bauer. Achtung: Be- und Entladen wiederum ist streng verboten. Es gebe jedoch ganz in der Nähe entsprechend nutzbare Flächen.

Eine besondere Rolle spielt der Mittelstreifen, dessen Funktion bei den Bürgern noch weitgehend unbekannt scheint. Er ist quasi "Aufstellfläche", Querungshilfe für die Fußgänger. Aber: Er ist offiziell auch keine Sperrfläche für Autofahrer. "Als Allzweckstreifen" dürfe er auch von den Autofahrern, etwa um an haltenden Fahrzeugen vorbeizufahren, genutzt werden. Seine ungewöhnliche Funktion mache auch seine Gestaltung deutlich. "Als Sperrfläche wäre er weiß und quer gestrichelt." Als Allzweckfläche ist er voll elfenbeinfarben markiert. Besonders Lastwagen- und Busfahrer müssen immer wieder auf ihn ausweichen, so Bauer.

Friedrich Zeiß, stellvertretender Bau- und Planungsdezernent sowie Leiter des Stadtplanungsamtes, bezeichnet die neue Markierung zwischen Neuem Rathaus (Dr.-Pfleger-Straße) und Bekleidungshaus C&A als "Provisorium auf dem Weg zur weichen Separierung". Zwei Jahre lang werden Erfahrungen gesammelt. Alle Verkehrsteilnehmer seien gleichberechtigt, zur Rücksichtnahme "und mehr Augenkontakt" angehalten. Weiden plane kein "Entweder-Oder" der verschiedenen Verkehrsarten, sondern das Miteinander.

Provisorium

Eine Alternative könne nach 2021 die schrittweise Umgestaltung zum "verkehrsberuhigen Geschäftsbereich" sein, unter anderem mit Tempo 20 und umgebauten Bordsteinen. Die Ausweisung als Fußgängerzone sei zwar nicht unmöglich, jedoch durch die überörtliche Verkehrsführung (sowohl Sedan- als auch Dr.-Pfleger-Straße sind Staatsstraßen) schwierig. Zudem entstand diese wichtige Trasse durch die Stadt mit dem Anker-Durchbruch, der wiederum Voraussetzung für die Fußgängerzone und die Altstadtsanierung war. Die Neugestaltung dieses Bereichs habe eine ähnlich epochale Bedeutung. Darum sei für die Entscheidungsfindung bereits ein neues Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben sowie der Wettbewerb Innenstadtentwicklung-West geplant. Aufgabe bleibe es jedoch auch, die Aufenthaltsqualität in diesem Teil der Innenstadt zu stärken.

Mit breiten Reifen knapp vorbei.
Stellplätze für Schwerbehinderte:

Stadt sorgt für Ersatz

Mit der Neugestaltung der Sedan- und Dr.-Pfleger-Straße verschwanden auch zwei heiß begehrte Behindertenstellplätze. Das große Lamento darüber sei aber unverständlich, denn es gebe, so betont Friedrich Zeiß, Leiter des Stadtplanungsamtes, mehr als ausreichend Ersatz und zwar in unmittelbarer Nähe: Bürger mit den entsprechenden Behinderten-Ausweis könnten grundsätzlich im "eingeschränkten Halteverbot" ihre Fahrzeuge bis zu drei Stunden abstellen". So hätten etwa - "direkt ums Eck"- im Stadtmühlweg (zur Dr.-Pfleger-Straße) bis zu fünf Behinderten-Fahrzeuge Platz. Ein entsprechender Stellplatz ist auch in der Leibnizstraße ausgewiesen. Bereits in wenigen Tagen, so verspricht Andreas Bauer, Leiter der Verkehrsbehörde, werde ein zusätzlicher Stellplatz, nämlich der erste "Längsparker" in der Kurt-Schumacher-Allee, für Schwerbehinderte reserviert.

Hier, im Stadtmühlweg, können bis zu fünf Schwerbehinderte ihre Fahrzeuge im eingeschränkten Halteverbot abstellen. Die betonen (von links) Andreas Bauer, Reinhold Gailer, Friedrich Zeiß und Hubert Grillmeier.

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