Bis zum Nofi-Lauf am 8. Mai sind es nur noch wenige Woche. Viele nutzen die ersten Sonnenstrahlen, um mit dem Lauftraining so richtig durchzustarten – oft nach dem Motto "viel hilft viel". Doch wie bei so manchen anderen Dingen im Leben, ist diese Strategie auch beim Laufen nicht angebracht. Dr. Christoph Schirdewahn (34), Facharzt für Orthopädie am Klinikum Weiden, erklärt im Interview, warum zu ehrgeizige Ziele schnell ins Gegenteil umschlagen können.
Orthopäden und Physiotherapeuten kennen das Problem von Patienten, die voller Euphorie ins Lauftraining gestartet sind und dann frustriert einen Gang zurückschalten müssen. Krämpfe und Gelenkschmerzen – bevorzugt am Knie – sind ganz klare Warnsignale, dass der Körper überlastet ist. "Wenn man die ignoriert, ist es schnell vorbei", sagt Dr. Schirdewahn. Natürlich dürfe man spüren, dass man etwas gemacht hat, doch Schmerzen sollten ernstgenommen werden.
Tractus-Iliotibialis-Syndrom
Laut Statistik wird bei 7 bis 8 Prozent aller Läufer ein sogenanntes "Läuferknie" diagnostiziert. Das ist auf die Reizung einer großen Sehnenplatte zurückzuführen, die vom Becken bis zum Knie reicht. Der Mediziner spricht in diesem Fall vom Tractus-Iliotibialis-Syndrom. Beim Patienten macht sich diese Überlastungsverletzung im äußeren Kniegelenk bemerkbar. Der Schmerz wird oft als stechend, schneidend oder ziehend beschrieben. Davon betroffen sind in erster Linie Menschen ab 40. "Diese Schmerzen machen sich meist ab dem fünften oder sechsten Lauf bemerkbar", weiß Schirdewahn.
Auch wenn's viele nicht wahrhaben wollen: "Wer solche Beschwerden verspürt, sollte sofort eine Pause einlegen", rät der Orthopäde. Als Maßnahmen haben sich entzündungshemmende Salben, Knie kühlen und hochlagern oder auch Schmerzmittel wie etwa Ibuprofen bewährt. Zusätzlich zur Schmerztherapie bringen Dehnübungen die erhoffte Linderung. In der Schmerzphase sollte auf Laufeinheiten verzichtet werden. "Es spricht aber nichts dagegen, einen anderen Sport wie Radfahren oder Schwimmen auszuüben", sagt Schirdewahn. Wenn die Beschwerden nach drei bis vier Wochen nicht besser werden, rät der Mediziner, fachkundigen Rat bei einem Arzt einzuholen.
Schuhkauf nach Laufanalyse
Die Ursachen eines "Läuferknies" sind aber nicht nur in der Überbelastung zu suchen. Auch durch falsche oder ältere Laufschuhe können Schmerzen verursacht werden. Dr. Schirdewahn empfiehlt, die Schuhe, die vielleicht ein paar Jahre im Keller gelegen haben, vor dem ersten Laufversuch genauer anzuschauen. "Wenn der Schuh auf einer Seite mehr abgelaufen ist, als auf der anderen, sollten Sie hellhörig werden", sagt er.
Doch was macht einen guten Laufschuh aus? "Auf jeden Fall nicht die Farbe oder das günstige Angebot im Internet", sagt der Orthopäde. Wer den passenden Schuh für seine Bedürfnisse haben möchte, sollte in ein Fachgeschäft gehen, das eine Laufanalyse auf einem Laufband anbietet. "Wer den falschen Schuh hat, geht vielleicht damit dreimal Laufen und lässt es dann wieder sein."
Dehnen und kräftigen
Am besten ist es, den Tractus Iliotibialis erst gar nicht zu reizen. Oft hilft es schon, sich vor dem Training ein bisschen aufzuwärmen, etwa mit dem Kreisen der Gelenke oder moderatem Dehnen der Beinmuskulatur. Anfänger sollten eine Regelmäßigkeit in ihr Training bringen. "Am besten zweimal die Woche, zu zweit oder im Team", meint Schirdewahn. "Und vor allem langsam." Bewährt habe sich die Kräftigung der Rumpf-, Bauch- und Rückenmuskulatur.
Ebenfalls durch Überlastung beim Laufen kann das Schienbeinkantensyndrom entstehen. Schmerzen machen sich in dem Fall auf der Vorder- und Innenseite des Unterschenkels bemerkbar. Auch gilt Ruhe, bis die Beschwerden wieder abgeklungen sind.
Dr. Christoph Schirdewahn schnürt ebenfalls mit Begeisterung seine Laufschuhe. Wenn am 8. Mai Tausende von Läuferinnen und Läufern in Neustadt/WN auf den Startschuss warten, ist er mit dabei. "Laufen hat so viele positive Nebeneffekte", sagt er. Beim Nofi-Lauf steht für ihn aber etwas anderes im Vordergrund: "Ganz klar die gute Stimmung."
Dehnübungen bei Tractus-Iliotibialis-Reizung
- Übung 1: Auf den Rücken legen, ein Bein anwinkeln und den Unterschenkel des anderen Beines quer darüberlegen. Dann das Knie des unteren Beines umfassen und zum Körper ziehen, bis eine Dehnung in der Hüftmuskulatur spürbar ist.
- Auf den Boden setzen und das rechte Bein anwinkeln, dann den rechten Fuß über das Knie des linken Beins heben und absetzen. Mit dem linken Arm das rechte Knie umfassen und nach links ziehen. Den Arm seitlich vom Körper abstellen. Dann die Seite wechseln.
- Auf den Rücken legen, ein Bein anwinkeln und mit dem Arm auf die gegenüberliegende Seite drücken. Den anderen Arm seitlich wegstrecken.






















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