28.05.2019 - 12:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Niemals ein Hund: Und dann war es Liebe auf den ersten Blick

Es braucht nicht viel, um aus einem "Hund? Niemals!" ein "Nie wieder ohne" zu machen. Und doch verändert es das Familienleben entscheidend - ein paar haarsträubende Abenteuer inklusive.

Ist er nicht süß? Sammy im Alter von etwa 11 Wochen am Tag seiner Ankunft bei uns.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Einen Hund? Nicht mit mir. Das war meine erste Reaktion, und sie war berechtigt. Wellensittichen, Aquariumfischen, Hamstern und Hasen (in dieser Reihenfolge) war nur eine sehr begrenzte Aufmerksamkeitsspanne unserer Kinder vergönnt. Und nun wollte sich unser elfjähriger Sohn auf die nächste Herrchen-Stufe befördern? "Wir brauchen keinen Hund", pflegte ich zu meiner Frau zu sagen. "Wir haben zwei Kinder und damit Verantwortung genug." Sie stimmte mir zu. Anfangs.

Denn wie so oft drehte sich die 2:1-Situation (zwei Elternmeinungen gegen eine Sohnmeinung) mit der Zeit zu einem 1:2. Und so ließ ich mich von Sohn und Frau zu einem natürlich komplett unverbindlichen Familienausflug ins Weidener Tierheim breitschlagen. Gassigehen auf Probe mit einem Vierbeiner, den der Sohn auf der Homepage des Tierheims entdeckt hatte. Na, wenn's denn sein muss. Der Funke zwischen uns und der von Durchfall geplagten eineinhalbjährigen Hundedame mit schwarzem Fell wollte allerdings während des halbstündigen Spaziergangs nicht so recht überspringen. Dafür ging uns ein kleiner Rüde nicht aus dem Kopf, der im Tierheim-Vorraum frech von Besucher zu Besucher getapst war. Wir vermuteten, er würde einer der anwesenden Ehrenamtlichen gehören. Falsch gedacht, wie wir nach der Rückkehr vom Gassigehen erfuhren. Der putzige Fellknäuel mit Namen Sammy, ein Mischling mit deutlichem Golden-Retriever-Einschlag, war zu haben.

Erst am Vormittag hatte ihn ein Ehepaar abgeliefert, unter Tränen, angeblich litt die Frau unter einer Hundehaarallergie. Dafür packte ich nun die Gelegenheit entschlossen beim Hundeschopf und machte den Deal perfekt. Sammy trat prompt die Heimfahrt mit an. Eine Win-Win-Situation. Die Mitarbeiter des Tierschutzvereins erklärten sich froh, dass der kleine Neuling gleich weitervermittelt wurde. Meine Frau meinte übrigens später, sie hätte gerne noch mal eine Nacht drüber geschlafen. Ach!

Wobei - leicht war sie nicht, die Zeit der gegenseitigen Eingewöhnung und der ersten problematischen Neu-Hundehalter-Fragen: "Kastrieren oder nicht?", "Wie lange kann man ihn alleine lassen, ohne dass er die Couch zerlegt?", "Wie groß wird der eigentlich mal?" oder auch: "Kann es vielleicht sein, dass da ein Wolf mit drinsteckt?" Denn das kleine süße Hündchen erwies sich zunächst desöfteren als schwer erziehbarer Dickschädel, der uns so einige Nerven kostete. Regelmäßige Besuche in der Hundeschule, das Beherzigen von Erziehungstipps und ein langer Atem schafften nach und nach Abhilfe. Einigermaßen.

Auch später wurde es immer wieder mal auf nicht gerade angenehme Art abenteuerlich, wenn der Schlawiner beim Spazierengehen mal eben im Wald oder im Maisfeld verschwand und sich die nächste Viertelstunde für immer verzweifeltere Rufe taub stellte. Oder er, ebenso von inneren Stimmen ferngesteuert, über die Wiese in Richtung Bundesstraße und Autobahnauffahrt flitzte. "Er versteht jedes Wort", behauptet meine Frau gerne. Manche, wie "Gutti" und "Leckerli", aber wesentlich besser als solche wie "Stopp" oder "Komm", lehrt mich die Erfahrung.

Jetzt, mit sieben Jahren, ist er jedoch nicht nur folgsamer, sondern auch merklich ruhiger und abgeklärter geworden. Eigentlich wir alle. Drei Mal am Tag Gassigehen ist keine Last, sondern gehört zum ganz natürlichen Tagesablauf wie Essen und Schlafen. Und Überraschung: Unser jetzt 19-jähriger Sohn beteiligt sich daran noch immer zuverlässig. Sammy gehört zu unserem Alltag, zu unserer Familie. Ein Hund? Nie mehr ohne.

Gebettet im Beet. Im Garten fühlt sich der heute siebenjährige Sammy wohl.
Serie "Tier und wir":

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